Co-Trainer wird Nachfolger des exzentrischen Trainers
Allein unter Stars

Real Madrids Trainer Camacho gibt nach drei Spieltagen auf, weil die Mannschaft nicht hinter ihm steht.

hb MADRID. Auch am Montag ließ sich José Antonio Camacho nicht mehr umstimmen. "Ich kann nicht mehr. Ich bin alleine. Der Kader steht nicht hinter mir", hatte der Trainer von Real Madrid schon nach der 0:1-Niederlage seiner Mannschaft bei Espanyol Barcelona am Samstagabend gesagt. Deshalb bot er am Sonntag Real-Präsident Florentino Perez nach dem dritten Spieltag seinen Rücktritt von dem Posten an, den er erst vor dieser Saison übernommen hatte. Perez, der zunächst abgelehnt hatte, akzeptierte gestern das Rücktrittsgesuch. Bis zum Ende der Saison soll der 53-jährige Mariano Garcia Remón, der bisherige Cotrainer, das Starensemble unter Kontrolle bekommen.

Das war Camacho nicht gelungen. "Meine Idee von Fußball konnte die Mannschaft nicht umsetzen. Es hat einfach keinen Sinn gehabt", sagte der 49-Jährige, der sechzehn Jahre lang für Real gespielt hat. Der für seine Temperamentsausbrüche bekannte Camacho ist der einzige Trainer, der in den vergangenen 25 Jahren seinen Posten bei Real freiwillig geräumt hat - zum zweiten Mal. 1998 hatte er nach nur 21 Tagen seinen Rücktritt erklärt, weil er sich mit dem damaligen Vereinschef Lorenzo Sanz zerstritten hatte.

Sein gestriger Rücktritt stößt in Spanien auf wenig Verständnis. Die ersten beiden Spiele in der Primera Division hatte Real gewonnen, wenn auch nicht überzeugend. "Der Trainer hätte wissen müssen, worauf er sich in Madrid einließ", schreibt die Sportzeitung "As". Und "Marca" ergänzte: "Der Trainer fügte dem Verein, den er über alles liebt, einen irreparablen Schaden zu." Camacho hatte sich schon seit Wochen darüber beschwert, dass die Mannschaft gegen ihn sei. Die Superstars Ronaldo und Luis Figo saßen nach ihrer Auswechslung beim 0:3-Debakel in der Champions League in Leverkusen am vergangenen Mittwoch beleidigt im Mannschaftsbus. Roberto Carlos übte öffentlich Kritik an den Methoden des Trainers. Und selbst der sonst zurückhaltende Zinedine Zidane bezeichnete die Methoden von Camacho als "Kulturschock".

Camacho, früher für seine Härte als Verteidiger bekannt, sollte das Team, das in der vergangenen Saison unter dem Portugiesen Carlos Queiroz keinen Titel gewann, auch mit Disziplin zurück zum Erfolg führen. Als er verpflichtet wurde, sagte Präsident Perez: "Camacho war immer in den Herzen aller Beteiligten und Anhänger des Vereins." Jetzt sind die Fans von ihrem Idol enttäuscht. Der neue Trainer Remón stand in den Siebzigerjahren bei Real im Tor. Noch lange kein Grund, die Stars von heute anzuschreien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%