„Cmode“-Service sorgt für Revolution in der Werbebranche
Die Handy-Coke

Der neue "Cmode"-Service revolutioniert Japans Getränkeautomaten - und schafft dem US-Brausekonzern Coca-Cola eine Werbe-Waffe, die die Augen der Marketingstrategen leuchten lässt.

Es ist heiß und stickig in den Straßen Tokios - ein Tag, wie er für die Manager von Coca-Cola nicht schöner sein könnte. Denn in diesem Moment piept es landesweit, und eine Kurzmitteilung macht dem schwitzenden Handy-Besitzer ein verlockendes Angebot: Wer sich heute eine eisgekühlte Coke aus einem "Cmode"-Getränkeautomaten zieht, darf sich einen gratis Klingelton herunterladen - direkt von Coca-Cola und natürlich polyphon.

Die Werbeaktion ist Teil des "Cmode"-Service, mit dem der US-Brausekonzern den Nerv der handyverliebten Japaner trifft. Zwar trägt ihr Durst nur zu 5 % der weltweiten Umsätze bei, beschert dem Konzern aber fast ein Fünftel des Gewinns. Mit der Werbeaktion reagiert Coca-Cola auf verändertes Kaufverhalten, fallende Preise und eine lahmende Wirtschaft.

Denn für Getränkehersteller wie Coca-Cola ist in Japan der zunehmende Verkauf von Dosen und Flaschen zu Billigpreisen in Supermärkten ein echtes Problem. Mary Minnick, Präsidentin von Coca-Cola Asien, will auf die hohe Gewinnspannen und Verkaufspreise im Automatengeschäft nicht verzichten: "Ziel ist es, diese Verkaufsform für Konsumenten wieder attraktiv zu gestalten." Die Handy-Werbeaktion zeigt Erfolg: Unter den SMS- Empfängern schnellt der Verkauf an diesem Tag um 50 % in die Höhe.

Besonderes Augenmerk schenken die Produzenten daher dem neuen "Cmode-Service". Er ist eine Partnerschaft mit NTT DoCoMo, Japans führendem Mobilfunkanbieter. Jeder durstige Japaner kann per Handy einen Barcode anfordern. Das Display seines Telefons hält er dann einfach auf den Scanner, mit dem jeder "Cmode"-Automat ausgestattet ist, und schon rollt ihm seine Dose Coke entgegen. Abgerechnet wird natürlich online.

Mit wachsendem Erfolg: Bereits über 200 000 Kunden haben sich für den Service angemeldet, jeden Tag werden neue Automaten installiert. Leuchtende Augen bekommen die Marketingstrategen von Coca-Cola aber erst bei den weiteren Möglichkeiten von "Cmode": Jeder registrierte Kunde kann gezielt per Kurzmitteilung umworben werden.

Obwohl sich die Technik noch in einer Testphase befindet, sehen die Manager bereits ihre neue Werbe- Waffe. "Es ist sehr wichtig, dass wir unsere Kunden individuell und schnell informieren", erläutert Etsuko Katsube, Marketing-Direktor für Japan. Entscheidend ist aber noch ein anderes Detail: Die Möglichkeit, den persönlichen Geschmack eines Verbrauchers zu messen, wird die Werbebranche revolutionieren.

Über tausend neue Produkte bringen die Getränkehersteller jährlich auf den Markt. Ähnlich wie die großen Fast-Food-Ketten kämpfen sie dabei mit einem weiteren Problem: Die Hälfte der einst jungen Käufer wird bald über 30 Jahre alt sein. Coke-Präsidentin Minnick betont, man werde künftig noch mehr neue Produkte entwickeln und dem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein der alternden Konsumenten entgegenkommen. So präsentierte der Konzern kürzlich einen kalorienarmen und mineralisierten Drink: Ihn wird es auch am Automaten geben. Den Hinweis darauf gibt es bestimmt - per Handy.

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