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Comdex: Mobile Lösungen verdrängen feste Systeme

dpa LAS VEGAS. Flexibel, leicht, vernetzt und kabellos - so lauten die neusten Trends der Computer-Welt, die zurzeit auf der Fachmesse Comdex in Las Vegas zu sehen sind. Was die rund 200 000 Besucher der größten US-Computermesse in der "Stadt der Sünde" im US- Bundesstaat Nevada zu sehen bekommen, wird auch im kommenden Frühjahr auf der weltgrößten Computerausstellung, der CeBIT in Hannover, ein dominierendes Thema sein.

Der klassische Personal Computer (PC) sei noch lange nicht tot, sagte der Vorsitzende von Dell Computer, Michael Dell, in Las Vegas. Dennoch bewege sich die Welt jedoch schnell weg von festen Computersystemen hin zu mobilen Lösungen: "Das wird einen Rieseneffekt auf unsere Industrie haben. Und es wird die Arbeitsweise von Menschen ändern."

Die Technik ist zwar noch nicht ausgereift, trotzdem zeichnet sich eine Verschmelzung ab von PCs, Mobiltelefonen und den Mini-Rechnern PDA (Persönliche Digitale Assistenten). Nicht nur Kontakte lassen sich mit einem PDA verwalten; mit einem Zusatzmodul verwandelt er sich zum Beispiel in ein Mobiltelefon. Ist die Dateneingabe mit dem Stift zu mühsam, kann der PDA-Nutzer eine ausklappbare Tastatur ans Gerät anschließen.

Wenn es nach den Wünschen der so genannten Application Service Provider (ASP) ginge, müssten die Menschen nur noch ein Internet- Endgerät auf dem Schreibtisch haben. Alle weiteren Funktionen könnten sie sich aus dem Internet von einem ASP herunterladen - sei es ein Betriebssystem, ein Texterfassungsprogramm, eine Datenbank oder ein E-Mail-Programm. Der Nutzer könnte gar seine Daten auf einem gemieteten Speicherplatz übers Internet ablegen.

Doch nicht nur das Büro ist voll vernetzbar. Eine ganze Hauseinrichtung mit Fernseher, Videorecorder, Spielkonsole, Alarmanlage und Computer kann kabellos miteinander verbunden werden. Neben Mobiltelefonnetzen bietet sich zur kabellosen Datenübertragung die auf Radiowellen basierende Transfertechnik "Bluetooth" an. Die nach dem Wikingerkönig Blauzahn benannte Technologie lässt Geräte auf kurzen Entfernungen unkompliziert miteinander kommunizieren.

Doch nicht nur auf einen schnellen und kabellosen Datentransfer kommt es der IT-Industrie an, sondern auch auf das Vertrauen der Benutzer in die Sicherheit der Anwendungen. Neben so genannten Firewalls (Schutzwällen in Netzwerken) und Anti-Virus-Programmen setzt die Branche auf Biometrik. Das heißt: Nicht mehr Maschinen sollen identifiziert werden, sondern Menschen. "Passwörter sind der Fluch der Existenz des Internutzers", meint Jeffrey P. Anthony, Vorsitzender des Biometrik-Anbieters "Saflink". Die Lösung des Unternehmens setzt auf Spracherkennung, um einen berechtigten Nutzer zu identifizieren. Andere Hersteller analysieren Fingerabdrücke, die Augen oder Mundbewegungen.

Neben all den neuen Trends werden auf der Comdex auch alte Feindschaften gepflegt: Linux- und Microsoft-Anhänger debattieren über Vorzüge und Nachteile des jeweiligen Betriebssystems. Oracle - Chef Larry Ellison pflegt durch verbale Spitzen sein Antagonisten- Image zu Microsoft-Gründer Bill Gates. Und trotz der jüngsten Rückschläge an der Börse geht es der Branche vergleichsweise gut: Das Marktforschungsunternehmen IDC prognostiziert der Computerindustrie in diesem Jahr ein weltweites Wachstum von 10,4 %. Ende 2000 sollen die Ausgaben für IT-Produkte weltweit auf 975,5 Mrd. $ steigen und nächstes Jahr gar die Billionen-Grenze überschreiten, so IDC. Die Comdex läuft noch bis zum 17. November.

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