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Coca-Cola oder Pepsi?

Bei der letzten Bundestagswahl war für viele Wähler klar: Nach 16 Jahren Kohl musste ein Regierungswechsel her. Deutschland gähnte unter der zum Kanzlerwahlverein mutierten CDU. Nichts ging mehr. Wer Deutschland einen Gefallen tun wollte, machte sein Kreuzchen bei Gerhard Schröder und besiegelte das Ende der Ära Kohl.

Diesmal fällt die Wahl nicht so leicht wie vor vier Jahren. Die beiden großen Parteien sind blass, ihre Wahlprogramme ähneln sich so sehr, dass es egal scheint, ob man sein Kreuzchen bei der CDU oder der SPD macht.

Egal ob Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit oder das Finale der Fußball-WM in Yokohama: Schröder und Stoiber halten ihre Reden, geben Pressekonferenzen oder grinsen fröhlich in die Kameras. Inhaltlich kommt dabei wenig raus, auf eine politische Auseinandersetzung wartet der Wähler vergebens. Wie schön war es doch in der guten alten Zeit, als sich Parteien und Spitzenkandidaten noch um ordnungspolitische Fragen stritten. Heutzutage scheint es, als ob die Grenzen zwischen links und rechts, rot, schwarz, gelb oder grün zu einem Mischmasch zerlaufen sind.

Der Wahlkampf gleicht der ewigen Auseinandersetzung zwischen Coca-Cola und Pepsi: Beide Marken verkaufen dasselbe Produkt - Limonade - und versuchen sich mit teuren Marketingstrategien von der Konkurrenz abzugrenzen. Das gelingt ihnen mal mehr und mal weniger.

Die Bundesbürger stehen vor einem Dilemma. Wen soll man wählen? Wird eine Regierung unter Stoiber Deutschland aus der Krise führen, oder wird es bei der alten Politik mit neuem Anstrich bleiben? Nicht wählen kommt - hoffentlich - für viele Wähler nicht in Frage. Das hieße, das Feld den Parteien am äußerst rechten oder linken Rand überlassen.

Diesmal entscheiden keine Wahlprogramme oder Versprechungen der Politiker die Wahl. Derjenige Politiker wird die meisten Stimmen hinter sich vereinigen, der es schafft, sich rechtzeitig zum 22. September ein Profil zuzulegen, das ihn unabhängig von seinem Parteibuch macht. Ein Effekt, von dem in Hamburg Ronald Schill profitiert hat. Seine markigen Sprüche zur Sicherheitspolitik reichten aus, ihn vom No-Name zum Shooting-Star der Politik zu katapultieren. Schade für die Demokratie.

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