"Club der Männer auflockern"
Die Grünen drängen in die Spitze der Bundesbank

Die Reform der Bundesbank wird zum Politikum. Die neue Führung soll grüner und weiblicher werden, fordern die Grünen. Die Opposition warnt vor rot-grüner Selbstbedienung.

BERLIN. Die Vorsitzende des Bundestags-Finanzausschusses, Christine Scheel (Grüne), fordert, dass die Grünen im künftigen Vorstand der Bundesbank vertreten sind. Außerdem solle "eine Frau den Club der Männer auflockern", sagte Scheel dem Handelsblatt.

Nach dem neuen Bundesbank-Gesetz, das der Bundestag am Freitag beschlossen hat, wird der bisherige Zentralbankrat durch einen Vorstand ersetzt. Von den bisher fünfzehn Zentralbankräten hat allein Präsident Ernst Welteke seinen Posten im neuen achtköpfigen Vorstand sicher. Der Vizepräsident sowie zwei weitere Vorstandsmitglieder werden von der Bundesregierung, die vier übrigen auf Vorschlag des Bundesrates benannt.

Nach Handelsblatt-Informationen wollen die Unionsländer die bisherigen Präsidenten der Landeszentralbanken (LZB) Bayern und Hessen, Franz-Christoph Zeitler und Hans Reckers, in den künftigen Vorstand entsenden. Von den SPD-regierten Ländern werden die LZB-Präsidenten Hans-Helmut Kotz (Hannover) und Rolf Eggert (Hamburg) favorisiert.

Umstritten ist, ob Weltekes Vize Jürgen Stark in den neuen Vorstand berufen wird. Er genießt national und international hohes Ansehen. In der SPD plädiert bisher nur der Finanzexperte Jörg-Otto Spiller für den früheren Staatssekretär des damaligen Bundesfinanzministers Theo Waigel (CSU). "Ich halte Stark für einen hoch qualifizierten Mann", sagte Spiller dem Handelsblatt. Wenn Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) an Stark festhält und außerdem die Grünen den angestrebten Sitz erhalten, bleibt noch ein Sitz übrig, über den die Bundesregierung bestimmen könnte. Eichel müsste sich dann zwischen seinem Schulfreund Edgar Meister und dem Fachmann für Zahlungsverkehr, Hans Georg Fabritius, entscheiden. Beide sind zurzeit Mitglieder des Direktoriums.

Scheel betonte, die Reform mache die Bundesbank modern und zukunftstauglich. Alleine durch die Neuordnung des Vorstands würden 1,6 Mill. Euro eingespart. Obwohl niemand besser die Kriterien "grün, weiblich und kompetent" erfüllt als Scheel selbst, wies sie eigene Ambitionen für einen Vorstandsposten zurück. "Ich habe kein Interesse."

Der CDU-Abgeordnete Otto Bernhardt warnte, die neue Führungsstruktur sei " das Ende einer überparteilichen Bundesbank". Der Vorstand werde künftig "stromlinienförmig" von der jeweiligen Bundesregierung besetzt. Der FDP-Finanzpolitiker Carl-Ludwig Thiele wies die Pläne "als Selbstbedienungsladen von Rot-Grün" zurück.

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