Cockpit weist Tupolew-Pilot Schuld zu
Auflagen für Skyguide

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) in Bern hat die Auflagen für die Flugverkehrskontrolle Skyguide verschärft. Radar-Überflugsektoren müssen von mindestens zwei Personen überwacht, Sicherheitssysteme dürfen nur noch bei entsprechender Kompensation abgeschaltet werden.

Reuters BERLIN. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) in Bern ordnete am Dienstag an, die Schweizer Flugverkehrskontrolle Skyguide darf die Radar-Überflugsektoren nicht mehr nur durch eine einzelne Person überwachen lassen. Wie das Amt weiter mitteilte, war es bisher üblich, dass Skyguide nachts für die Radarüberwachung nur einen Mitarbeiter einsetzte. Zudem ordnete das BAZL an, dass Skyguide die Sicherheitssysteme nur noch außer Betrieb setzen oder reduzieren darf, wenn die dabei entstehenden Lücken durch andere Maßnahmen wie etwa mehr Personal kompensiert werden.

Der Fluglotse, der in der Unglücksnacht Dienst tat, darf bis auf weiteres nicht mehr als Flugverkehrsleiter eingesetzt werden. Es handele sich um vorsorgliche Maßnahmen, erklärte das BAZL weiter. Sie dürften nicht als Schuldzuweisungen der Aufsichtsbehörde interpretiert werden.

Pilotenvereinigung Cockpit: Hauptschuld liegt bei Tupolew-Piloten

Die Hauptschuld an der Kollision der beiden Flugzeuge über dem Bodensee mit 71 Toten trägt nach Angaben der deutschen Pilotenvereinigung Cockpit der Pilot der russischen Tupolew. Allerdings gebe es auch schwere Fehler bei der Schweizer Luftfahrtüberwachung Skyguide. Wenn ein Pilot, wie bei der Tupolew geschehen, von seinem bordeigenem Kollisions-Warnsystem TCAS die Anweisung zum Steigflug bekomme, müsse er dieser auch bei einer gegenteiligen Anweisung des Fluglotsen unbedingt Folge leisten, sagte Cockpit-Sprecher Georg Fongern am Dienstag im "Deutschlandfunk". So sei TCAS ausgelegt und nur so könnten die Computer über TCAS in den beiden Flugzeugen vernünftig miteinander kommunizieren. Unterdessen kündigten Schweizer Behörden erste Konsequenzen aus dem Absturz an.

Am Montag war bekannt geworden, dass der Tupolew-Pilot etwa 40 Sekunden vor der Kollision mit der Boeing-Frachtmaschine von TCAS zum Steigen aufgefordert worden war. Eine Sekunde danach war er aber vom Fluglotsen zum Sinkflug aufgefordert worden. Nachdem diese Anweisung nochmals wiederholt worden war, hatte der Pilot der Anweisung des Lotsen Folge geleistet. Das TCAS der Boeing hatte aber die Frachtmaschine ebenfalls zum Sinkflug aufgefordert, wodurch die Flugzeuge wieder auf Kollisionskurs geführt wurden und in etwa 12 Kilometern Höhe zusammen stießen.

Er könne sich natürlich wegen der Kürze der Zeit vorstellen, dass es auf Grund der die gegensätzlichen Anweisungen große Verwirrung im Cockpit der Tupolew gegeben habe, sagte Fongern. Weshalb es zu dieser Konfusion gekommen sei, müsse geklärt werden. "Da muss man fragen, wieso sich der Pilot regelwidrig verhalten hat."

Auf die Frage, wie er das Unglück bewerte, sagte Fongern: "Das ist aus meiner Sicht eine Riesenkatastrophe. Es kann nicht sein, dass eine Flugsicherungszentrale nur über eine Telefonleitung verfügt, die dann natürlich auch einmal besetzt ist und dann niemand mehr an sie heran kommt. Dass sie sozusagen blind, stumm und taub sind." Am Montag war bekannt geworden, dass die anderen Telefonleitungen aus Wartungsgründen abgeschaltet waren. Der Lotse trage sicher eine Mitschuld, aber auch Skyguide müsse kritisiert werden. "Von der organisatorischen Seite her, von der Personalführung, von der Führung dieses Unternehmens bin ich schwer enttäuscht."

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) in Bern ordnete am Dienstag an, die Schweizer Flugverkehrskontrolle Skyguide darf die Radar-Überflugsektoren nicht mehr nur durch eine einzelne Person überwachen lassen. Wie das Amt weiter mitteilte, war es bisher üblich, dass Skyguide nachts für die Radarüberwachung nur einen Mitarbeiter einsetzte. Zudem ordnete das BAZL an, dass Skyguide die Sicherheitssysteme nur noch außer Betrieb setzen oder reduzieren darf, wenn die dabei entstehenden Lücken durch andere Maßnahmen wie etwa mehr Personal kompensiert werden.

Der Fluglotse, der in der Unglücksnacht Dienst tat, darf bis auf weiteres nicht mehr als Flugverkehrsleiter eingesetzt werden. Es handele sich um vorsorgliche Maßnahmen, erklärte das BAZL weiter. Sie dürften nicht als Schuldzuweisungen der Aufsichtsbehörde interpretiert werden.

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