Computer rechnet dreißigmal schneller
IBM liefert Parallelrechner mit neuer Prozessorgeneration

Naturwissenschaftliche Berechnungen, die heute noch einen ganzen Monat in Anspruch nehmen, will das Max-Planck-Rechenzentrum demnächst in einem Tag erledigen. Dazu liefert IBM einen Parallelrechner, der mit rund 1 000 Prozessoren ausgestattet ist. Der US-Computerkonzern hat damit wieder einmal die Nase vorn.

HB DÜSSELDORF. Der amerikanische Computerhersteller IBM hat von der Max-Planck-Gesellschaft in München den Auftrag erhalten, einen Supercomputer für die naturwissenschaftliche Grundlagenforschung zu bauen. Das teilten die Vertragspartner am Mittwoch in München mit. Der neue Rechner soll im Rechenzentrum der Forschungsgesellschaft in Garching installiert werden und ab nächstem Jahr die Berechnungen in der Forschung deutlich beschleunigen.

"Gegenüber dem heutigen Computersystem versprechen wir uns eine Zeitersparnis um den Faktor 30", erläuterte Stefan Heinzel, Direktor des Max- Planck-Rechenzentrums. Das heißt, Berechnungen, die heute noch einen ganzen Monat in Anspruch nehmen, werden von dem neuen Rechner innerhalb eines Tages erledigt.

Der neue Supercomputer ist ein Parallelrechner, der mit dem Betriebssystem Unix arbeitet. Er ist mit rund 1 000 Prozessoren des Power-4-Chip ausgestattet - einer neuen Prozessorgeneration, die erst im 4. Quartal dieses Jahres auf den Markt kommen wird. Der neue Risc-basierte Rechnerbaustein ist der erste Computerchip, der mit zwei Prozessoren ausgestattet ist. Er basiert auf der von IBM entwickelten Kupfer- und Silikon-Technologie, mit der die Hitze im Prozessor besser abgeleitet wird. Vorteil: Im Prozessor kann eine höhere Packungsdichte erzielt werden.

Mehr als ein Gigahertz Taktfrequenz

Der Chip arbeitet mit einer Taktfrequenz von mehr als einem Gigahertz und erlaubt eine Übertragungsgeschwindigkeit der Daten zwischen den Prozessoren von mehr als 100 Gigabit pro Sekunde. Das entspricht etwa dem Herunterladen von 20 vollen DVD in einer einzigen Sekunde. "Obwohl sich das Projekt bei Max-Planck auf die Erhöhung der Rechengeschwindigkeit konzentriert, werden parallel auch die Zugriffsgeschwindigkeit auf den Datenbestand im Rechenzentrum optimiert", erläutert Dr. Ulla Thiel, bei IBM in Europa verantwortlich für den Bereich Scientific & Technical Computing.

"Wir haben uns für die IBM-Technologie entschieden, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis bei diesem Rechner unschlagbar war", erläutert Heinzel. Mit im Rennen waren die Anbieter von Hochleistungsrechnern Compaq, Hitachi/NEC sowie Silicon Graphics. Mit dem neuen Auftrag konnte IBM seine Marktführerschaft weiter ausbauen. Die Firma führt die Liste mit den weltweit größten Computern an, die von Jack Dongarra von der University of Tennessee und Erich Strohmaier sowie Hans Meuer von der Uni Mannheim zusammengestellt wird.

Das Rechenzentrum in Garching steht allen Forschungsinstituten der Max-Planck-Gesellschaft zur Verfügung. Die Forscher greifen von ihrem Arbeitsplatz über ein Netzwerk auf die Rechner zu. Dabei wird die neue Technik nicht nur die Rechenzeit verringern, die Forscher hoffen zusätzlich, Probleme berechnen zu können, die bislang von Computern noch nicht bearbeitet werden konnten, weil sie zu komplex sind. Dazu gehört beispielsweise die Beschreibung von molekularen Vorgängen in der Medizin, um den Ablauf von Krankheiten besser verstehen zu können.

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