Cockpit erwartet Zustimmung bei der Urabstimmung
Unmut bei Lufthansa-Piloten über Schlichtungsergebnis

Das Schlichtungsergebnis für die Lufthansa-Piloten ist sowohl bei Piloten als auch bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf Kritik gestoßen.

dpa-afx FRANKFURT. Die "Welt am Sonntag" (WamS) zitiert Auszüge aus Internet-Foren für Piloten, in denen sich viele gegen das Schlichtungsergebnis ausgesprochen hätten. Verdi kündigte an, bei den laufenden Tarifverhandlungen auch für das übrige Lufthansa-Personal Einkommensverbesserungen einzufordern.

Die Piloten hatten nach monatelangem Tarifstreit in einem Schlichtungsverfahren unter Leitung von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) Einkommenssteigerungen von insgesamt 28 % durchgesetzt. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll drei Jahre und drei Monate betragen.

Laut "WamS" (Hamburg) habe sich im Internet ein Pilot über das "reichlich dünne" Verhandlungsergebnis mit den Worten beschwert: "Für so wenig habe ich nicht gestreikt." Ein anderer schreibe, er könne sich "einfach nicht vorstellen, dass unsere Tarifkommission diesem Schlichterspruch zugestimmt hat."

Die Piloten-Gewerkschaft Cockpit erwarte bei der ausstehenden Urabstimmung über das Schlichtungsergebnis dennoch, dass mehr als die erforderliche Hälfte der Mitglieder zustimmen werde. Das Mitglied der Cockpit-Tarifkommission Hans-Christoph Thumm rechnet der "WamS" zufolge mit einer Zustimmung von zwei Dritteln. Die Urabstimmung soll in der kommenden Woche beginnen.

Verdi fordert mehr Gehalt für Boden- und Kabinenpersonal

Verdi-Sprecher Ingo Schwope forderte am Samstag im Saarländischen Rundfunk als Konsequenz des Tarifabschlusses für die Piloten auch Einkommensverbesserungen für das Boden- und Kabinenpersonal. Es werde zwar keine Nachverhandlungen geben, aber bei den laufenden Tarifverhandlungen werde die Gewerkschaft mehr Geld sowie eine Gewinnbeteiligung fordern. Schwope kritisierte, die Piloten hätten sich als Berufsgruppe, die an einem besonders wirksamen Hebel sitze, ein "Extrawürstchen" braten lassen. Das Betriebsklima bei der Lufthansa habe unter den hohen Forderungen der Piloten "eindeutig gelitten."

Auch der Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer fürchtet nach den monatelangen Auseinandersetzungen mit den Piloten um den Betriebsfrieden. Das Arbeitsklima habe sich in einigen Bereichen verschlechtert, sagte Lauer der "WamS". Es gebe "eine spürbare Emotionalisierung, die kein Dauerzustand bleiben darf".

Lauer verteidigte den Tarifkompromiss. Eine weitere Auseinandersetzung hätte "verheerende Folgen für das Unternehmen" gehabt. "Aber mit Sicherheit treten bei uns keine Glücksgefühle ein, da mit dem Abschluss noch nicht alle Wunden verheilt sind", sagte Lauer weiter. Die finanziellen Belastungen bereiteten "Bauchschmerzen". Zudem würden die Tarifverhandlungen mit Verdi für das Boden- und Kabinenpersonal nach dem Abschluss "sicherlich nicht erleichtert".

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