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Compaq schreibt rote Zahlen

Der weltweit zweitgrößte PC-Hersteller Compaq rechnet für das dritte Quartal mit einem operativen Verlust und einem Umsatz, der ebenfalls unter den Erwartungen der Analysten liegen wird.

rtr NEW YORK/SAN FRANCISCO. Zur Begründung führte das Unternehmen, das Anfang vergangenen Monats das Zusammengehen mit dem Konkurrenten Hewlett-Packard (HP) angekündigt hatte, am Montag nach Börsenschluss unter anderem die Anschläge in den USA am 11. September an. Diese hätten dem Geschäft ebenso geschadet wie ein Taifun, unter dem wichtige Zulieferer in Taiwan gelitten hätten.

"Die aus den genannten Ereignissen resultierenden Herausforderungen wurden unterstrichen durch die Tatsache, dass sie im letzten Monat des Quartals auftraten, in dem wir üblicherweise bis zu 50 % des Quartalsumsatzes einfahren", sagte Compaq-Finanzvorstand Jeff Clarke in einer Telefonkonferenz. Die Ankündigung der Fusion mit HP habe zudem bei Kunden wie Beschäftigten zu einer abwartenden Haltung geführt. Darüber hinaus nannte Compaq Belastungen in Höhe von 500 Mill. Dollar im Zusammenhang mit seiner Beteiligung an der Internet-Holding GMGI Inc. -Firma

Für das dritte Quartal erwartet Compaq den weiteren Angaben zufolge einen operativen Verlust zwischen fünf und sieben Cents je Aktie und einen Umsatz von 7,4 Mrd. bis 7,5 Mrd. Dollar. Analysten hatten dagegen einer Umfrage von Thomson Financial/First Call im Schnitt bislang einen Gewinn in Höhe von fünf Cents je Aktie und einen Umsatz von 8,2 Mrd. Dollar vorausgesagt, nachdem Compaq selbst im Juli noch einen Wert von acht bis 8,4 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt hatte.

Compaq-Chef Michael Capellas verglich das Quartal mit "dem vollkommenen Sturm". "Ganz offenkundig hatten wir bereits eine Schwäche in der gesamten Wirtschaft und einen wirklich brutalen Preiskampf, der die Angebots- und Nachfrageseite betraf, aber es gab einen einfach unglaublichen Effekt durch verlorene Produktivität und fast ein Chaos im Transportsystem", sagte er weiter.

Für das vierte Quartal machte Capellas keine großen Hoffnungen. "Der Blick nach vorne ist besonders schwierig", sagte er. Analysten äußerten die Einschätzung, dass die Umstellung des Unternehmens auf direkten Absatz die Situation verschlechtert haben könnte. Compaq hat lange daran gearbeitet, den Umfang der Lagerbestände bei Groß- und Einzelhändlern zu reduzieren. Dadurch könnte die Unterbrechung der Zulieferkette ein größere Bedeutung bekommen haben. "Sie hatten sich auf eine Produktion auf Abruf umgestellt, ich bin sicher, das hat zu dem Defizit geführt", sagte Eric Rothdeutsch, Analyst bei Robertson Stephens.

Die Compaq-Aktien fielen nachbörslich auf dem elektronischen Handelssystem Instinet um acht Prozent auf 7,70 Dollar. Zuvor waren die Papiere mit einem Aufschlag von zwei Cents auf 8,33 Dollar aus der regulären Sitzung gegangen. Die Papiere des Fusionspartners HP gaben nachbörslich ab auf 15,40 Dollar, nachdem sie bereits in der regulären Sitzung 50 Cents auf 15,60 Dollar verloren hatten.

Am 4. September hatte Compaq angesichts des vom Konkurrenten Dell angestoßenen Preiskampfes der Übernahme durch HP zugestimmt. Wachsende Skepsis an der Wall Street über die Pläne hatten den Wert des Geschäftes seit seiner Ankündigung auf weniger als 17 Mrd. (rund 36 Mrd. DM) von 25 Mrd. Dollar sinken lassen.

HP: Möglicherweise weiterer Stellenabbau vor Compaq-Fusion

Der US-Technologiekonzern Hewlett-Packard (HP) hat seinen Mitarbeitern weitere mögliche Stellenstreichungen vor dem Abschluss der Fusion mit dem PC Compaq Computer Corp-Hersteller angekündigt. "In der Phase von jetzt bis zum Abschluss (der Fusion) wird HP Entscheidungen treffen, die weitere Kündigungen in bestimmten Unternehmensbereichen betreffen könnten", teilte der Konzern auf seiner internen Webseite am Montagabend mit. Zuletzt hatte HP für dieses Jahr den Abbau von insgesamt 7000 Arbeitsplätzen angekündigt. HP und Compaq planen, nach ihrem Zusammenschluss insgesamt zehn Prozent ihrer gemeinsamen Belegschaft, etwa 15 000 Stellen, abzubauen. Am Montag nach Börsenschluss hatte Compaq hatte eine Gewinnwarnung herausgegeben.

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