Computermarkt leidet weiter
Noch keine Entwarnung für die Chipbranche

Zwar rechnen Marktforscher für die Halbleiterbranche im kommenden Jahr wieder mit Wachstum - aber dass die Krise in der hoch volatilen Industrie damit überstanden wäre, mag noch kein Experte versprechen. Die nach wie vor schwache Konjunktur, die Sorge vor einem Irak-Krieg, Überkapazitäten und die damit verbundene, kaum abzuschätzende Preisentwicklung der Komponenten sorgen für hohe Unsicherheit.

Reuters MÜNCHEN. "Es ist ein gewisses Momentum vorhanden", sagt Merck Finck-Analyst Theo Kitz. "Aber es fehlt nach wie vor der Kick nach oben, dass man sagen könnte, der Aufschwung ist da." Das Wachstum für die Halbleiterbranche, die seit 2001 die schwerste Krise ihrer rund 50-jährigen Geschichte durchleiden muss, sollte Experten zufolge 2003 am ehesten aus dem Handy-Bereich kommen. Die Festnetz-Kommunikation und vor allem der PC-Markt, der mit rund 40 Prozent den größten Teil der Nachfrage ausmacht, würden dagegen kaum für Impulse sorgen.

Andy Grove, Chairman beim Branchenprimus Intel, warnte angesichts der großen Unsicherheit in der Branche erst vor wenigen Tagen vor zuviel Zuversicht für 2003: "Der Anfang vom Ende (der Krise)? Ich wäre da nicht so optimistisch."

Nach den Boomjahren Ende der 90er Jahre musste der Halbleitermarkt 2001 einen Einbruch um über 30 Prozent hinnehmen und stagnierte auch 2002 weitgehend. Für das kommende Jahr sehen die Marktforscher von Gartner Dataquest nun ein Wachstum von gut zwölf Prozent in der Branche, deren aktuelles Volumen bei rund 140 Milliarden Dollar liegt. Der Chipverband SIA rechnet sogar mit einem Plus von knapp 20 Prozent.

Dreh- und Angelpunkt der Halbleiternachfrage ist der Computermarkt, und dieser leidet Analysten zufolge nach wie vor unter der Zurückhaltung der Unternehmen bei Investitionen. "Wir sind eher skeptisch, was den PC-Markt angeht", sagt HVB-Analyst Günther Hollfelder und prognostiziert für 2003 ein Stückzahlwachstum von nur fünf Prozent. In den vergangen 20 Jahren lag das Plus im Schnitt bei jährlich rund 15 Prozent. Auch Gartner hat zuletzt seine Prognose für den PC-Absatz 2003 deutlich zurückgestutzt.

Lichtblick Mobilfunk

Für einen Lichtblick 2003 - hier sind sich Experten einig - dürfte der Handymarkt sorgen. Mit der Einführung MMS-fähiger (Multi Messaging Service) Mobiltelefone, die Bilder und andere große Datenmengen senden können, soll der Markt wieder wachsen. Hollfelder geht für die gesamte Handybranche 2003 von einem Absatzplus von neun Prozent aus. 2002 dürften rund um den Globus etwa 400 Millionen Geräte über die Ladentheke gewandert sein. Die PC- und Handyhersteller sorgen für rund zwei Drittel der Erlöse der Halbleiterindustrie. Die kleineren Bereiche Consumer Electronic, Festnetz-Kommunikation und Auto dürften sich nach Einschätzung vieler Analysten 2003 bestenfalls durchschnittlich entwickeln.

Doch selbst wenn es in einem der Bereiche zu einem klaren Anstieg der verkauften Stückzahlen kommen sollte, ist offen, ob dieser nicht weitgehend durch sinkende Preise kompensiert wird. "Der Preisdruck wird in der Industrie weiter ein Thema bleiben", sagt Sal.Oppenheim-Analyst Jürgen Wagner. Besonders betroffen ist dabei der Speicherchip-Bereich (DRAMs), der unter hohen Überkapazitäten leidet und beispielsweise für den Münchener Chiphersteller Infineon den wichtigsten Umsatzbereich darstellt. Kostete der Standard-128-Megabit-Chip am Spotmarkt zu Boomzeiten Mitte 2000 noch 16 Dollar, liegt sein Preis derzeit bei 2,20 Dollar - und damit weit unter den Produktionskosten der Anbieter.

Ob vor diesem Hintergrund 2003 die seit langem erhoffte Konsolidierung des Marktes kommen wird, ist Experten zufolge offen. "Wir haben wenig Hoffnung, dass die Konsolidierung im nächsten Jahr bereits zu Erfolgen führen wird", sagt Hollfelder. In einem solchen Szenario würde Analysten zufolge insbesondere die krisengeschüttelte DRAM-Branche massiv leiden. Hier macht unter anderem der staatlich hoch subventionierte koreanische Anbieter Hynix den Konkurrenten das Leben schwer. "Wenn Hynix weiter künstlich am Leben gehalten wird, sehe ich schwarz für die DRAM-Branche im kommenden Jahr", sagt Kitz.

Sollte es darüber hinaus 2003 zu einem Irak-Krieg kommen, sind Auswirkungen auf den Halbleitersektor nicht ausgeschlossen. "Wenn ein Irak-Krieg käme, könnte das zumindest kurzfristig negative Auswirkungen auf die IT-Ausgaben der Unternehmen haben", sagt Analyst Kitz. Damit würde die PC-Nachfrage noch schwächer ausfallen. Zudem dürfte sich Experten zufolge auch das Vertrauen der Verbraucher verringern, so dass womöglich weniger Mobiltelefone oder Elektronikgeräte gekauft werden.

Angesichts der vielen Fragezeichen überrascht es kaum, dass keiner der großen Halbleiterkonzerne wie Intel, STMicroeletronics oder auch Infineon bislang für 2003 konkrete Geschäftsprognosen gewagt haben. Analysten zufolge ist die Unsicherheit in der Branche momentan einfach zu hoch. Oder wie es Michael Bahlmann von MM Warburg resümiert: "Die Visibilität ist momentan gleich null."

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