Computer ist sofort nach dem Start einsetzbar
Folie speichert schnell riesige Datenmengen

Eine neue, schnelle PC-Speichertechnologie mit gigantischer Kapazität haben Forscher der Universität Huston entwickelt. Gemeinsam mit den Sharp-Laboratorien in den USA soll diese Technik nun zur Marktreife gebracht werden. Erste serienreife Produkte sollen bereits in drei bis fünf Jahren verfügbar sein.

HB DÜSSELDORF. Basis der neuen Technik ist die Erkenntnis der US-Forscher, dass eine spezielle Gitterstruktur von Metalloxiden - so genannte Perovskite - ihren elektrischen Widerstand ändern, wenn sie einem elektromagnetischen Impuls ausgesetzt werden. Da die Moleküle diese Zustandsänderung beibehalten, kamen die Forscher um Alex Ignatiev auf die Idee, diese Materialien zur Entwicklung von Speicherbausteinen für Rechner zu nutzen.

Der Hunger nach Speicherplatz, der mit der wachsenden Verbreitung von Rechnern exponentiell ansteigt, ist Antrieb für Wissenschaftler, immer neue Technologien zu entwickeln. War in den Anfängen jedes Byte ein teures und wertvolles Gut, so ist heute eine Festplatte mit einer Kapazität von 100 Gigabyte in einem normalen Bürorechner nichts Besonderes mehr. Mit der neuen Entwicklung wird aber nicht nur die Speicherkapazität erhöht: Auch die Trennung in unterschiedliche Speichertypen - Arbeits- und Massenspeicher - könnte bald wegfallen. Da der Zugriff auf Daten, die auf der neuen Speicherfolien abgelegt worden sind, sehr schnell ist, gäbe es in Zukunft nur noch eine Speichertechnik im PC.

Zum besseren Verständnis: Weil die Festplatten (Massenspeicher) bislang zu langsam sind, werden die Daten, die der Computer zum Arbeiten benötigt, in den um etwa 1 000-mal schnelleren Arbeitspeicher ausgelagert. Diese Arbeitsspeicher bestehen aus winzigen Kondensatoren. Dort werden die Daten durch ständiges Laden und Entladen gespeichert. Der Nachteil dieser Speichertechnik besteht darin, dass die Daten verloren gehen, wenn der Strom ausgeschaltet wird. Beim Start des PC müssen die Daten des Betriebssystems daher jedesmal wieder neu von der Festplatte geladen werden. Das heißt, der Nutzer muss erst eine Zeit warten, bevor er mit der Arbeit am Rechner loslegen kann.

"Die neuen Speicher dagegen sind nicht flüchtig. Das heißt, der Computeranwender kann nach dem Einschalten des Rechners da weitermachen, wo er vor dem Ausschalten aufgehört hat", erläutert Alex Ignatiev einen Vorteil der neuen Technik. Experten sind jedoch skeptisch, ob man in Zukunft tatsächlich ganz auf das lästige Booten verzichten kann. Das hänge vor allem von der Entwicklung zukünftiger Rechner ab, denn heute werden beim Einschalten des PC auch die externen Karten für das Netzwerk, für Grafik oder Audio aktiviert.

Ideal sei der Speicher für Multimedia- und Breitbandanwendungen. PC-Anwender seien mit der schnellen Speichertechnik in der Lage, mit extrem hoher Geschwindigkeit Daten aus dem Web herunterzuladen. Außerdem sei ein schnelleres Verarbeiten von hohen Datenvolumen möglich, wie es bei Video- und Grafikanwendungen erforderlich ist, sagt Victor Hsu, Direktor des Sharp-Labors für IC-Prozessortechnologie. "Wenn die Folie erst einmal auf einem Chip untergebracht ist, wird die neue Technik preisgünstiger sein als herkömmliche Speichertechnologien", gibt sich Hsu optimistisch. Eine Speicherkapazität pro Chip im Gigabyte-Bereich sei durchaus realistisch.

Auch andere Firmen entwickeln mit Hochdruck leistungsfähige Speichertechniken. So arbeiten NEC und Micorn Technology Inc. schon seit längerem an der Herstellung so genannter FRAM (Ferroelectric RAM). Auch hier werden die Informationen über elektrische Impulse in kristallinen Molekülen gespeichert und bleiben auch beim Ausschalten des PC erhalten. Allerdings sind die FRAM-Entwickler nicht so optimistisch wie Sharp und die Forscher der Universität von Huston: Sie rechnen mit marktreifen Produkten erst in sechs bis zehn Jahren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%