Cockpit wehrt sich gegen Vorwürfe der LTU-Führung
LTU dementiert angeblichen Jahresverlust

Zwischen der Führung des angeschlagenen Ferienfliegers LTU und der Vereinigung Cockpit gibt es Turbulenzen. Die Pilotengewerkschaft widerspricht der Darstellung der Firmenspitze, wonach die Piloten eine Einigung über ihren Sanierungsbeitrag verhindert hätten.

ddp BERLIN. Cockpit will am Montag auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf dazu Stellung nehmen. Am Wochenende hatte die Airline einen Bericht über angeblich höhere Verluste als bisher bekannt als "unseriös" und unsolide recherchiert bezeichnet.

Michael Tarp, Vorsitzender Tarifpolitik der Vereinigung Cockpit (VC), erklärte am Sonntag, die Forderungen aus dem Sanierungsplan seien von den Piloten voll erfüllt worden. Der VC soll damit nur der "Schwarze Peter" zugeschoben werden, wobei das "Missmanagement" der LTU-Geschäftsleitung schon seit Jahren andauere. Die von den Piloten angebotenen Maßnahmen enthielten unter anderem die Absenkung der Gehälter des Cockpit-Personals um zehn Prozent, weitere Nullrunden von 2002 bis einschließlich 2004 sowie die Absenkung des Weihnachtsgeldes von 2001 bis 2004 um 50 %. Das damit erbrachte Einsparvolumen liege zwischen 59 bis 65 Mill. DM. Darin enthalten sei auch das Angebot, LTU-Anteile im Wert von fünf Mill. DM zurückzugeben. Damit leiste das Cockpit-Personal mehr als 40 % des von der gesamten Belegschaft geforderten Beitrags.

Ein Sprecher der zweitgrößten deutschen Charterlinie hatte den 300 LTU-Piloten vorgeworfen, auf dem Gehaltsanspruch aus dem Mitarbeiter-Beteiligungsmodell zu beharren, während die 1 200 übrigen Beschäftigten bis 2003 auf fünf Prozent Gehalt verzichten. Gespräche zur Rettung von LTU, an denen neben der LTU-Führung die nordrhein-westfälische Regierung, Banken und Eigner teilgenommen hatten, waren am Freitagabend ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gegangen. Die Teilnehmer hätten sich verständigt, die Gespräche «mit Hochdruck fortzusetzen, um eine dauerhafte Stabilisierung der LTU zu erreichen», teilte die Landesregierung im Anschluss mit.

LTU-Sprecher Marco Domo dementierte am Samstag im Gespräch mit ddp.vwd einen vorab veröffentlichten "Focus"-Bericht. Darin hieß es, im laufenden Quartal sollen weitere 50 Mill. ? (97,79 Mill. DM) Verlust hinzukommen. Das Magazin beruft sich auf ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft C&L Deutsche Revision, das angeblich im Auftrag der Nordrhein-Westfälischen Landesregierung erstellt worden sei. Insgesamt würden sich demnach bei LTU für 2001 Verluste in Höhe von 170,5 Mill. ? aufhäufen.

"Ich dementiere alle diese Zahlen", sagte der Sprecher. Domo verwies darauf, dass Quartalszahlen nur von börsengeführten Unternehmen veröffentlicht würden. LTU rechne hingegen Monatsberichte ab. Da das Jahr noch nicht zu Ende sei, könnten für das vierte Quartal auch noch keine Zahlen ausgewiesen werden. Ihm sei zudem auch kein Gutachten der Wirtschaftsprüfgesellschaft C&L bekannt. Richtig sei hingegen, dass die Landesregierung ein Gutachten bei Price Waterhouse in Auftrag gegeben habe. Nähere Angaben dazu machte Domo nicht.

Ebenso dementierte der Sprecher die Angaben von "Focus", der Konzern brauche laut Gutachten zum Überleben noch bis Jahresende 75 Mill. ? "frisches" Geld. Der operative Finanzbedarf liege sogar bei 300 Mill. ?. Sie sollen zur Hälfte durch Darlehen mit Landesbürgschaft gedeckt werden. Käme es zu solchen Landesbürgschaften, dann sähe das die Konkurrenz überaus kritisch. Stefan Pichler, Vorstandssprecher des Mitbewerbers Thomas Cook, kündigt gegenüber "Focus" an, sein Unternehmen würde dann diese Bürgschaften "auf jeden Fall in Brüssel prüfen lassen".

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