Computer und TV kämpfen um die schönste neue Multimedia-Welt
Web-TV als Fernsehen der Zukunft

Seit vielen Jahren ist das Zusammenwachsen von Internet und Fernsehen bereits Thema auf der weltgrößten Computermesse Cebit. Doch bis zum interaktiven TV als Massenprodukt ist es noch ein weiter Weg.

dpa/afx HAMBURG. Seit vielen Jahren ist das Zusammenwachsen von Internet und Fernsehen bereits Thema auf der weltgrößten Computermesse Cebit. Alljährlich kündigen Branchen-Experten in Hannover das Fernsehen der Zukunft an. Internet- oder Web-TV, interaktives TV (iTV) oder enhanced TV (erweitertes TV) sind die Schlagworte, mit denen Service-Anbieter, Gerätehersteller und Breitbandfirmen die neue Generation der multimedialen Unterhaltung benennen. Doch bis die schöne neue Multimedia-Welt über PC oder Fernseher tatsächlich millionenfach Einzug in die deutschen Wohnzimmer hält, wird es nach Meinung vieler Experten noch einige Zeit dauern.

Bertelsmann testet interaktives Fernsehen

Auf der Cebit 2000 hatte die Bertelsmann Broadband Group (BBG) bereits interaktives Fernsehen über Set-Top-Box und TV-Kabel angekündigt. Das Gütersloher Medienunternehmen will ein weit gefächertes Service- und Info-Programm für die Fernseher anbieten. Seit fast einem Jahr probt das Unternehmen in einem Testlauf in 1 000 Haushalten in sieben Städten eine Mischung aus TV, Internet- und E- Commerce-Inhalten, die der Kunde nach Bedarf anfordert.

Dass das Fernsehen neue und interaktive Inhalte braucht, darüber sind sich die Experten der Branche einig. Vor allem die begehrte und umworbene Zielgruppe der 8- bis 20-Jährigen treibt es einer Studie des Marktforschungsinstituts Forrester zunehmend weg von der passiven Mattscheibe. "Die Jungen wandern vom TV ab, die Zuschauer werden immer älter", sagt Dr. Simone Emmelius vom ZDF. Doch noch gibt es Zweifel, wie viel Interaktivität der durchschnittliche Fernseh- Zuschauer überhaupt verträgt, schließlich liegt für viele der Reiz am TV darin, sich berieseln zu lassen.

Setup-Box fast Alternative zu PC

"Doch alles, was über das Internet-Protokoll möglich ist, ist im Prinzip auch über TV möglich", sagt Rainer Ney von Deuromedia, einem Hersteller von Breitband-Software. Die Settop-Boxen ähnelten immer mehr kompletten PCs. "Künftig werden sie standardmäßig mit Pentium-Chip, DVB-Karte (Digital Video Broadcast) und einer eigenen Festplatte ausgestattet sein." Unterdessen bietet eine Reihe von Unterhaltungselektronik-Unternehmen wie Philips oder Panasonic Boxen an, die die Vorteile des Internets für das betagte Medium Fernsehen nutzbar machen sollen.

Interaktives Fernsehen noch kein Massenprodukt

Doch noch sind längst nicht alle Hürden genommen. "Ich vermute, dass mit interaktivem TV als Massenprodukt in den nächsten zwei Jahren nicht zu rechnen ist", sagt Ney. Dagegen sprächen vor allem die derzeit noch immensen Kosten für Breitband-Leitungen. "Die Nutzung der Leitungen kostet viel Geld, das der Zuschauer am Ende zahlen müsste." Kostenakzeptabel sei der Einsatz von Breitbandkabeln derzeit nur im Business-to-Business-Bereich.

Der Breitband-Dienstleister Mediaways zeigt auf dieser Cebit auch wieder Lösungen für interaktives Web-TV. Rein technisch gibt es dem Gütersloher Unternehmen zufolge aber auch für Internet-Inhalte auf dem Fernseher nur noch wenige Probleme. "Die Komponenten sind bereits auf Serienreife geprüft, lediglich die Settop-Boxen sind noch der Flaschenhals", sagt Arnold Stender von dem Dienstleister, der auch die technische Plattform für das BBG-Projekt entwickelt hat. Für den Erfolg seien nun die Anbieter mit entsprechendem Marketing gefordert. Stender ist hinsichtlich der Zukunft des Internet-TVs zuversichtlich. "Nach dem Verkauf der Bertelsmann Broadband Group an RTL New Media steckt wesentlich mehr Power hinter dem Projekt." Für den weiteren Erfolg komme es nun vor allem auf die Akzeptanz beim Konsumenten an.

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