Commerzbank: Dax bei 8 000 Punkten
Dax-Ausblick: Keine Trendumkehr in Sicht

DÜSSELDORF. An den deutschen Aktienmärkten ist nach Einschätzung von technischen Analysten bis auf weiteres keine Umkehr zu einem dauerhaft positiven Trend in Sicht. Der Dax befinde sich bereits seit rund einem Jahr in einem Abwärtskanal, der aus charttechnischer Sicht nach wie vor anhalte, erläuterten die Experten. Auf absehbare Zeit sei nicht mit einer nachhaltigen Umkehr nach oben zu rechnen.

Vielmehr würden sich die Aktienbörsen in den kommenden Wochen wohl weiter als "Trading-Markets" präsentieren, also mit kurzfristigen Auf- und Abwärtsschwankungen insgesamt seitwärts tendieren. Die Aktienexperten halten es für unwahrscheinlich, dass die deutschen Indizes ihre Verluste der vergangenen Monate schon bald wieder wett machen. Nach Einschätzung von Ludwig Gutmann, technischer Analyst bei der Bayerischen Landesbank, könnten sich in den kommenden Wochen allenfalls Chancen ergeben, kurzfristig Gewinne mitzunehmen. Langfristig orientierte Anleger sollten sich allerdings mit Engagements zurückhalten, warnte Gutmann. "Derzeit ist der übergeordnete Abwärtstrend im Dax - der seit März vergangenen Jahres besteht - intakt", sagt Gutmann. "Wenn man in der derzeitigen Situation auf steigende Kurse spekuliert, handelt man gegen den vorherrschenden Trend."

Wichtige Dow-Jones-Unterstützung bei 10 300 Punkten

Momentan schwebt der Dax nach Worten von Delbrück-Analyst Dietmar Rübsamen über der charttechnisch signifikanten Marke von 6 100 Punkten. Bereits vergangene Woche habe das Kursbarometer unterhalb dieser Linie geschlossen. "Signifikant wäre die Situation geworden, wenn der Dow-Jones-Index die Unterstützung bei 10 300 Punkten nicht verteidigt, sondern ebenfalls nach unten durchbrochen hätte." Sollte der Standardwerte-Index der Wall Street diesen Bereich nachhaltig durchbrechen, würde sich das sehr negativ auf den Dax auswirken, sagte Rübsamen.

Dax in den nächsten Wochen zwischen 6 000 und 6 600 Punkten

Vorübergehende Dax-Aufwärtstendenzen wie Anfang dieser Woche sind nach Ansicht von Charttechnikern derzeit allenfalls als technische Korrekturen zu bewerten. "Was wir dort getan haben, war, einen kurzfristig überverkauften Zustand im Markt abzubauen", erläuterte Uwe Wagner von der Deutschen Bank. Er hält es für wahrscheinlich, dass sich der Dax in den kommenden Wochen in einer recht breitgefassten Zone befestigen könnte. "Die untere Begrenzung dieser Zone sehen wir bei 6 100 beziehungsweise 6 000 Punkten. Der Bereich um 6 600 Zähler wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Obergrenze ergeben."

Großes Erholungspotenzial bei Wachstumstiteln

Auch Landesbank-Analyst Gutmann rechnet nicht unbedingt damit, dass der Index kurzfristig weiter abrutschten wird, da der Markt überverkauft sei. "Sollten wir dennoch wieder deutlicher zurückkommen, dann könnten die jüngsten Tiefs getestet werden und dann könnte sich der Bärenmarkt fortsetzen." Potenzielle Aufwärtstendenzen dürften dem Chart-Experten zufolge nur einige Tage anhalten. Rübsamen blickt etwas optimistischer in die Zukunft. Das Erholungspotenzial der US-Technologiebörse Nasdaq sei groß, sagte er. Der Markt könnte in den nächsten 6 Monaten um 25 % steigen, was auch die deutschen Börsen beleben würde. "Der Dax könnte Potenzial bis über 6 800 Punkte haben", prognostiziert Rübsamen.

Angesichts der rekordverdächtige Tiefststände am Neuen Markt zeigten sich Chartanalysten beinahe ratlos. Es gleiche einem technischen Niemandsland, sagte Sandra Schiller von der Commerzbank: "Momentan können wir kein Ende sehen."

Hoffen auf Greenspans Zinssignale

Auch für die Frankfurter GZ-Bank ist eine Erholung des Dax von dem seit rund einem Jahr andauernden Negativtrend derzeit nicht erkennbar. Zum Wochenausblick meint Carsten Riester (Research), die hohe Abhängigkeit vom US-Aktienmarkt deute aktuell auf anhaltend nachgebende Kurse hin. Sollte es US-Notenbank-Chef Alan Greenspan nicht gelingen, das Vertrauen der Konsumenten mittels frühzeitiger Zinssignale wieder zu gewinnen, so sei sogar eine deutlichere Kurskorrektur an den US-Börsen denkbar. Ein Szenario, das auch bei uns mit Kursverlusten verbunden wäre. Für die kommenden Wochen sehen die Analysten der GZ-Bank keinen Grund, von ihrer defensiven Haltung abzuweichen.

Anlegern raten sie daher von voreiligen Käufen ab und empfehlen weiter in ausgewählten Qualitätsqwerten mit Defensivcharakter zu investieren. dazu gehören nach ihrer Meinung die Aktien von Axa, Bayer und RWE.

