Compaq überholt Palm beim Umsatz
Der Markt für Kleincomputer kommt in Bewegung

Über Jahre hinweg war der Palm unumstritten Marktführer bei Kleincomputern. Jetzt wird das Palm-Konzept immer mehr vom Pocket PC mit einer speziellen Version des Microsoft-Betriebssystems Windows bedrängt.

ap FRANKFURT/MAIN. Außerdem erwächst dem Palm Konkurrenz im eigenen Lager: Unternehmen wie Handspring und Sony haben das Palm-Betriebssystem lizenziert und damit eigene Geräte entwickelt. Der britische Hersteller Psion, dessen Geräte im Unterschied zur Konkurrenz mit einer eigenen Kleintastatur bedient werden, gerät unterdessen zunehmend in die Rolle eines Zuschauers, der nicht mehr entscheidend in den Wettbewerb der großen Anbieter eingreifen kann.

Noch ist Palm Marktführer

Noch ist Palm bei den Stückzahlen der Marktführer im Verkauf der "Personal Digital Assistents" (PDA ). In dem Ende dieses Monats ausklingenden zweiten Quartal wird Palm nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts Gartner Dataquest weltweit etwa 700 000 Geräte ausliefern. Mit 500 000 Geräten folgte auf Platz zwei Compaq, dessen iPAQ mit einem Microsoft-System läuft. Weil der iPAQ aber doppelt so teuer ist wie der Durchschnittspreis für die Geräte der Palm-Palette, wird Compaq zumindest beim Umsatz Palm überholen:

Für das PDA-Geschäft von Compaq wird im zweiten Quartal ein Umsatz von mehr als 200 Mill. Dollar erwartet, während das im vergangenen Jahr von 3COM ausgegliederte Unternehmen Palm nur Erlöse von 130 bis 135 Mill. Dollar einfährt. Auf Platz drei folgt schon Handspring mit 330 000 Stück und geschätzten 62 Mill. Dollar.

Palm-Verkauf hinter den Erwartungen

Der Palm leidet derzeit unter einem hohen Druck an Lagerbeständen: Wegen der schwachen Konjunktur, aber auch wegen des verzögerten Übergangs zur neuen Modellreihe m500/m505 blieb der Verkauf hinter den Erwartungen zurück. "Unsere neue m500-Familie von Handheld-Computern wird später ausgeliefert, als wir gehofft haben", räumt Palm-Vorstandschef Carl Yankowski am Firmensitz im kalifornischen Santa Clara ein. "Diese Verzögerung trägt die Hauptverantwortung für unsere nach unten korrigierten Gewinnaussichten und wird von der Wirtschaftsflaute noch verschärft, die sich offenbar auch auf Regionen außerhalb der USA ausweitet." Für das am 30. Juni endende Quartal, das Schlussquartal des Palm-Geschäftsjahrs, wird jetzt ein Betriebsverlust von 170 bis 190 Mill. Dollar erwartet.

Palm-Marktanteil in Europa sinkt

Allein in Europa ist der Marktanteil von Palm im ersten Quartal dieses Jahres auf 41,3 % gesunken - verglichen mit 52,1 % ein Jahr zuvor. Auf Platz zwei in Europa preschte Compaq vor. Mit seinen neuen Pocket-PCs kam das texanische Unternehmen nach einer Erhebung des britischen Instituts Canalys auf einen Marktanteil von 11,9 %. Platz drei in Europa wird ebenfalls von dem Windows-Lager belegt und mit 9,5 % von Casio und seinem Modell Cassiopeia eingenommen. Der dritte große Pocket-PC-Anbieter ist Hewlett-Packard und liegt in Europa derzeit auf Platz sieben.

Psion leidet unter dem Wettbewerb

Unter dem Wettbewerb zwischen dem Palm-System und dem Pocket PC leidet vor allem Psion. Während sich die Zahl der im vergangenen Jahr in Westeuropa verkauften PDAs auf 1,97 Mill. verdoppelte, konnte Psion seinen Absatz nur um 5,9 % steigern. Der europäische Marktanteil dieser wegen der Tastaturbedienung etwas größeren Computer sank binnen Jahresfrist von 19,1 auf 8,9 %, was nur noch für Platz fünf reichte - hinter Nokia mit seinem PDA-Handy Communicator .

Dabei werden die mit dem Betriebssystem Epoc ausgestatteten Psion-Geräte vor allem von professionellen Anwendern geschätzt, die auch einmal mit größeren Daten als Terminen und Adressen umgehen müssen. Die Zukunft von Psion hängt jetzt vor allem von ersten konkreten Ergebnissen der Symbian type="unknownISIN" value="Allianz AG" />-Allianz ab, die Epoc zu einem System für das Kombigerät aus PDA und Mobiltelefon machen will. Mit einer Produkteinführung ist aber erst im nächsten Jahr zu rechnen.

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