Commerzbank: Weder sanierungsfähig noch -würdig
Babcock-Rettung offenbar gescheitert

Die Bemühungen um eine Rettung des angeschlagenen Babcock-Konzerns sind offenbar gescheitert. Nach Angaben der Commerzbank lehnten mehrere Kernbanken den Sanierungsplan ab.

Reuters DÜSSELDORF. Für Montagmittag hat der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) alle Beteiligten erneut zu einem Gespräch nach Düsseldorf eingeladen. Aus Bankenkreisen hieß es, dort sollten voraussichtlich die Eckpunkte eines Insolvenzplanes besprochen werden.

"Diese Firma ist weder sanierungsfähig noch-würdig. Wir haben deshalb am Sonntag - ebenso wie andere Banken auch - den Rettungsplan abgelehnt", sagte Commerzbank-Vorstand Wolfgang Hartmann am Montagmorgen in einem Reuters-Interview. Auch die BHF-Bank, Hypo-Vereinsbank und die Dresdner Bank hätten den Plan nicht mittragen wollen. Allein die Deutsche Bank und die WestLB unterstützen den Sanierungsplan. Der Rettungsplan für Babcock hatte Hartmann zufolge ein Volumen von 800 Mill. ?. "Selbst die hätten wahrscheinlich nicht ausgereicht. In zwei bis drei Monaten hätten wir wieder nachschießen müssen."

In Bankenkreisen hieß es am Montag, Clement werde bei dem auf gut eine Stunde angesetzten Treffen in Düsseldorf skizzieren, welche Hilfen das Land dem Babcock-Konzern zukommen lassen kann. Zur Flankierung des früher diskutierten Sanierungsplans hatte Clement Bürgschaften von Bund und Land NRW in Höhe von 430 Mill. ? in Aussicht gestellt.

Über die genaue Zusammensetzung der diesmal in den Räumen der WestLB tagenden Runde, gab es in Düsseldorf widersprüchliche Informationen. Mal hieß es, es seien keine Banken außer der WestLB vertreten, dann wieder, es handele sich um dieselben Teilnehmer wie in der vorigen Woche. Die Commerzbank nehme an dem Treffen aber nicht mehr teil, hieß es in der Staatskanzlei.

Weitere Insolvenzanträge erwartet

Der stellvertretende Aufsichtsratschef Heinz-Georg Westfeld sagte am Montag: "Nach dem gescheiterten Finanzierungskonzept ist der Insolvenzantrag wohl nicht mehr zurückziehbar". Der Anlagenbauer werde damit zahlungsunfähig. Man gehe jetzt davon aus, dass an diesem Montag weitere Konzerngesellschaften die Insolvenz beantragten. "Die hatten ihr Geld schließlich auch im Konzern-Clearing", sagte Westfeld, der auch Betriebsratschef bei Babcock ist. Als nächstes müsse mit dem nordrhein-westfälischen Arbeitsminister über Auffanggesellschaften verhandelt werden. Für den Fall eines Insolvenzverfahrens äußerte Ministerpräsident Wolfgang Clement gegenüber der "Berliner Zeitung" (Montagsausgabe) die Hoffnung, dass zumindest Teile des Konzerns über Auffanggesellschaften gerettet werden können.

Früheren Angaben zufolge sollte am Montag eine Entscheidung zu dem Finanzierungsplan bekannt gegeben werden, an dem sich auch Bund und Land beteiligen wollten. Babcock beschäftigt weltweit rund 22 000 Mitarbeiter, davon 13 000 in Deutschland.

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