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Commerzbank hat derzeit keine Fusionspläne

Die Commerzbank hat nach den Worten ihres neuen Vorstandssprechers, Klaus-Peter Müller, momentan keine Fusionspläne.

Reuters FRANKFURT. Er sehe weder für die Commerzbank noch für andere Banken Bestrebungen für Zusammenschlüsse, sagte Müller in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwochausgabe). Auch eine noch engere Kooperation mit dem italienischen Versicherer Generali halte er nicht für sinnvoll.

Um die Ertragsstärke zu verbessern, wolle die Bank die Kosten 2001 um mehr als 240 Millionen Euro reduzieren. Müller hatte Ende Mai die Nachfolge von Martin Kohlhaussen als Vorstandssprecher der Commerzbank übernommen.

Müller zeigte sich skeptisch gegenüber Vorschlägen zu einer Fusion der Commerzbank mit einem Partner außerhalb Deutschlands: "Bis heute hat es in Europa noch nicht eine einzige grenzüberschreitende Fusion unter Großbanken gegeben", sagte Müller. Dies liege unter anderem daran, dass das europäische Bankgeschäft stark von nationalen und nationalistischen Tendenzen geprägt sei. Allerdings wolle die Commerzbank ihre bestehenden Kooperationen mit anderen europäischen Banken auch in Zukunft pflegen. Unter Müllers Amtsvorgänger Kohlhaussen hatte die Commerzbank ein Netz von kleineren Überkreuzbeteiligungen mit Banken vor allem in Italien und Spanien aufgebaut. Dieses Netz soll die Bank auch vor unerwünschten Übernahmeversuchen schützen.

Eine noch engere Verbindung zu dem italienischen Versicherer Generali, der knapp zehn Prozent der Anteile an der Commerzbank hält, sei kaum vorstellbar. "Ich wüsste wirklich nicht, wo wir noch enger kooperieren könnten", sagte Müller. Außerdem stellte er den Nutzen einer solchen Vertiefung in Frage: "Unsere Mitarbeiter würden nicht eine Versicherungspolice mehr verkaufen, bloß weil Generali ihre Beteiligung an uns verdoppelt hätte."

Mit Kostensenkungen von mehr 240 Millionen Euro im laufenden Jahr will der Commerzbank-Chef die Profitabilität des Unternehmens steigern. Einige Datenverarbeitungsprojekte seien verschoben worden. "Und wir werden für den Rest des Jahres sicherlich keine Neueinstellungen vornehmen", sagte Müller.

Im Firmenkundengeschäft will die Commerzbank nach Müllers Worten unabhängiger vom margenschwachen Kreditgeschäft werden: "Für mich wäre ideal, wenn sich der 'Kreditnutzen' auf etwa ein Drittel beschränken würde und die restlichen Erträge aus sonstigen Dienstleistungen für denselben Kunden kämen." Neben einer Verzahnung des Investmentbankings mit dem Firmenkundengeschäft wolle die Commerzbank unter anderem auch Unternehmensanleihen für Mittelständler wieder populärer machen.

Die Situation im Wertpapiergeschäft mit Privatkunden habe sich im zweiten Quartal stabilisiert, nachdem es im ersten Quartal wegen der aktuellen Börsenflaute um rund die Hälfte geschrumpft sei, sagte Müller. Der Commerzbank-Chef fügte hinzu: "Wir glauben, dass das dritte und vierte Quartal Anlass für gedämpften Optimismus geben". Den Aufbau eines Filialnetzes im europäische Ausland plane die Bank nicht.

Im Hinblick auf das Geschäftsfeld Vermögensverwaltung wiederholte Müller den Standpunkt, weiteres Wachstum in Europa und Amerika sei wünschenswert. So sucht die Commerzbank zusammen mit Generali bereits seit geraumer Zeit nach einem Übernahmeziel in den USA. "Allerdings sind die Preise für amerikanische Asset-Management-Gesellschaften derzeit exorbitant hoch", sagte Müller.

Der Vorstandssprecher deutete an, sich vom Engagement in der Korea Exchange Bank (KEB) lösen zu wollen. "Wir haben aber derzeit wenig Möglichkeiten, uns von dieser Beteiligung zu trennen", sagte Müller. Die Commerzbank hält rund ein Drittel an der KEB.

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