Computerkonzern kauft Datenbankgeschäft von Informix
IBM rückt Oracle auf die Pelle

IBM geht in die Offensive. Der Computerkonzern kündigte gestern in New York die Übernahme des Datenbankgeschäfts der Informix Corp. für eine Milliarde Dollar an. Damit holt er auf einen Schlag den Vorsprung des Softwareherstellers Oracle in diesem Marktsegment ein. Erst vor wenigen Tagen hatte der weltgrößte Computerhersteller neue Rechnerserien angekündigt, mit denen er offen den Kontrahenden Sun Microsystems angreift.

HB DÜSSELDORF. Die Akquisition, der die Kartellbehörden noch zustimmen müssen, stärkt IBMs schnell wachsendes Geschäft mit Datenbank-Management- Software. Der Umsatz des Geschäftsbereichs ist im ersten Quartal 2001 im Jahresvergleich um 36 % gestiegen. Kommentar von Jürgen Gallmann, EuropaDirektor für Datenmanagement-Lösungen bei IBM: "Die Übernahme von Informix erlaubt es IBM, die derzeit besten Datenbank-Technologien noch schneller bei Kunden zu implementieren. Wir gewinnen rund 100 000 neue Kunden und 2 400 qualifizierte Mitarbeiter."

Informix, bislang weltweit die Nummer fünf im Datenbankgeschäft hinter Oracle, IBM, Microsoft und Sybase, ist ein Lieferant für Datenbank-Management-Systeme für Data Warehousing, Business Intelligence und Transaktionsverarbeitung. Mit einer installierten Basis bei über 100 000 Kunden hat sich Informix eine starke Stellung bei zeitkritischen Datenbank-Anwendungen, wie sie im Handel, bei Finanzdienstleistern, im Gesundheitswesen, bei der Verwaltung, der Fertigung, im Verlagswesen und bei der Telekommunikation benötigt werden, gesichert. In Deutschland zählt die Deutsche Telekom zu den wichtigsten Kunden. Peter Gyenes, Chairman und Chief Executive Officer von Informix, bezeichnet die Akquisition als gute Nachricht für Informix-Kunden: "IBM bietet Investitionssicherheit, Support und die Technologieführerschaft, die unsere Kunden in Zukunft benötigen."

Informix selbst beschränkt sich künftig auf das Geschäft mit Management-Lösungen, das in die Ascential Software ausgegliedert wurde und einen Umsatz von zuletzt 130 Mill. $ erzielte. Die 2 400 vom Verkauft betroffenen Mitarbeiter werden von IBM übernommen. Informix will sich zudem in Ascential Software umbenennen.

IBM nun praktisch Marktführer bei Datenbank-Software

Im Geschäftsjahr 2000 erzielte Informix einen Gesamtumsatz von 929,3 Mill. $, verglichen mit 1 039,1 Mill. $ im Vorjahr. Dabei entfielen 807,6 Mill. $ auf Informix Software. Das Nettoergebnis in diesem Zeitraum belief sich auf 28,3 Mill. $ gegenüber 110,2 Mill. $ in 1999. Durch die einmalige Aufwendungen im Zusammenhang mit der Umstrukturierung und Akquisitionen in Höhe von 126,8 Mill. $ verzeichnete Informix einen Nettoverlust von 98,5 Mill. $.

Im Wettbewerb um die Marktführerschaft bei Datenbank-Software hat mit dem Informix-Deal IBM den Konkurrenten Oracle praktisch eingeholt. Oracle-Chef Larry Ellison hat zwar in der Vergangenheit immer wieder behauptet, einen doppelt so hohen Marktanteil wie IBM zu haben. Das stimmte aber nur insofern, als er dabei IBMs Geschäft mit seinen Stammkunden - in erster Linie sind das Großrechner und AS/400-Mittelstandsrechner - ausklammerte.

"Informix war zu klein, um als Generalist gegenüber Oracle, IBM, Microsoft und Sybase neue Segmente erobern zu können", sieht Christophe Chalons, Deutschlandgeschäftsführer beim IT-Marktanalysten Pierre Audoin Conseil, die Vorteile in erster Linie bei Informix. Zusammen kommen IBM und Informix zwar auf einen Datenbankumsatz von rund 5 Mrd. $, werden aber wohl Oracle mit einem Datenbankgeschäft in der Größenordnung von 5,5 Mrd. $ wohl noch nicht überholt haben, schätzt Chalons die Kräfteverhältnisse jetzt ein.

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