Clubs bewältigen die Baisse unterschiedlich
Investmentclubs glauben weiter an die Börse

Die Chefs der drei größten deutschen Investmentclubs, die Depots zwischen 25 und 50 Millionen Euro verwalten, sind sich bei ihrer Investmentpolitik nur in einem Punkt einig: Finger weg von der T-Aktie. Ansonsten variieren die Konzepte von „Zukaufen“ bis „Zurückhalten“.

FRANKFURT/M. "Die Börse ist wie ein Paternoster", sagte André Kostolany einst. "Es ist ungefährlich, durch den Keller zu fahren - man muss nur die Nerven behalten." Derzeit fällt das aber selbst den Profis schwer. Ihre Markterwartungen und Strategien weichen stark voneinander ab. So geht es auch den Chefs der drei größten deutschen Aktienclubs, die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht werden: Das sind der Itzehoer Aktien Club (IAC), der Hanseatische Aktienclub (HAC) aus Hamburg und der Münchner Wertpapier Club (MIC).

IAC-Vorstand sieht gute Einstiegschancen

Jörg Wiechmann, als IAC-Vorstandsmitglied für ein Depot von rund 50 Mill. Euro verantwortlich, zählt zu den Börsenoptimisten: "Momentan sehe ich Übertreibungen nach unten und damit gute Einstiegschancen." Daher stehe die Barreserve mit knapp 5 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit Bestehen des Clubs. Die Itzehoer kaufen Titel mit einer soliden Bilanz und einer guten Eigenkapitalquote - "da scheidet die Telekom von vornherein aus" - und zudem niedriger Bewertung. Als Beispiele nennt Wiechmann Philip Morris, Ahold und Aegon.

Ein Favorit: Microsoft

Günstig zu haben seien auch Technologieaktien. Zu den Favoriten des IAC zählen Microsoft, Intel und Samsung. "Seit eh und je sind wir im Technologiesektor hoch gewichtet, aber nicht in riskante Papiere wie Neue-Markt-Aktien oder Aktien wie Yahoo", erläutert Wiechmann. Aktuell beträgt der Anteil der Technologieaktien 25 Prozent. Kurzfristig habe man zwar mit den Titeln einiges verloren. So verbuchte der Club im ersten Halbjahr ein Minus von 21,62 Prozent. "Aber wenn der Wendepunkt erreicht ist, geht es wie in einem Fahrstuhl nach oben," gibt sich der Chef optimistisch.

15,5 Prozent Minus in den vergangenen drei Jahren

Mit einem Verlust von 15,5 Prozent in den vergangenen drei Jahren liegt der IAC im Vergleich zum HAC nicht schlecht. Dieser hat nach eigenen Angaben 26 Prozent Minus gemacht hat. Am besten schneiden die Münchner mit einem Verlust von 7,7 Prozent ab. Allerdings mischt der MIC in seinem Depot über derzeit 25 Mill. Euro Aktien und Anleihen. Das erschwert Vergleiche.

Aktienanteile in den Depots gehen zurück

Wie Clubchef Andreas Grünewald erläutert, ist der aktuelle Aktienanteil mit rund 60 Prozent relativ niedrig, da er insbesondere in den USA weitere Verluste wittert. Je 20 Prozent des Kapitals stecken in Bonds - überwiegend mit vier und fünf Jahren Laufzeit - und in Liquidität. Gut 5 Prozent hat Grünewald in Goldminenaktien investiert. Für Käufe spreche, dass die Nachfrage nach Gold im Allgemeinen höher sei als das Angebot. In den letzten Jahren hätten die Notenbanken mit Goldverkäufen das Angebot aufgebläht und den Preis gedrückt. Bei den gegenwärtigen Währungsunsicherheiten etwa in Bezug auf den Dollarkurs sei nicht zu erwarten, dass die Zentralbanken ihre Goldreserven schnell auflösen würden.

Axa und Allianz auf der Watchlist

Zu den Favoriten von Grünewald gehören Versicherer wie Axa oder Allianz. Bei der Allianz laufe das Geschäft gut, die Prämien stiegen und man müsse sich nicht um die Bilanzpolitik sorgen. Wegen der Ausrichtung auf Generika erwartet Grünewald vom niederländischen Pharmawert DSM, von Stada und Novartis Kurszuwächse. Den Aktien helfe, dass im Pharmabereich viele Patente abliefen. Technologie- und Telekomaktien haben die Münchner seit zwei Jahren "fast keine mehr im Depot", sagt der Clubchef.

Technologie und Telekom sind bei manchen out

Auch die Hanseaten, die ein Depotvolumen von 31,6 Mill. Euro haben, lassen Technologie- und Telekomaktien links liegen - "mit Rücksicht auf das Nervenkostüm der Anleger", sagt Clubchef Michael Arpe. Ihr Liquiditätsanteil liegt mit rund 50 Prozent weiterhin hoch. Sie investieren zurzeit nicht, weil sie die Märkte für zu nervös halten. In der Erwartung weiterer Kurseinbrüche hatte der HAC Ende August 2001 seinen gesamten Aktienbestand verkauft, war zu Jahresanfang aber wieder eingestiegen. Die größte Aktienposition ist Banken und Versicherungen, dazu zählen HSBC und Citigroup. Ihnen traut der HAC wegen der wichtiger werdenden privaten Altersvorsorge noch Potenzial zu. Pharmatitel gehören auch zu den Favoriten, weil sie vom Trend der Überalterung profitieren dürften, sagt Arpe. Der HAC hält zurzeit keine deutschen Aktien, auch "wenn es hier hervorragende Unternehmen gibt, etwa SAP, Beiersdorf oder Altana". Die Titel seien zu teuer. In mancher Hinsicht können künftige Kursverluste also gelegen kommen.

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