Cockpit: Zustände wie in der Dritten Welt: Schwarzhandel mit Flugzeug-Ersatzteilen in Italien

Cockpit: Zustände wie in der Dritten Welt
Schwarzhandel mit Flugzeug-Ersatzteilen in Italien

Im Skandal um den illegalen Handel mit Flugzeug-Ersatzteilen, bei dem es auch um den Absturz eines Airbus im New Yorker Stadtteil Queens mit 265 Toten geht, werden jetzt alle italienischen Flugzeuge überprüft.

dpa ROM/FRANKFURT/HAMBURG. Nach einer Anordnung der Flugaufsichtsbehörde in Rom müssen alle Fluggesellschaften des Landes untersuchen, ob sie bei der Instandhaltung ihrer Maschinen gefälschte Ersatzteile verwendet haben. Die Fluglinien müssen innerhalb von 24 Stunden einen entsprechenden Bericht vorlegen, berichtete die Zeitung "La Repubblica" (Rom) am Donnerstag.

Der Sprecher der deutschen Pilotenvereinigung Cockpit, Georg Fongern, hält es für denkbar, dass auch in Deutschland unwissentlich gefälschte Ersatzteile verwendet werden. "Ich kann mir das durchaus vorstellen, aber es nicht nachweisen", sagte er in Frankfurt am Main. Zugleich warnte er aber vor Panikmache. Nicht jedes gefälschte Ersatzteil sei wesentlich. Der Sprecher der Lufthansa Technik AG (Hamburg), Bernd Habbel, hält einen derartigen Skandal wegen "der dichten Qualitätskontrolle von Behörden und Unternehmen (in Deutschland) für äußerst unwahrscheinlich". 100-prozentige Sicherheit gebe es aber nicht.

Der Skandal in Italien war vor einer knappen Woche bekannt geworden: Sondereinheiten der Polizei stellten bei einer Blitzaktion auf dem römischen Flughafen Leonardo da Vinci mehrere Container mit etwa 10 000 Flugzeug-Ersatzteilen sicher. Ein großer Teil der Ersatzteile stammt laut Medienberichten aus Airbus-Maschinen der Staatslinie Alitalia.

Die Behörden verdächtigen italienische Unternehmen, jahrelang alte oder verunglückte Maschinen aufgekauft zu haben, um diese auszuschlachten und Ersatzteile zu verkaufen – vor allem auch an US-Fluggesellschaften. Die Ersatzteile seien verkauft worden, ohne dass die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitstest vorgenommen worden seien. Cockpit-Sprecher Fongern meinte dazu, einen derartigen Skandal habe er sich lediglich in der Dritten Welt vorstellen können.

Zusammenhang mit Queens-Absturz vermutet

Zusätzliche Brisanz erhielten die italienischen Ermittlungen, als sich die amerikanische Bundespolizei FBI einschaltete. Den Amerikanern geht es vor allem um die Aufklärung des rätselhaften Absturzes eines Airbus A300-600 kurz nach dem Start am 12. November 2001 in New York. Der Maschine der American Airlines brach aus ungeklärten Gründen das Seitenruder ab, nachdem die Maschine in den Luftwirbel eines kurz zuvor gestarteten Flugzeuges geraten war. Experten vermuten einen Materialfehler.

In Italien wurden sechs Verdächtige wegen möglicher Gefährdung des Flugverkehrs festgenommen, darunter Mitarbeiter der Fluglinie Meridiana und des italienischen Unternehmens Panaviation, die den Schwarzhandel betrieben haben sollen. Sie streiten jede Schuld ab. Jetzt müssen die Behörden prüfen, ob die fraglichen Ersatzteile in Flugzeuge eingebaut wurden, die noch im Betrieb sind, hieß es in Rom.

Mitarbeiter zweier US-Unternehmen, die mit Panaviation zusammenarbeiten, bestritten, dass gefälschte Ersatzteile aus Italien an American Airlines verkauft wurden. Der Zeitung "La Repubblica" sagten sie: "Der Airbus, der in New York abstürzte, war ein Modell A300-600, dagegen sind die von Alitalia gekauften Modelle viel älter. Da kann man die Ersatzteile nicht austauschen."

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