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Community vermutet Datenverkauf

In der Internet-Studentenstadt 4students rumort es. Grund für die Irritationen: Jeder Nutzer muss sich bis Mitte März bei Web.de registrieren, um weiterhin alle Bereiche der Community nutzen zu können.

DÜSSELDORF. Die Studenten-Community 4students.de wird derzeit auf den E-Mail-Account-Anbieter Web.de umgestellt. Für die rund 90 000 Mitglieder bedeutet das: Wer dabei bleiben will, muss sich bei Web.de mit Adresse und persönlichen Daten registrieren. Bislang war die Mitgliedschaft bei 4students aber anonym möglich. Ein Teil der virtuellen Gemeinde wittert einen Verkauf ihrer Daten und fühlt sich erpresst.

Viele Mitglieder vermuten hinter dieser Strategie einen verkappten Datenverkauf: "Klarer Fall, hier geht es um die Adressen, Werbung und Geld", schreibt ein Mitglied in einem der Foren zum Thema "Web.de".

Dabei geht es den Community-Mitgliedern nicht um einen Boykott gegen betriebswirtschaftlich sinnvolle Kooperationen. Sie wehren sich lediglich gegen die Auflagen, die aus der Kooperation mit Web.de für sie entstehen:



  • Wer sich nicht bei Web.de anmeldet, wird von einem Teil der Community-Aktivitäten ausgeschlossen.


  • Man kann sich nur unter Angabe seiner persönlichen Daten bei Web.de registrieren. Die Freischaltung läuft über eine Code, der dem Nutzer per Post zugesand wird. Manipulationen sind daher nicht möglich.



Besonders verwundert waren 4students-Mitglieder, die bereits bei Web.de registriert sind. Sie müssen sich noch ein zweites Mal über 4students anmelden. Das Unternehmen begründet dies mit benötigten Daten für die eigene Datenbank.

Schwarze Zahlen und Web.de-Kooperation - bloßer Zufall?

Mit dem Wechsel des E-Mail-Anbieterwechsel gefährdet 4students den Erfolg seines Produkts. Immerhin ist die Community mit rund 90 000 Mitglieder und monatlich rund fünf Millionen Page Impressions keine fixe Studentenidee mehr.

Nach Angaben von Vorstandsmitglied Oliver Dümpe wird 4students im ersten Quartal 2002 aufgrund einer niedrigen Kostenstruktur trotz der wirtschaftlich angespannten Lage schwarze Zahlen schreiben. Dass diese Ankündigung sich zeitlich mit der Web.de-Kooperation deckt, lässt bei den Mitgliedern der Community den Verdacht aufkommen, dass Web.de sich neue Nutzeradressen etwas kosten lässt.

Kein Kommentar

Beide Unternehmen waren gegenüber "WirtschaftsWoche heute" nicht zu einer Stellungnahme über die Kooperation bereit. Ein Sprecher von Web.de teilte mit, man habe Stillschweigen zu diesem Thema vereinbart. Arne Friedrichmeier von 4students dementierte unterdessen Vermutungen über eine Übernahme von 4students durch Web.de. Es handele sich lediglich um eine "ganz normale" Kooperation.

Nutzer denken an Austritt

"Ich glaube hier geht es nur darum, Adressen zu bekommen und Web.de die angeblich 90 000 neuen User schmackhaft zu machen", beurteilt ein Nutzer den Sinn der Kooperation. Ein anderer hält die Ausschlussandrohung "für Erpressung".

Nachdem 4students nach eigenen Angaben im letzten Jahr einen enormen Nutzerzuwachs verbuchen konnte(
Website der Woche, 9.01.2001), ist nun ein Zerfall der virtuellen Stadt zu befürchten. Denn die Stimmen von Nutzern, die über einen Austritt nachdenken, mehren sich: "Also ich denke schon, dass ich dann hier verschwinde. Das ist ja so nun wirklich nicht akzeptabel", schreibt eine Nutzerin ins Forum. "Ich würde echt gerne bei 4students bleiben, aber im Moment muss ich mir das nochmal gut überlegen", äußert sich ein anderes Mitglied.

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