Commerzbank größter Verlierer
Dax von Milzbrand-Fällen belastet

Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat sich am Montag bei geringen Umsätzen mit Kursverlusten präsentiert, was Händler auf eine Verunsicherung des Marktes nach den jüngsten Milzbrandfällen in den USA zurückführten.

Reuters FRANKFURT. "Die Milzbrand-Vorfälle sowie die Ankündigung der FBI, dass es weitere Terrorangriffe geben könnte, haben einen Schatten über das Geschehen an den Börsen geworfen", sagte ein Händler.

Im Sog schwacher US-Börsen weitete der Dax am Nachmittag seine Verluste aus. Händler verwiesen allerdings auf ein umsatzschwaches Geschäft. Zu den größten Verlierern gehörten die Finanzwerte und die Bayer-Aktie.

Der Dax verzeichnete am späten Nachmittag ein Minus von 2,33 Prozent auf 4 517 Zähler, nachdem der zuvor über weite Strecken lediglich rund ein Prozent im Minus notiert hatte. Am Neuen Markt notierte der Nemax50-Index 0,6 Prozent fester bei 903 Punkten. Dort standen die Aktien von Pironet im Blickpunkt. Die im M-Dax gelisteten Titel von FAG Kugelfischer gehörten in dem Index für die mittelschweren Werte zu den größten Kursgewinnern. Der Index selbst gab um 0,5 Prozent auf 4 158 Punkte nach.

Händler sagten, die Ungewissheit unter den Anlegern über die weitere Entwicklung der militärischen und politischen Situation sei groß. Die jüngsten Milzbrandfälle und die Frage, wie lange die Militärschläge der USA auf Ziele in Afghanistan noch anhalten würden, belasteten derzeit die Kurse. Dies spiegele sich auch in dem Verlauf der US-Börsen wieder, die mit Kursverlusten in den Handel starteten. Der Technologieindex Nasdaq notierte rund eine Stunde nach Handelsstart 1,7 Prozent schwächer bei 1677 Punkten, der Industriewerte-Index Dow Jones gab um 0,8 Prozent auf 9272 Zähler nach.

Einem Börsianer zufolge wirkten sich weiterhin auch die am Freitag veröffentlichte US-Konjunkturdaten negativ auf das Handelsgeschehen aus. So war der Einzelhandelsumsatz in den USA im September stärker als erwartet zurückgegangen, während die Erzeugerpreise mehr als von Analysten erwartet gestiegen waren.

"Das deutet daraufhin, dass sich die US-Wirtschaft wohl nicht so schnell erholen wird, wie es vermutet wurde", sagte der Händler. In Anbetracht der anstehenden Saison der US-Quartalsberichte verstärke sich dadurch die Unsicherheit an den Börsen. In dieser Woche werden 180 der S&P 500-Unternehmen Quartalszahlen vorlegen, darunter Citigroup, General Motors, Coca Cola, Intel, IBM und Microsoft. Analysten rechnen mit einem durchschnittlichen Rückgang der Profite um 22,4 Prozent. Damit wäre das dritte Quartal der schlechteste Dreimonatszeitraum seit dem zweiten Quartal 1991.

Größter Verlierer im Dax waren die Aktien der Commerzbank , die um mehr als sechs Prozent auf 16,28 Euro nachgaben. Die Bank hatte zuvor mitgeteilt, in den Monaten Juli und August einen Verlust von rund 120 Mill. Euro nach Steuern erwirtschaftet zu haben. Zudem werde die Bank bis zum Jahr 2003 rund 3400 Stellen abbauen.

Der Finanzsektor werde zudem von Nachrichten des niederländischen Finanzdienstleisters ING Groep belastet, der zuvor seine Gewinnwachstumsprognose für 2001 zurückgeschraubt hatte, hieß es. Hypo-Vereinsbank verloren mehr als vier Prozent, Deutsche Bank gaben um knapp sechs Prozent nach. Deutsche-Bank-Aktien waren zuvor heruntergestuft worden.

Die Aktie des Pharmakonzerns Bayer verbuchte ein Minus von rund 5,9 Prozent auf 34,92 Euro. Händler sagten, nach den Kursgewinnen am Freitag von mehr als sieben Prozent belasteten Gewinnmitnahmen den Wert. Zudem relativierten Anleger die Bedeutung des von Bayer produzierten Milzbrand-Antibiotikums Ciprobay für das Gesamtergebnis des Konzerns. "Es gab bis jetzt nur wenige Fälle von Milzbrand in den USA, ich glaube nicht, dass die Mehreinnahmen aus Ciprobay-Verkäufen die Ertragslage bei Bayer gewaltig beeinflussen werden", sagte ein Analyst. Fester notierten dagegen weniger schwankungsanfällige Werte. RWE und Linde stiegen jeweils um rund ein Prozent.

Am Neuen Markt stiegen die Titel des Internet-Softwarehauses Pironet um acht Prozent auf 3,45 Euro. Am Morgen hatte die Gesellschaft bekannt gegeben, im dritten Quartal bei rückläufigem Umsatz ihr operatives Ergebnis deutlich gesteigert zu haben.

Im M-Dax legten die Titel von FAG Kugelfischer um knapp acht Prozent auf 11,86 Euro zu. Der Wälzlagerhersteller hatte zuvor seinen Widerstand gegen die bisher als feindlich erachtete Übernahme durch die INA-Holding aufgegeben, nachdem diese ihre Offerte auf zwölf von zuvor elf Euro je Aktie erhöht hatte. Das Herzogenauracher Familienunternehmen habe zudem zugesichert, FAG nicht zu zerschlagen und die Strategie beizubehalten, teilte die im M-Dax gelistete FAG mit.

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