Commerzbank, WAZ-Gruppe und Columbia TriStar wollen angeblich KirchMedia-Erbe
Kirch hofft auf 1,5 Milliarden für Springer-Anteile

Zwei Monate nach dem Insolvenzantrag des Medienunternehmens KirchMedia scheint eine Lösung der Krise näher zu rücken. Die Commerzbank, die Essener WAZ-Gruppe und das Hollywood-Studio Columbia TriStar wollen sich offenbar gemeinsam um das Erbe der vorläufig insolventen KirchMedia bemühen.

ddp HAMBURG. KirchMedia-Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems bestätigte dem Nachrichtenmagazin Spiegel zufolge "konkrete Gespräche in einem fortgeschrittenen Stadium". Zugleich verdichteten sich am Wochenende Gerüchte, dass die Eröffnung des offiziellen Insolvenzverfahrens für KirchMedia kurz bevorsteht. Schon am Mittwoch sei mit der Eröffnung des Verfahren zu rechnen, schreibt der "Spiegel" unter Berufung auf eine Insider. Über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens werde voraussichtlich Mitte Juni entschieden, hieß es zuvor im "Handelsblatt". Medienunternehmer Leo Kirch will nach "Focus"-Angaben unterdessen mit dem Verkauf seines 40-Prozent-Anteils am Axel-Springer-Verlag 1,5 Milliarden Euro erzielen. Interessiert sei vor allem die WAZ-Gruppe, berichtete das Münchner Magazin am Sonntag.

Vertreter von Commerzbank, WAZ-Gruppe und Columbia TriStar haben sich laut "Spiegel" am Freitag in der Commerzbank-Zentrale die Ergebnisse eines Gutachtens der Unternehmensberatung Roland Berger vorstellen lassen. Für KirchMedia dränge inzwischen die Zeit, wird Ziems zitiert. "Wir brauchen dringend eine schnelle Lösung, um für unsere Partner, Investoren und Mitarbeiter wieder interessant und geschäftsfähig zu sein", sagte er. Wenn nicht bald etwas passiere, seien die "inneren Werte" des Unternehmen "zerstört". Eine Zwischenfinanzierung von 100 Millionen Euro reiche nur noch "etwa bis Ende Juli". Die Zusammensetzung der Bietergruppen wollte Ziems nicht kommentieren. Auch Kirch-Sprecher Hartmut Schultz äußerte sich nicht dazu.

In dem Roland-Berger-Gutachten schlagen die Unternehmensberater nach "Spiegel"-Angaben eine Auffanglösung "KirchMedia-Gruppe 2.0" vor. Diese solle mit dem Film-und Sportrechtehandel sowie der Mehrheitsbeteiligung an der ProSiebenSat.1 Media AG die wesentlichen Bestandteile der heutigen KirchMedia umfassen. Auch das Deutsche Sportfernsehen sollte dabei sein, wenn die umkämpften Bundesliga-Rechte im Unternehmen blieben. Aufgegeben werden sollten jedoch weite Teile der bisherigen Produktionssparte sowie der Bereich "technische Dienstleistungen". Zudem sehe das Gutachten einen weiteren, einschneidenden Personalabbau vor, heißt es.

Das "Handelsblatt" hatte am Freitag berichtet, das Sanierungskonzept für die hoch verschuldete KirchMedia stehe. Es sehe vor, einen großen Teil der Film- und Fernsehproduktion zu verkaufen, aber die Filmrechtebibliothek und die Mehrheitsbeteiligung am TV-Konzern ProSiebenSat.1 Media in einer Hand zu lassen. Rund zwei Drittel des Umsatzes in der Film- und Fernsehproduktion sollten aufgegeben werden. Das Sanierungskonzept liege den beiden neuen KirchMedia-Chefs Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems sowie dem vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Jaffé seit einigen Tagen vor.

Die insolvente KirchPayTV verkauft nach dem Schweizer Teleclub jetzt weitere Tochterkanäle, schreibt der "Focus". Dabei gehe es um den Dokumentationskanal Discovery, das Schlagerprogramm GoldStarTV sowie Krimi & CO. An diesen Kanälen sei der Betreiber des Bezahl-TV-Senders Premiere bislang mit 50 Prozent beteiligt.

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