Computernutzer surfen mit ihrem Laptop per Wireless-LAN im Internet
Funknetze auf dem Weg zum Massenmarkt

Wireless-LAN, der drahtlose Zugang zum Internet, hat den Durchbruch geschafft. Immer mehr Laptops werden mit der Funktechnik ausgestattet und in den Städten weitere Zugänge aufgebaut.

HB DÜSSELDORF. Die Wireless-LAN- Technik hat es geschafft. "Die PC- und Zubehörhersteller haben das Potenzial der schnellen Zugangstechnik für das mobile Internet erkannt und preiswerte Endgeräte geschaffen", sagt Wolfgang Appelt vom Fraunhofer für Angewandte Informationstechnik-Institut (FIT) in Sankt Augustin bei Bonn. Immer mehr Universitäten, Hotels und Flughäfen werden zurzeit mit den leistungsfähigen W-LAN-Minisendern (im Fachjargon heißen diese "Hot Spots") ausgerüstet. Und immer mehr Nutzer klinken sich mit ihren Notebooks oder Taschencomputern in die Funknetze ein.

Vor allem in den USA breitet sich der W-LAN-Trend (dort eher bekannt unter dem Namen WiFi) mit Riesenschritten aus: Dort gibt es bereits Tausende Hot Spots. Und gerade hat das neu gegründete Unternehmen Cometa Networks - ein Joint Venture von IBM, Intel und AT&T - angekündigt, bis 2004 die Vereinigten Saaten mit einem W-LAN-Netz von 20 000 zusätzlichen Sendeanlagen zu überziehen. "Die Hot Spots sollen in Cafés, Autowerkstätten und Parks eingerichtet werden, so dass jeder Großstadtbewohner innerhalb von fünf Minuten die nächste Station erreicht", sagt Cometa-Chef Larry Brilliant.

Nach Einschätzung von Branchenexperten wird die Zahl der W-LAN-Nutzer in den nächsten zwei Jahren sprunghaft steigen. Die Unternehmensberatung Farpoint Group rechnet damit, dass in fünf Jahren alle Notebooks und Handheld-Computer mit der Technologie ausgerüstet sein werden. "Schon heute werden viele Notebooks mit integrierter W-LAN-Lösung verkauft", sagt Wolfgang Appelt vom FIT.

Einen zusätzlichen großen Schub erwartet die IT-Branche von einem neuen Intel-Chip mit dem Arbeitstitel Banias, der Mitte nächsten Jahres auf den Markt kommen soll. Dieser Chip für mobile Computer wird voll W-LAN-fähig sein - eine spezielle Einsteckkarte für den PC ist dann nicht mehr notwendig.

Ungemach droht von amerikanischen Militärs

Ungemach droht der mobilen Netztechnik jedoch von amerikanischen Militärs. Nach einem Bericht der New York Times sieht das Pentagon mit der vermehrten Installation von Hot Spots eine neue Gefahr für die nationale Sicherheit heraufziehen. Die Militärs glauben, dass durch die zunehmende Verwendung von W-LAN bis zu zehn Radartypen für die Luftraumüberwachung und die Steuerung von Raketen gestört werden könnten. Die US-Regierung will daher eine internationale Begrenzung des Frequenzspektrums im 5-GHz-Bereich für W-LAN durchsetzen.

Die Position des Pentagons wurde auch von Vertretern der USA bei der World Administrative Radio Conference, dem internationalen Regulierungsgremium für die Vergabe des Frequenzspektrums, in Genf bekräftigt. Allerdings stieß der Wunsch nach einer Beschränkung des Frequenzspektrums auf die Ablehnung der europäischen Staaten. Eine Entscheidung, wie die Regulierungsbehörde auf das Ersuchen der Amerikaner reagieren wird, wird frühestens Mitte nächsten Jahres erwartet, auf der Jahreskonferenz der Organisation, die im Juni 2003 stattfindet.

Von den US-Unternehmen fordern die Militärs zusätzlich eine Einschränkung der Sendeleistung für WiFi-Geräte. So sollen die zivilen Systeme sich automatisch einen anderen Kanal suchen, sobald sie ein militärisches System in der Nähe feststellen. Zwar sind solche Systeme bereits in Europa gebräuchlich. Das US-Militär wünscht sich allerdings, dass die Geräte empfindlicher eingestellt werden als bisher.

Die US-Industrie befürchtet, dass durch diese regulierenden Eingriffe ein Hoffnungsmarkt für die IT-Industrie abgewürgt wird. Firmen wie Intel und Microsoft haben die Wünsche der Militärs strikt abgelehnt, da alle Geräte auf ein geringes Spektrum begrenzt würden und die Qualität der W-LAN-Services leiden würde.

Der stürmische W-LAN-Boom könnte sich auch als ein Problem für die Durchsetzung des UMTS-Standards erweisen: "In vielen Bereichen wird WiFi dem langsameren UMTS das Wasser abgraben", sagt Wolfgang Appelt. Im Gegensatz zu den milliardenschweren UMTS-Investitionen ist der Aufbau von Hot Spots deutlich billiger: Cometa hat für die geplanten 20 000 Sendeanlagen gerade einmal 40 Mill. Dollar veranschlagt. Die Mobilfunkfirmen setzen in dieser Situation auf eine Integration beider Systeme: UMTS soll den WiFi-Dienst nahtlos übernehmen, sobald ein Teilnehmer die Reichweite eines Hot Spots verlässt.

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