Computer-Sicherheit weiterhin relevant
Cebit macht Lust auf Handy-Aktien

Die weltgrößte Computermesse öffnet am Mittwoch ihre Pforten. Anders als in vergangenen Jahren sind die Erwartungen gedämpft. Investmentstrategen erwarten vor allem von den Mobilfunkanbietern und den Zulieferern neue Produkte. Das rückt entsprechende Aktien in den Fokus der Anleger.

DÜSSELDORF. Jahrelang war es dasselbe Spiel an der Börse: Kaum begann die Cebit in Hannover, dann sprang der RWE-Aktienkurs in die Höhe. Der Grund: Besucher und Medien begeisterten sich für den groß angekündigten Internetzugang aus der Steckdose. Doch was in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre mehrfach für Furore sorgte, ist 2002 immer noch keine Realität. Zumindest nicht im Massenmarkt. Lediglich in den zwei Versuchsstädten Essen und Mühlheim bietet RWE-Powerline Internet aus der Steckdose an. Der große Druchbruch? Fehlanzeige.

Das RWE-Beispiel zeigt aber, wie groß die Wirkung von neuen Techniken ist, die auf der Cebit präsentiert werden. Wo winken in diesem Jahr Überraschungen?

"Von Nokia muss und wird bestimmt etwas kommen. Die Finnen versprachen für das erste Halbjahr 20 neue Modelle, doch bislang ist davon fast nichts zu sehen", meint Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck. Anders als der schwedische Erzrivale Ericsson, der mit Bildtelefonie und Farbdisplays glänzt, hält sich Nokia im Vorfeld der Computermesse bedeckt. "Typisch wäre es, wenn Nokia jetzt in die Offensive geht und dafür öffentlichkeitswirksam die Cebit nutzt", so Kitz. Mika Paloranta von Nordea Securities glaubt, dass Nokia den bisherigen Kampagnen gelassen entgegen blicken kann: "Nokia wird nicht ernsthaft herausgefordert. Die Modelle von Sony-Ericsson sind vergleichsweise teuer und lassen nur einen geringen Absatz erwarten."

Die meisten Investmenthäuser setzen ungeachtet neuer Techniken der Konkurrenz auf die in die Defensive gedrängten Finnen. Der Grund: Das nach wie vor schwierige Umfeld in der Gesamtbranche helfe dem Weltmarktführer - dieser arbeitet als einziger profitabel - weitere Anteile hinzuzugewinnen. Merrill Lynch und Credit Suisse First Boston bewerten die Aktie auf dem gegenwärtigen Kursniveau langfristig als "starken Kauf".

Mobilfunkbetreiber E-Plus im Visier

Neben den Handyherstellern dürfte der Mobilfunkbetreiber E-Plus - und damit KPN, NEC und NTT Docomo - das Interesse auf sich ziehen. "E-Plus präsentiert mit I-Mode den wahrscheinlich größten Hit auf der Cebit", glaubt Merck-Finck-Stratege Kitz. In Europa findet das Surfen auf den abgespeckten und unzuverlässigen Internetseiten per WAP-Handy wenig Anhänger. Doch in Japan hat die vergleichbare I-Mode-Technik bereits 20 Millionen Kunden. Am 16. März will E-Plus damit auf den deutschen Markt kommen. "Auf der Cebit bietet nur E-Plus die neue Technik an. Sie wird sehr viel ausprobiert werden", sagt Kitz, der an einen großen Andrang für die Düsseldorfer glaubt.

Davon profitieren drei andere: Der japanische Computer- und Halbleiterkonzern NEC stellt als einziges Unternehmen für den deutschen Markt Handys mit I-Mode her. Japans Telekomdienstleister NTT Docomo liefert die Technik. KPN steht im Fokus: Anfang des Jahres hat der niederländische Ex-Staatsmonopolist E-Plus komplett geschluckt. Ebenso wie NTT wird aber auch NEC in der Analystenzunft verhalten bis negativ beurteilt. Schulden und die hohe Bewertung führen zu vielen Verkaufsempfehlungen.

Interessanter scheinen die Perspektiven für KPN. Gemessen am Höchstkurs hat die Aktie 95 % ihres Werts verloren. Grund ist die miserable finanzielle Situation. Wiederholt spekulierten Investoren darauf, dass KPN Konkurs melden müsse. Inzwischen sehen Bankhäuser den Titel wieder deutlich optimistischer. In den vergangenen drei Monaten rieten nach Angaben der Finanzagentur Bloomberg 16 Strategen zum Kauf, zehn votierten auf Halten, und nur drei empfahlen den Verkauf. Luis Prota von Morgan Stanley Dean Witter hat die Aktie von "neutral" auf "outperform" hochgestuft. Sein Kursziel: 6,60 Euro (gestern 5,40 Euro).

Computersicherheit weiterhin interessant

Auf großes Interesse hoffen auch die Anbieter von Computersicherheit. Hintergrund sind die Terroranschläge in den USA am 11. September. Weltweit werden die Umsätze mit Sicherheitssoftware in diesem Jahr um fast 20 % gegenüber 2001 steigen. Das ist mehr, als fast alle anderen Technologiebranchen erwarten dürfen. Allein in der Cebit-Halle 17 zeigen 177 Firmen ihre Entwicklungen und Dienstleistungen zur Computersicherheit. Eine Komplettlösung zum Schutz von Firmennetzen verspricht Symantec. Dazu gehören ein Virenschutzprogramm und eine "Firewall". Sie soll das Netzwerk gegen Angriffe von Hackern schützen.

Investmenthäuser sind voll des Lobes für den US-Software-Spezialisten, der gerade in den Nasdaq-100-Index aufgestiegen ist. Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern erwirtschaftet Symantec Gewinne und ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des laufenden Jahres von 30 ambitioniert, aber nicht hoch bewertet. Die Bank of America setzt das Kurspotenzial auf 80 $. Gestern wurde an der Börse halb so viel bezahlt.

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