Coast heißt in Zukunft "Bianchi-Coast"
Ullrich kann aufatmen

Jan Ullrich konnte am Mittwoch erst dreieinhalb Stunden vor dem Start der 40. Aragon-Rundfahrt in Huesca aufatmen. Dann gab der Internationale Radsport-Verband UCI durch seinen Sprecher Enrico Carpani Grünes Licht für einen Start des 29- jährigen Olympiasiegers - allerdings wieder unter Vorbehalt.

HB/dpa HUESCA/BERLIN. Diesmal haben die Einschränkungen aber wohl nur formell aufschiebenden Charakter, so dass Ullrich am Morgen erleichtert einen Strich unter die chaotischen letzten 14 Tage ziehen konnte: "Endlich ist Ruhe eingekehrt und ich kann mich auf das Sportliche konzentrieren." Ein möglicher Team-Wechsel im Schweinsgalopp ist für den Coast-Profi jetzt vom Tisch.

Carpani bestätigte den Eingang der längst fälligen Bankbürgschaft über drei Monatsgehälter für Ullrich im Wert von rund 500 000 Euro. "Das vom neuen Co-Sponsor Bianchi versprochene Fax zur Bestätigung erreichte uns gestern Abend später als erwartet, so dass wir nicht mehr reagieren konnten. Wir warten jetzt noch auf das Original, das per Post unterwegs ist. Wenn es eintrifft, ist Ullrichs Start- Berechtigung für die gesamte Saison perfekt", sagte der UCI-Sprecher am Mittwoch. Er ließ kaum einen Zweifel daran, dass damit das Schmierentheater der letzten Wochen, an dem wohl der umstrittene Coast-Chef Günther Dahms die Hauptschuld trug, beendet sei.

Der Essener Textil-Unternehmer, der sich bei Ullrichs Unterschrift unter einen Drei-Jahres-Vertrag im Januar finanziell - ohne Co- Sponsor im Rücken - übernommen hatte, war am Montag zum "Krisengipfel" an den UCI-Sitz nach Aigle/Schweiz gefahren. In einem Gespräch mit UCI-Chef Hein Verbruggen und den neuen Geldgebern der italienischen Fahrrad-Schmiede Bianchi wurden die Weichen gestellt. Die Italiener, von Ullrich-Betreuer Rudy Pevenage akquiriert, werden ihr bisheriges finanzielles Engagement erheblich erweitern und wollen dem Vernehmen nach mit mehreren Millionen Euro einsteigen. "In Zukunft heißt das Team Bianchi-Coast", sagte ein Coast-Sprecher.

Auch der zweite Saisonstart Ullrichs nach 14-monatiger Zwangspause mit zwei Knie-Operationen, Führerschein-Entzug und Doping-Sperre wurde zur Zitterpartie. Wie vor dem ersten Comeback-Rennen (Sarthe- Rundfahrt) lief Pevenage mit dem Handy am Ohr bis in den späten Abend aufgeregt durch die Hotel-Lobby. Am Morgen kam dann das erlösende Signal für den Tour-Sieger von 1997 und seinen Anhang. Die hektischen vergangenen Tage hatten sogar die sonst so wortgewandten Coast- Offiziellen Wolfram Linder ("Keine Zitate von mir") und Marcel Wüst ("Ich weiß von nichts") einsilbig werden lassen.

Bei der stark besetzten Aragon-Rundfahrt kann Ullrich im Hinblick auf die Tour de France zum ersten Mal das Teamwork mit Vuelta-Sieger Angel Casero und Aitor Garmendia (beide Spanien) testen. Beide liegen wegen ihnen angeblich noch zustehender Steuergelder im juristischen Clinch mit der Coast-Teamleitung. Nach Aragon sind "Rund um Köln" am Ostermontag, das fünfte Weltcup-Rennen Lüttich-Bastogne-Lüttich (27. April) und "Rund um den Henninger Turm" in Frankfurt (1. Mai) Ullrichs nächste Start-Termine.

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