Colin Powell droht mit Wirtschaftssanktionen
USA: Syrien ist ein Schurkenstaat

Nach dem Irak scheint der nächste Feind schon ausgemacht: Vertreter der US-Regierungsspitze haben ihren Ton gegen das Nachbarland Iraks massiv verschärft.

rtr WASHINGTON. Die USA haben Syrien als "Schurkenstaat" bezeichnet und prüfen diplomatische und wirtschaftliche Schritte gegen das Nachbarland des Iraks.

"Syrien ist in der Tat ein Schurkenstaat", sagte der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, Ari Fleischer, am Montag. Außenminister Colin Powell forderte die Führung in Damaskus auf, ihre Haltung zu überprüfen. Die USA haben Syrien davor gewarnt, Mitgliedern der entmachteten irakischen Regierung Unterschlupf zu gewähren. Syrien wies dies am Montag ebenso zurück wie Vorwürfe der US-Regierung, chemische Waffen zu besitzen. Der britische Außenminister Jack Straw sagte, die USA und Großbritannien hätten nicht die Absicht, nach Irak auch Syrien anzugreifen.

"In Bezug auf Syrien werden wir natürlich mögliche Maßnahmen diplomatischer, wirtschaftlicher oder anderer Art prüfen", sagte Powell in Washington. "Im Lichte dieser neuen Umgebung sollten sie (Syrien) ihr Vorgehen und ihr Verhalten prüfen, nicht nur in Bezug darauf, wer Zuflucht in Syrien erhält, und auf Massenvernichtungswaffen, sondern insbesondere auf die Unterstützung terroristischer Aktivitäten", fügte er hinzu. US-Präsident Bush hatte Syrien am Sonntag den Besitz von Chemiewaffen vorgeworfen. Mehrere britische und US-Politiker haben das Land seit dem Beginn des Irak-Kriegs zudem davor gewarnt, flüchtenden Mitgliedern der irakischen Führung Unterschlupf zu gewähren.

Fleischer forderte Syrien erneut zur Zusammenarbeit mit den USA auf. "Für das irakische Volk gibt es eine neue Morgendämmerung, die Morgendämmerung der Freiheit, und ich denke, Syrien muss sich in Bezug auf sein Verhalten seiner Verantwortung bewusst werden." Er warf Syrien vor, sich im vergangenen Jahr im Ausland um Materialien für chemische Waffen bemüht zu haben. Das Land verfüge bereits über Bestände des Nervengases Sarin, wolle aber offenbar mehr chemische Kampfstoffe herstellen.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld warf Syrien vor, in den vergangenen zwölf bis 15 Monaten chemische Waffen getestet zu haben. Zudem habe das Land Irakern die Flucht nach Syrien und in einigen Fällen die Weiterreise gestattet. Er machte keine Angaben darüber, um welche Iraker es sich dabei gehandelt haben soll. Syrien habe auch Kämpfer in den Irak einreisen lassen, sagte Rumsfeld.

Syrien hatte bereits zuvor Vorwürfe der USA als unzutreffend bezeichnet. "Es gab niemals eine Zusammenarbeit zwischen Damaskus und Bagdad", sagte eine Sprecherin des syrischen Außenministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. "Unsere Unterstützung galt dem irakischen Volk, das die Geißel des Kriegs durchlitten hat." Die einzigen chemischen und biologischen Waffen in der Region besitze Israel, das seine Nachbarn bedrohe und deren Land besetze.

Straw warf Syrien eine Zusammenarbeit mit Saddam vor. "Es ist wichtig, dass sich Syrien nach dem Ende des Saddam-Regimes die neue Realität bewusst macht", sagte er in Kuwait-Stadt. Zuvor hatte Straw in Bahrain Spekulationen zurückgewiesen, die Alliierten planten eine Fortsetzung ihres Feldzugs in das irakische Nachbarland. Dem Sender BBC sagte Straw, auch Premierminister Tony Blair habe vorige Woche dem Unterhaus erklärt, das er von Plänen über Militäraktionen gegen Syrien nichts wisse.

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