Computer steuern Containerumschlag im Hafen Altenwerder
Schiffe wie von Geisterhand entladen

In der Nähe von Hamburg eröffnet das modernste Containerterminal der Welt. Weitgehend automatisierte Abläufe und eine komplexe Steuerungssoftware sorgen für schnellen Containerumschlag.

In allen Containerhäfen der Welt läuft der Wettlauf mit der Zeit, sobald ein Schiff mit 8 000 Containern an Bord anlegt. Ob in Schanghai, Bremerhaven oder Antwerpen - an allen bedeutenden Standorten versuchen die Hafenbetreiber deshalb, die Flächen und Umschlaganlagen zu optimieren. Die zurzeit modernste Anlage wird auf dem Container Terminal Altenwerder (CTA) im Süden von Hamburg installiert. Die erste Baustufe, durch die der Containerumschlag auf rund 1,1 Millionen Container pro Jahr gesteigert werden soll, ist jetzt abgeschlossen. Endgültig in Betrieb gehen soll der automatisierte Containerhafen dann Mitte 2004. Dann sollen hier pro Jahr 1,9 Millionen Container pro Jahr umgeschlagen werden.

Weitertransport mit fahrerlosen Fahrzeugen

Schon heute wird nur die Entladung der Schiffe am Kai noch von einem Brückenfahrer gesteuert. Er fährt die Laufkatze der über 70 Meter hohen Containerbrücke über das Schiff, zieht den Container hoch und setzt ihn auf einer Plattform ab. Ab hier geht dann alles automatisch. Eine zweite Laufkatze, gefertigt von dem Schanghaier Maschinenbauer ZPMC und Siemens, übernimmt die Last und legt sie auf einem fahrerlosen Transportfahrzeug ab - ferngesteuert von einem Rechner in der Leitzentrale. Jedes der unbemannten, 27 Tonnen schweren Fahrzeuge transportiert zwei Container. Den Weg zum jeweiligen Lager weisen elektronische Markierungen in der Fahrbahn - so genannte Transponder. An den Lagerplätzen übernehmen dann automatische Portalkräne die Last und lagern die Container ein.

Die Steuerungssoftware für das Terminal erhält, längst bevor ein Schiff am Kai anlegt, die Ladedaten, plant die Verteilung der Container, schreibt die Arbeitspläne der Kräne und die Routen der automatischen Fahrzeuge. Entwickelt wurde das komplexe Programm von einem Team der Betreibergesellschaft des Terminals, der Hamburger Hafen- und Lagerhaus-Aktiengesellschaft (HHLA). "Wir mussten nur bei wenigen Komponenten auf Fremdfirmen zurückgreifen", sagt Projektleiter Christian Blauer stolz. Integriert wurden die Schiffsstauplanung von Navis und das Transportleitsystem für die Bahn von Inform.

Wie flexibel die Steuerung ist, wird beispielsweise deutlich bei der Lenkung der dieselgetriebenen fahrerlosen Verladefahrzeuge. Während diese Transporter in anderen Häfen wie in Rotterdam in einem Ringverkehr auf festgelegten Routen zwischen Lager und Liegeplätzen der Schiffe fahren, können die Fahrzeuge in Altenwerder direkte Wege nutzen, "sich gegenseitig überholen und kurzfristig umdisponiert werden", beschreibt Blauert den Fortschritt.

Fortschritte in der Gerätetechnik

Werner Kybart von der Fachhochschule für Transportlogistik - früher Betriebsleiter am Containerterminal in Bremerhaven - attestiert der Anlage in Altenwerder neben dem innovativen Steuerungssystem aber auch Fortschritte in der Gerätetechnik. So arbeiten in jedem Lagerblock zwei Kräne unterschiedlicher Größe. Vorteil: Die sperrigen Kräne passen auch beladen aneinander vorbei, so dass sie vor allem zu Stoßzeiten zeitgleich zum Entladen genutzt werden können. Und muss ein Kran gewartet oder repariert werden, blockiert dieser nicht den anderen.

Wenn der Computerterminal 2004 fertig gestellt ist, sollen in 22 Lagerblöcken bis zu 40 Container pro Stunde bewegt werden. Mit der neuen Technik werde es auch dann keinen Rückstau geben, wenn am Kai bis zu 150 Container pro Schiff und Stunde gelöscht werden, unterstreichen die Verantwortlichen bei der Betreibergesellschaft.

Eine solch hohe Produktivität rentierte sich jedoch nur bei entsprechender Auslastung, gibt Logistikfachmann Kybart zu bedenken. "In Singapur stehen die schnellen Containerbrücken mit Zweikatzbetrieb meistens still", berichtet er aus dem Ausland. Auch in Amsterdam sei die Anlage nicht ausgelastet. Der Grund: Der Zuwachs im Containerverkehr ist weltweit auf für die Branche geringe 2 % geschrumpft. Nicht so in Hamburg: "Wir konnten im ersten Halbjahr 2002 ein Plus von zwölf Prozent verbuchen", sagt Olaf Mager von der HHLA. Aus Sicht der Betreiber kommt die neue Technik also genau zur richtigen Zeit.

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