Commerzbank-Chef Müller muss wie alle anderen Banker die davonlaufenden Kosten in den Griff bekommen
Analyse: Sparprogramm ersetzt nicht die Strategie

Die Commerzbank erinnert in diesen Monaten an eine Fußballmannschaft, die unglaublich viel Energie in das Aufwärmtraining steckt, aber keine Strategie für die Saison und keine Taktik für das nächste Spiel erkennen lässt.

Aber sie ist nicht die einzige Bank, die wie ein Bundesligaclub im Abstiegskampf agiert: Stellenabbau, Entlassungen und Kostensenkungen sind jetzt für alle Institute das Top-Thema. Aber keine der führenden Finanzgruppen hat eine überzeugende Taktik, wie im nächsten Jahr die Erlöse wieder gesteigert werden könnten.

Bislang ist nur klar, wo wenig zu erwarten ist. Das Investment-Banking wird voraussichtlich frühestens im zweiten Halbjahr wieder nennenswerte Gewinn abwerfen, nur die Derivate- und Anleihenmärkte gelten als Lichtblicke. Die ab Anfang 2002 mögliche steuerfreie Veräußerung von Beteiligungen hat längst ihren Ruf als schneller Ertragsbringer verloren. Mittelfristig gibt es zwar Potenzial, Wunder erwarten die Banker aber nicht mehr.

Und das Privatkundengeschäft bietet bei allen Banken ebenfalls ein trauriges Bild: Das Wertpapiergeschäft liegt auf absehbare Zeit am Boden, die Altersvorsorge verspricht allenfalls auf mittelfristige Sicht Gewinne. Zunächst kostet sie die Banken viel Zeit und Geld. Daher sind auch die Schulterschlüsse von Allianz/Dresdner und Deutsche Bank/Zurich Financial Services noch keine Hoffnungswerte.

Nach innen zu schauen und die Kosten zu senken, wie dies der neue Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller jetzt macht, ist in dieser Marktphase sicher der erste und wichtigste Schritt. Doch wie geht es weiter? Um nächstes Jahr in schrumpfenden Märkten erfolgreich zu sein, müssen die Banken ihren Kunden Problemlösungen anbieten. Ihr Marketing verspricht zwar, das alle Finanzhäuser genau das angeblich schon tun. Doch jetzt zeigt sich, wer es wirklich kann. Welche Banker können Unternehmern zeigen, wie sie mit Hilfe kreativer Strukturen an Kapital kommen, wenn viele Finanzmärkte eigentlich verschlossen sind? Welche Anlageempfehlungen geben sie Privatkunden - nicht nur den Vermögenden - in unsicheren Börsenphasen?

Mit Mitarbeitern, denen die Angst vor der Entlassung im Nacken sitzt, ist diese Herausforderung wohl kaum zu meistern. Daher ist es zwar eine beachtliche Leistung von Müller, früher und stringenter als viele Konkurrenten die Sparmaßnahmen für das kommende Jahr in Angriff zu nehmen. Doch wie die Bank ihre Wettbewerbsposition verbessern will, ist damit noch nicht gesagt. Die Forderung der Börsianer nach kurzfristigen drakonischen Maßnahmen zur Verbesserung der Ertragslage hat Müller erkannt und erfüllt. Doch die Fragen der Mitarbeiter nach einer Strategie für die Zukunft hat er bislang nicht beantwortet.

"Wir machen das Gleiche - aber künftig mit weniger Mitarbeitern" - mehr hat Müller bislang nicht nach außen kommuniziert. Wenn nur das die Strategie ist, wäre das gleichzeitig das Eingeständnis, dass in der Vergangenheit einiges schief gelaufen ist und Chancen zur Effizienzsteigerung nicht gesehen oder nicht genutzt worden sind. Das stärkt nicht gerade das Vertrauen in die Commerzbankvorstände, von denen die meisten bereits seit mehreren Jahren in dieser Verantwortung stehen.

Doch die Führungsmannschaft - wie auch das Management der Wettbewerber - muss gerade jetzt zeigen, dass sie nicht nur mit Härte sparen, sondern auch motivieren kann. Wenn Müller das nicht schafft, wird die Commerzbank immer die Getriebene bleiben, auch wenn die Marktkapitalisierung steigen sollte. Und die wird sich nur dann nachhaltig verbessern, wenn die Bank eine klare Perspektive hat.

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