Commerzbank und BMW sind nicht dabei
Deutschland verliert bei MSCI-Indizes klar an Gewicht

Der weltgrößte Indexanbieter Morgan Stanley Capital International (MSCI) teilte mit, der Anteil deutscher Titel werde sich in den großen länderübergreifenden Aktienindizes deutlich verringern. Zu den weiteren Verlierern gehören Japan, Italien und Frankreich, während Großbritannien, die USA und Irland an Gewicht gewinnen werden.

Reuters GENF. Bei den Branchen kommt es unter anderem zur Höhergewichtung von Technologie und Finanzdienstleistungen, Telekommunikation und Autobau verlieren dagegen Anteile. Die Reduzierung des deutschen Gewichts fällt nach Worten von Deutsche-Bank-Analyst Nizam Hamid erwartungsgemäß aus, wobei es einige Überraschungen bei den Einzelwerten gegeben habe.

MSCI will wie bereits andere Anbieter von Aktienindizes ab November in zwei Stufen die Gewichtung der Unternehmen beziehungsweise Länder in den jeweiligen Indizes auf den Streubesitz ("Free-Float") umstellen, also auf die Zahl der frei handelbaren Aktien der Firmen. Bisher legt MSCI bei der Berechnung der Marktkapitalisierung die Anzahl aller Aktien multipliziert mit dem Börsenkurs zu Grunde.

Größere Anteilspakete etwa des Staates, anderer Firmen, des Managements oder der Belegschaft sollen künftig nicht mehr in diese Berechnung einfließen. Unternehmen mit einem Streubesitz von weniger als 15 Prozent sollen ganz aus den Indizes herausfallen. Zudem plant MSCI eine Erhöhung der bisherigen Marktabdeckung durch die Indizes. Abgeschlossen sein soll die Reform im Mai kommenden Jahres.

Die Änderungen bei der Gewichtung von Firmen in den Indizes wird einer Studie der Deutschen Bank zufolge zu Umschichtungen im Wert von 150 Milliarden Dollar führen. Am Samstag veröffentlichte MSCI nur Pro-Forma-Indizes auf Basis des Streubesitzes, die den bevorstehenden Änderungen verdeutlichen sollen. Vor allem für Fonds, die die MSCI-Indizes nachbilden, sind die Änderungen bei den Kursbarometern von großer Bedeutung. Da die Märkte in der Regel vorausschauend handeln, rechnen Experten schon ab Montag an den Börsen mit Reaktionen.

Deutschland verliert an Gewicht

MSCI setzt seine großen internationalen Indizes aus den einzelnen Länder-Indizes zusammen. Den Angaben zufolge wird das Gewicht Deutschlands im "All-Country-World-Index" ("ACWI") und im "World-Index" um je rund einen Prozentpunkt und im "EAFA-Index" ("Europe, Australasia, Far East") um fast 1,5 Prozentpunkte verringert.

Die USA werden im ACWI und im "World-Index" um 6,24 bzw. 5,4 Prozentpunkten stärker berücksichtigt, Großbritannien wird im EAFA fünf Prozent schwerer. Insgesamt wird Amerika im "neuen" ACWI 55,3 Prozent ausmachen, während Großbritannien mehr als zehn Prozent auf sich vereinen wird. Deutschland bringt im ACWI dann nur noch knapp 2,8 Prozent auf die Waage.

Branchen Telekommunikation und Auto verlieren

Bei den Branchen gewinnen neben Technologie und Finanzen auch Energie, Gesundheit und Pharma sowie Software und Dienstleistungen an Bedeutung. Schrumpfen werden dagegen außer Telekommunikation und Auto noch die Sparten Rohstoffe, Konsumgüter, Versicherungen sowie das Bankgewerbe.

Index-Experte Hamid von der Deutschen Bank zeigte sich über den geschrumpften Deutschland-Anteil wenig überrascht, da es zwischen den deutschen Konzernen umfangreiche Verflechtungen gebe, die den Streubesitz schmälerten. Auch hätten im internationalen Vergleich noch sehr viele Firmen einen hohen Familienbesitzanteil. Der neue Index gebe die derzeitigen Verhältnisse in Deutschland "fair" wieder, sagte Hamid. Allerdings könnte sich die Bewertung im kommenden Jahr im Zuge der Steuerbefreiung von Erlösen aus Kapitalanteils-Verkäufen ändern, da dies zu einer weiteren Konsolidierung führen werde.

Commerzbank und BMW sind nicht dabei

Beim ersten Schritt der Umstellung der Morgan Stanley Capital International (MSCI)-Indizes auf den Freefloat hat es aus deutscher Sicht einige Überraschungen gegeben. Entgegen vielfach geäußerten Erwartungen wurden die Aktien der Commerzbank AG, Frankfurt, und der Bayerischen Motorenwerke AG, München, nicht aufgenommen. Aufgenommen wurden jedoch díe Vorzugsaktien von Porsche.

Einige Änderungen im Deutschland-Index haben den Deutsche-Bank-Analyst Hamid überrascht. Nicht erwartet habe er die Aufnahme der Vorzugsaktien von Porsche, während die Titel von BMW außen vor blieben, sagte Hamid weiter. Auch werde Commerzbank entgegen der Prognosen nicht aufgenommen.

Unberücksichtigt blieben bei der am Sonntag vollzogenen Umstellung auch die Aktien von Orange SA, Paris. Unerwartete MSCI-Neulinge sind dagegen die Aktien der Compagnie Financiere Richemont AG, Zug, und der japanischen UFJ Holdings Inc.

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