Commerzbank-Stratege kann sich Erholung vorstellen
Asiens Börsen haben das Zeug zum Comeback

Die asiatischen Aktienbörsen - Japan ausgenommen - könnten bis zum Jahreswechsel in einem Zwischenspurt rund zehn bis 15 % zulegen. Aus technischer Sicht seien die dortigen Finanzplätze in einer überverkauften Situation, so dass sich ein Einstieg durchaus lohnen könne, sagte Pieter van Putten, Managing Director der Commerzbank Asset Management Asia Ltd., in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

pk FRANKFURT/M. Auch auf Sicht von rund drei Jahren hätten die Titel aus Fernost durchaus weiteres Erholungspotenzial von durchschnittlich 15 bis 20 Prozent pro Jahr. Allerdings müssten sich die Anleger auf eine weiterhin hohen Schwankungsanfälligkeit der Titel einstellen, die auch Phasen mit Minus-Vorzeichen einschließe.

Für ein Ende der Talfahrt sprechen laut van Putten die positiven Konjunkturaussichten der Region, die seiner Meinung nach übertriebene Ölpreispanik und das ungebrochene Marktwachstum für Informations- und Kommunikationsprodukte. Bei der "New Economy" sollte sich der Anleger aber daran gewöhnen, dass sie von Jahr zu Jahr immer stärker als ausgereifte Industrie begriffen werde. "Statt mit Wachstumsraten von 100 % werden wir mit Zuwächsen von ?nur noch? 25 % leben", so van Putten. Dies ziehe angepasste Gewinnerwartungen nach sich.

Zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erklärte van Putten weiter, selbst bei einem Einbruch des Wachstums in den USA würden die Auswirkungen nicht unbedingt gravierend sein. Gemessen an der Exportabhängigkeit der jeweiligen Volkswirtschaften und den Ausfuhrquoten nach den USA wären etwa die VR China und Indien von einem "hard landing" der amerikanischen Wirtschaft relativ gering betroffen. Der innerasiatische Handel wachse sehr stark, und auch die Ausfuhren nach Europa könnten einiges kompensieren.

Der Commerzbank-Manager, der von Singapur aus mit 25 Mitarbeitern die Vermögensverwaltung für die Region (ohne Japan) steuert, ist nicht für alle Länder optimistisch gestimmt. In Taiwan etwa sei die Wirtschaft tief verunsichert über den Kurs der Regierung gegenüber der VR China und in Südkorea stocke die Reform der Konzernstrukturen, was durch hohe Wachstumszahlen der Volkswirtschaft kaschiert werde. Die Börse in Seoul sei aber mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von insgesamt 7,7 für 2000 und 6,2 für 2001 niedrig bewertet, so dass hier der kurzfristige Ein- und Ausstieg Gewinnchancen berge. Die chinesischen "Red Chips" prüfe man von Fall zu Fall, die Euphorie nach dem WTO-Beitritt sei jedenfalls weitgehend in den Kursen eingepreist.

Die Technologiewerte der Region würden in der momentanen Situation noch nicht übergewichtet. Aktuell setzt die Commerzbank stärker auf die Finanz- und Immobilienwerte in Hongkong und Singapur, auch in Malaysia erkenne man vereinzelt chancenreiche Titel.

Zu einzelnen Aktien, die van Putten positiv aufgefallen sind, gehören die koreanische Samsung Electronics und die ebenfalls im Elektroniksektor tätige Venture Manufacturing (Börse Singapur). Dagegen rät er von der Hongkonger Internetholding Pacific Century Cyberworks ab.

Ob die Rechnung einer Erholung an den asiatischen Börsen letztlich aufgeht, hängt für van Putten stark von der Rückkehr ausländischen Kapitals ab. In den ersten Monaten dieses Jahres habe sich noch ein Netto- Zufluss von rund 15 Mrd. Dollar eingestellt, danach überwogen die Abflüsse.

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