Archiv
Commerzbank blickt auf ein weiteres Übergangsjahr

vwd FRANKFURT. Für die Commerzbank AG wird 2005 ein weiteres Übergangsjahr auf dem Weg zur "neuen, besseren Bank", die Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller bereits Ende 2003 ausgerufen hatte. Im Investmentbanking muss die Bank den kürzlich angekündigten Kahlschlag verdauen, und das Kreditportfolio muss weiter auf Rentabilität getrimmt werden. Vor allem im deutschen Markt ist die Vorsteuerrendite noch weit von den für 2006 anvisierten 17 Prozent entfernt. Zudem ist vom konjunkturellen Umfeld für 2005 nur wenig Unterstützung zu erwarten.

"2004 war noch nicht das Jahr, in dem eine neue, bessere Commerzbank wie Phönix aus der Asche aufgestiegen ist", sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck im Gespräch mit der Agentur Dow Jones Newswires. Die neue Bank sei zwar bereits als Skelett zu erkennen, Fleisch habe sie aber noch nicht angesetzt. Im kommenden Jahr sieht Becker für die gesamte deutsche Bankenbranche nur geringes Potenzial auf eine Ertragssteigerung. Dementsprechend werde auch für die Commerzbank die "Musik" auf der Kostenseite spielen. Er traut der Bank zu, den Verwaltungsaufwand 2005 im Jahresvergleich um rund 170 Mio Euro zu senken auf 4,26 Mrd Euro.

Die Restrukturierung des Investment Banking werde über den Abbau von insgesamt rund 900 Stellen bis Ende März zwar wesentlich zu dieser Kostenentlastung beitragen. Aber zugleich erwartet Becker einen drastischen Einbruch des Handelsergebnisses der Commerzbank im kommenden Jahr. Die Commerzbank hatte Anfang November den weitgehenden Abschied aus dem Eigenhandel verkündet, nachdem der Bereich im dritten Quartal hohe Verluste eingefahren hatte.

Fortschritte im Firmenkundengeschäft nur langfristig erzielbar

Der Fokus der Commerzbank wird Becker zufolge 2005 auf dem Firmenkundengeschäft liegen. Die Bank werde ihr Kreditportfolio weiter durchkämmen und die Kundenbeziehungen auf eine profitablere Basis stellen. Dabei seien Fortschritte aber nur langfristig erzielbar, betonte Becker. Müller hatte bereits im Sommer eine härtere Gangart im Umgang mit den Großkunden angekündigt. Mit jedem einzelnen solle eine Rendite von mindestens 10 Prozent erzielt werden. Billige Kredite will die Commerzbank dabei nur noch vergeben, wenn über sie zugleich weiteres Geschäft abgewickelt werde.

Analyst Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim wirft einen gemischten Ausblick auf das Kreditgeschäft der Commerzbank im kommenden Jahr. Zwar gebe es eine Chance auf steigendes Kreditvolumen, nachdem die Unternehmensinvestitionen 2004 erstmals wieder anzögen. Die Entwicklung der Zinsmarge betrachtet er hingegen mit Skepsis. Im dritten Quartal sei die Marge nach drei expansiven Jahren wieder geschrumpft. Eine Trendumkehr mit entsprechender Belastung des Zinsgeschäftes lasse sich daher nicht ausschließen. Positiv werde sich aber eine voraussichtlich weiter sinkende Risikovorsorge auswirken.

Sollten 2005 erneut Konsolidierungsfantasien in der Bankenbranche aufkeimen, sieht Rothäusler die Commerzbank "an vorderster Front stehen". Dafür sorgten die Börsenbewertung unter Buchwert und die langsame Erholung bei der Profitabilität. Merck-Finck-Analyst Becker erwartet allerdings weder 2005 noch 2006 eine Großfusion in der Branche. Bei der gegenwärtigen Marktstruktur im deutschen Bankgeschäft brächte eine solche Fusion zwar hohe Risiken, aber nur begrenzte Vorteile. Das gelte auch für eine feindliche Übernahme durch ein ausländisches Institut.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%