Commerzbank: Dax zum Jahresende bei 8 000 Punkten, Nemax All Share bei 3 500

Martin Kohlhaussen, der Vorstandssprecher der Commerzbank, machte am Freitag mittelfristig orientierten Investoren wieder Mut. Er geht davon aus, dass sich der Dax im weiteren Verlauf des Jahres 2001 festigt und bis zum Jahresende 2001 wieder einen Stand von 8 000 Punkten erreicht. Der Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm prognostizierte auf dem Nemax All Share bis zum Jahresende einen Anstieg auf 3 500 Punkte.Als Hintergrund für die Dax- und Nemax-Prognose nannte Ramm die Erwartung, dass sich von den USA ausgehend die Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr 2001 schon wieder deutlich beleben werden, was dann die deutsche und die europäische Konjunktur nicht mehr belaste, sondern wieder kräftige. Dabei würden im zweiten Halbjahr 2001 vor allem die Aktien im Euroland wieder in den Vordergrund des Interesses der internationalen Investoren rücken.



Lufthansa-Aktie im Vorfeld der Touristikmesse überwiegend ein "Kauf"

Auch wenn sich der Aktienkurs der Lufthansa AG derzeit wieder weit von seinem Hoch zum Jahresende von 28 Euro entfernt hat und sich eher in einem Abwärtstrend befindet, so sind einige Experten doch positiv gestimmt. Die Frankfurter Volksbank sieht die Aktie als "Kauf", da die rückläufigen Rohölpreise den Titel wieder mehr ins Anlegerinteresse rücken dürften. Auch die Hamburgische Landesbank bewertet die Aktie positiv und rechnet mit einem Übertreffen der angepeilte Ergebnissteigerung von 40 % für 2000.Die Bankgesellschaft Berlin hingegen stuft den Titel derzeit auf "Halten". "Die wirtschaftliche Abschwächung in den USA und neue Tarifverhandlungen mit den Piloten belasten die Stimmung derzeit", sagte Analyst Uwe Weinreich am Freitag.

ABN Amro hingegen sieht die Aktie als "Kauf", da das Papier verglichen mit Konkurrenten auf dem derzeitigen Niveau deutlich unterbewertet sei. Am Sonntag stellt die Lufhansa im Rahmen der weltweit größten Messe der Touristik-Branche ihre neuesten Dienstleistungen rund ums Fliegen vor. Im vergangenen Jahr hatte die Kranich-Airline bei der Auslastung ihrer Flugzeuge einen Rekordwert erreicht, und auch beim Frachtgeschäft wurde weiter zugelegt.

Zwei Kandidaten für den Neuen Markt in den Startlöchern

Trotz des weiterhin schwierigen Börsenumfeldes sind wieder zwei Unternehmen auf dem Sprung an die Börse. Am Montag werden OHB Teledata und LS Telcom im Rahmen von Pressekonferenzen ihre Bookbuilding-Spannen bekannt geben. Auch Händler sehen trotz der anhaltenden Börsen-Talfahrt keine Probleme für die Neuemissionen. Der Markt habe bereits zu Beginn des Jahres keinen großen Einfluss auf den Erfolg der Neuemissionen gehabt, hieß es.

OHB Teledata will 2,3 Mill. Aktien emittieren, zuzüglich Greenshoe von 300 000 Aktien. Die Zeichungsfrist läuft vom 6. bis 9. März, die Erstnotiz am Neuen Markt ist für den 13. März geplant.

Nicht ganz so groß fällt die Emission von LS Telcom aus. Angeboten werden 1,7 Mill. Aktien plus Greenshoe von 170 000 Aktien. Gezeichnet werden können die Titel vom 6. bis 12. März. Die Handelsaufnahme am Neuen Markt findet am 15. März statt.

In der unten stehenden Tabelle finden Sie die strategischen Empfehlungen der Hessischen Landesbank zu den im Deutschen Aktienindex notierten Werten.



Hessische Landesbank

Gewinn je Aktie 00

Gewinn je Aktie 01

Empfehlung

Datum Empfehlung

adidas Salomon4,204,80übergewichten03.11.00
Allianz10,813,3neutral15.02.01

BASF

2,213,09übergewichten10.11.00

Bayer

2,692,94untergewichten


(neutral)
24.01.01

BMW

1,862,80neutral01.08.00

Commerzbank

3,382,41neutral20.11.00

DaimlerChrysler

3,501,80neutral15.02.01
Dt. Bank7,907,90neutral28.11.00
Degussa2,352,52übergewichten12.12.00
Dresdner Bank3,762,38neutral09.11.00
Dt. Telekom-0,060,14neutral23.01.01

E.ON

5,303,93neutral11.12.00

Epcos

3,684,33neutral04.08.00

FMC

2,513,02neutral10.11.00

Henkel

Vz.
3,123,52neutral14.11.00
HypoVereinsb2,413,58neutral25.07.00

Infineon

1,831,53neutral08.11.00
Karstadt Quelle1,202,10übergewichten24.10.00

Lufthansa

1,601,80übergewichten28.08.00

Linde

2,402,75übergewichten28.02.01

MAN

2,522,60neutral24.01.01

Metro

1,101,30übergewichten10.10.00
Münchner Rück.8,609,80neutral13.02.01
Preussag1,922,10untergewichten19.10.00

RWE

2,242,57übergewichten15.02.01

SAP

Vz.
2,033,16neutral


(übergewichten)
19.06.00

Schering

1,702,12neutral08.02.01

Siemens

4,465,00neutral17.11.00
Thyssen Krupp1,021,13neutral11.12.00

Volkswagen

4,585,91übergewichten30.10.00
    
Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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