Computerhandel auf Xetra wächst
Terminhandel hält Börse auf Kurs

Trotz der Krise am Aktienmarkt verdient die Deutsche Börse gut. Die Frankfurter profitieren vor allem von der florierenden Terminbörse Eurex, die immer neue Umsatzrekorde verzeichnet. Zudem belastet der Rückgang im Aktienhandel weniger als von vielen Analysten befürchtet.

FRANKFURT. Trotz der Flaute am Aktienmarkt bleibt die Deutsche Börse AG, Frankfurt, auf stabilem Wachstumskurs. Im dritten Quartal stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 18 %. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) legte zwar nur um 7 % zu, lag mit 64,8 Mill. aber leicht über den Analysten-Schätzungen. "Die Zahlen für die ersten neun Monate übertreffen unsere Erwartungen", sagte Finanzvorstand Mathias Hlubek.

Auch Analysten beurteilen das Zahlenwerk der Börse überwiegend positiv. "Angesichts der Umfelds an den Aktienmärkten sind die Zahlen stark", urteilt Johannes Thormann, Börsenspezialist bei WestLB Panmure. Dennoch stuft er die Aktie weiterhin nur als neutral ein, da sie nahe an seinem Kursziel von 42 notiert. Am Freitag gaben die im MDax geführten Titel bei einem insgesamt schwachen Markt um 3 % auf 39,5 nach.

Größter Wachstumsmotor des Konzerns ist derzeit die Terminbörse Eurex. Der weltweit größte Derivatemarkt profitiert von den fallenden Aktienkursen, weil sich immer mehr Anleger mit Termingeschäften gegen weitere Verluste absichern. Der September war der beste Monat in der Geschichte der Eurex überhaupt. Insgesamt lag die Zahl der Kontrakte im dritten Quartal 2001 um 58 % über dem Niveau des Vorjahres. Mehr als verdoppelt haben sich dabei Derivate auf Indexprodukte, die etwa den Dax oder den Dow Jones Euro Stoxx abbilden.

Im Kassageschäft, zu dem das elektronische Handelssystem Xetra und die Frankfurter Parkettbörse zählen, hinterlässt dagegen die Verunsicherung der Anleger tiefe Spuren. Der Umsatz lag hier um 11 % niedriger als im dritten Quartal 2000. Zugleich verlagert sich das Geschäft sukzessive vom Parkett auf Xetra. Während das Handelsvolumen auf Xetra sogar zulegte, verbuchte die Frankfurter Wertpapierbörse einen drastischen Umsatzrückgang. Die Börse fördert diesen Trend aktiv, wie das Beispiel der amerikanischen Aktien zeigt. Das erst Ende September eingeführte Xetra-Segment "US Stars" für 200 amerikanische Werte hat binnen eines Monats einen Marktanteil von 35 % erobert. Vor der Einführung des Segments waren es gerade einmal 8 %.

Das Management ist nunmehr zuversichtlich, dass der Ertrag im Gesamtjahr wie geplant um 15 bis 20 % zulegt. Allerdings ist das zweite Halbjahr traditionell schwächer als das erste, weil viele Kosten gegen Jahresende verbucht werden. Dies zeigte sich bereits im dritten Quartal, das nicht mehr ganz so dynamisch ausfiel wie das erste Halbjahr. In den ersten neun Monaten hat der Konzern den Umsatz um 19 % auf 560,1 Mill. gesteigert. Der Ebit-Gewinn legte um 24 % auf 225,3 Mill. zu.

Unklar bleibt weiterhin die Verwendung der rund 1 Mrd. , die der Börsengang im Februar in die Firmenkasse spülte. Der kürzliche Versuch, die britische Terminbörse Liffe übernehmen, schlug fehl. Weiterhin strebt Börsenchef Werner Seifert dagegen die Übernahme jener 50 % des Abwicklers Clearstream an, die der Börse noch nicht gehören. In Finanzkreisen gilt es ferner als denkbar, dass sich die Börse für eine Übernahme der Londoner Aktienbörse (LSE) erwärmen könnte. Dass die Fusion zu IX im vergangenen Jahr fehl schlug, heiße nicht, dass das Vorhaben für immer beerdigt sei.

LSE-Chefin Clara Furse jedenfalls hatte vergangene Woche eine Verbindung mit Frankfurt nicht rundweg ausgeschlossen. Als weiterer potenzieller Partner brachte sich vor wenigen Tagen auch wieder einmal die Nasdaq ins Gespräch. Deren Chef Wick Simmons bekräftigte erneut den altbekannten Wunsch der Nasdaq nach einem Bündnis mit einer großen europäischen Börse.

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