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Comeback der Space Invaders

Die 80er Jahre kehren nicht nur modisch zurück. Dank entsprechender Emulatoren bereitet sogar 20 Jahre alte Technik jetzt wieder richtig (Spiele-)Spaß.

Mit aller Macht drängen zurzeit die 80er Jahre zurück ins Erscheinungsbild des Hier und Jetzt. Selbst weniger Trendversessene erkennen es an "angesagten" Accessoires (wie Sonnenbrillen), dem modischen Gesamtoutfit und in den aktuellen Popmusik-Trends (die Enkel von Kraftwerk heißen Op:l Bastards und Electronic Beats sind allgegenwärtig). Für eingefleischte Ewiggestrige, die ihren ersten Commodore 64 nie vergessen konnten, ist unlängst sogar eine CD mit typischen Geräuschen des beliebtesten Homecomputers der 80er-Jahre erschienen.

Diese Zeitreise kann und will nicht jeder mitmachen, und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Aber eine kleine, doch beständig wachsende Zielgruppe freut das Comeback ganz besonders: Diejenigen, die schon in den 80er Jahren gedaddelt und gezockt haben, die viele D-Mark in die Schlitze der Spielhallen-Automaten gesteckt haben und sich begierig auf die frühen Spielekonsolen wie die von Atari, auf den C 64 und den Amiga gestürzt haben.



Denn neben den früheren Konsolen und Ur-PCs können nun auch die grobpixeligen Helden von damals auf die Bildschirme zurückkehren. Der Klempner Mario, sein "ewiger" Gegner Donkey Kong, der punktefressende gelbe Pacman, Pengo, Arkanoid, Asteroids und viele andere finden sich (kostenlos) im Internet und warten nur darauf, wiederentdeckt zu werden.



Den Charme schlichter Jump-and-run- oder Labyrinth-Spiele sowie den unverhohlenen Ballerspaß bei Spiele-Klassiker wie "1943" oder "Space Invaders" muss die Moorhuhn-Generation vielleicht erst noch für sich entdecken. Doch wer schon in den 80er mit Schwitzefingern am Joystick klebte, der wird sich schnell an seine Favoriten erinnern.



Um die wieder ans Laufen zu bringen, werden zwei Bestandteile zwingend benötigt. Erstens die so genannten Emulatoren. Solche Programme gaukeln dem PC vor, er wäre ein anderes Stück Technik. Zum Beispiel ein Commodore 64, ein Amiga 500, eine Spielhallen-Daddelkiste oder eine Atari-Videokonsole. So ist es möglich, auch die Games-Software von damals wieder zu neuem Leben zu erwecken. Die für Spieleliebhaber interessantesten Systeme werden auf zahlreichen Internetseiten beschrieben, die Auswahl ist riesig und die Emulationen laufen auf allen Betriebssystemen.



Um den komplette Emulation ans Laufen zu bekommen benötigt man allerdings neben der Emulator-Software noch die ROMs der Spiele (z.B. die aus den Original-Cartridges für die Konsolen ausgelesenen Informationen). Die sind zwar online etwas schwieriger zu finden. Doch wer MP3-files finden konnte, für den ist das Aufspüren der nur halbherzig im Web verborgenen ROMs kein echtes Problem. Der Emulator wird mit entsprechenden ROMs "gefüttert", schon kann der Spielespaß von damals weitergehen - Originalsound inklusive (mitten im Spiel fragt man sich dann allerdings, ob die Grafik schon damals so lausig war).



Echte Liebhaber von Spielhallen-Klassikern und simplen Verfolgungsjagden in 2-D-Optik räubern das Internet auf der Suche nach ROMs bereits intensiv. Kein Wunder, denn innerhalb kürzester Zeit lassen sich Hunderte von Spielen finden. Allein der so genannte M.A.M.E.-Emulator unterstützt mehr als 3 000 Spiele. In immer neuen Boards und Chatrooms werden eifrig Informationen ausgetauscht, auf welcher Site es für welchen Emulator-Typ die passenden ROMs zu finden gibt.



Wem dabei ein reines Gewissen wichtiger ist als das reine Vergnügen, der sollte die Nutzungshinweise auf entsprechenden ROM-Sites beherzigen. Erst wenige Spiele sind von den Herstellern für die Emulator-Nutzung freigegeben worden. Die meisten Anbieter weisen darauf hin, dass Spiele-ROMs nur als "Sicherheitskopie" von denjenigen genutzt werden dürfen, die auch das Originalspiel besitzen. Dies ist allerdings eine rein optische Hürde, die sich durch simples Klicken eines "Ja"-Buttons überwinden lässt. Der Hinweis dient in der Praxis lediglich dazu, den ROM-Anbieter vor juristischer Verfolgung durch den Spiele-Hersteller zu schützen.



Durch Emulation bekommt man die Möglichkeit, die Grenzen seines Jetztzeit-PCs bewusst retro-orientiert hinter sich zu lassen und die ganze Vielfalt des elektronischen Entertainments der vergangenen 25 Jahre kennen zu lernen. Wie weit man auf diesem Weg in Richtung Illegalität abdriftet, das liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Nutzers. Aber Zeitreisen waren ja noch nie ganz ungefährlich. Gute Unterhaltung!



Einige Links zu Spiele-Emulatoren und ROMs:


http://home.snafu.de/chicano/


www.amigaemulation.de/


www.emulation.net


www.emuboard.de/


www.xlarge.at/~jan.klinke/emulation.htm


www.mame.net/


www.mameworld.net/


www.vg-network.com/mame.phtml


www.rompoint.com/neogeo.shtml


www.emuviews.com/emus/


www.freeroms.com/


www.emulator-zone.com/


www.currybeast.com/ftp/GAMES/Emulators/Mame/roms/



Schreiben Sie dem Autor eine Mail: f.heide@vhb.de

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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