Commerzbank im Visier: Kommentar: Der Himmel färbt sich weiß-blau

Commerzbank im Visier
Kommentar: Der Himmel färbt sich weiß-blau

DÜSSELDORF. Im Juli 1996 gab die Deutsche Bank den Erwerb von gut fünf Prozent des Kapitals der Bayerischen Vereinsbank bekannt. Ein Jahr später kündigte die Vereinsbank ihre Fusion mit der Bayernhypo zu Hypo-Vereinsbank an. Das Beispiel zeigt: Der Erwerb eines einstelligen Kapitalanteils kann eine Menge in Bewegung setzen. Dabei ist schwer abzuschätzen, was am Ende passiert.

Die Münchener Rück hat nun ihren Kapitalanteil an der Commerzbank auf rund zehn Prozent verdoppelt. Der Schritt kann zweierlei bedeuten: Entweder die Münchener hoffen, dass die Commerzbank irgendwann mit einem anderen Institut fusioniert und dadurch wertvoller wird. Oder sie wollen die Commerzbank selbst an die Leine nehmen - damit würde sich der Frankfurter Himmel nach der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz noch stärker weiß-blau färben.

Die erste Version ist unwahrscheinlich. Denn die Commerzbank leidet gerade darunter, dass sie uninteressant für Übernahmen ist. Aufmerksamkeit findet allenfalls die Tochtergesellschaft Comdirect. Doch in diesem Feld bietet sich für Interessenten eher an, ein Angebot für den Konkurrenten Consors abzugeben. Dass die Commerzbank ankündigt, selbst für Consors zu bieten, aber dabei mit keinem Erfolg rechnet, zeigt einmal mehr eine gewisse strategische Hilflosigkeit.

Sinnvoller wäre die zweite Version: Die Münchener Rückversicherung bezieht die Commerzbank in die große Allfinanzgruppe ein, die sie zusammen mit ihren zahlreichen Versicherungstöchtern, unter anderem Victoria, Hamburg-Mannheimer und DKV, sowie der Hypo-Vereinsbank bildet. Die gesamte Gruppe bekäme so immer mehr Ähnlichkeit mit dem Allianz-Konzern. Sinnvoll wäre diese Strategie aber nur, wenn die Bankfilialen systematisch zu Allfinanz-Verkaufsstellen umfunktioniert würden. Ein schwieriger Prozess. Aber die Filialnetze der Hypo-Vereinsbank und der Commerzbank würden sich gut ergänzen.

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