Cockpit hat viel Geld für lange Streiks
Cockpit droht mit Spontanstreiks

Vor den neuen Tarifverhandlungen zwischen der Vereinigung Cockpit und der Lufthansa am Montag hat Cockpit-Sprecher Georg Fongern mit Spontanstreiks gedroht. Bislang waren die Maschinen immer am Donnerstag am Boden geblieben.

dpa/afx FRANKFURT. Lufthansa-Chef Jürgen Weber warf er verfehlte Personalpolitik vor. Fongern kündigte in der "Bild am Sonntag" Spontan-Streiks an, falls es keine Verhandlungsfortschritte gebe: "Wir können unsere Forderungen auch durch nicht angekündigte Aktionen bekräftigen." So könnten die Flugzeuge beispielsweise nicht nur am nächsten Donnerstag, sondern auch an anderen Tagen ohne Warnung am Boden blieben.

Die Piloten könnten aber auch einen Streik ankündigen und dann doch fliegen. Cockpit könne diesen Kurs notfalls sehr lange durchhalten. "Wir haben Geld für Monate." Er warf der LH verfehlte Personalpolitik in den letzten zehn Jahren vor. Lufthansa-Chef Jürgen Weber habe vergessen, "dass Personal nicht einfach nur Nummern sind, die funktionieren müssen".

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kündigte in der "Bild am Sonntag" an, ihre Forderungen deutlich zu erhöhen, wenn Cockpit einen Zuwachs von 20 Prozent erziele. Verdi - Vorstandsmitglied Jan Kahmann warf der Vereinigung Cockpit in dem Blatt vor: "Das Gefüge stimmt nicht mehr. Schon jetzt verdienen die Piloten 17 Prozent des Gesamtgehalts bei der Lufthansa. Sie stellen aber nur sechs Prozent der Beschäftigten."

Cockpit-Präsident Thomas von Sturm mahnte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in der "Welt am Sonntag", Flächentarifverträge hätten nur eine Zukunft, wenn berufsbezogene Entwicklungen berücksichtigt und mehr Flexibilisierungen eingebaut würden. "Wenn die klassischen Gewerkschaften an dem unflexiblen Flächentarifvertrag festhalten, werden die gut qualifizierten Arbeitnehmer die Großgewerkschaften meiden."

"Beschäftige als Kampfmittel"

Cockpit hatte sich 1999 von der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) abgespalten, die in diesem Jahr in Verdi aufgehen wird. Von Sturm warf der Lufthansa vor, die Beschäftigten als Kampfmittel im Tarifkonflikt einzusetzen. "Der zukünftige Betriebsfrieden hängt auch davon ab, wie sehr die Lufthansa noch weiter die Tarifverhandlungen emotionalisiert", sagte er der "Welt am Sonntag".

"In Deutschland ist es relativ leicht, über Sozialneid Debatten zu mobilisieren." Die anderen Lufthansa-Berufsgruppen zeigten jedoch großes Verständnis für die Cockpit- Forderungen, wenn die Piloten ihre Situation erklärten - "unsere Sanierungsopfer" und die weltweiten Gehaltsstrukturen. "Nur wenn die Lufthansa die Mitarbeiter als Kampfmittel zur zusätzlichen Emotionalisierung einsetzt, dann ist es schwer für uns dagegen zu steuern." Die Fluglinie nutze bewusst ihre Öffentlichkeitsarbeit, um die Piloten in die Ecke zu drängen.

Die Tarif-Gespräche sollen am Montag fortgesetzt werden. Lufthansa hat bisher für 2001 eine Einkommens-Verbesserung von 10,6 Prozent im Grundgehalt und eine Ergebnis-Beteiligung von zwei Monatsgehältern angeboten. Hinzukommen soll außerdem ein Aufschlag von drei Prozent innerhalb der vorgesehenen vierjährigen Laufzeit. Cockpit verlangt für die 4 200 Piloten und Copiloten 24 Prozent mehr Gehalt und eine Ergebnis-Beteiligung.

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