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Computerschule für Berufskommunikatoren

PR-Agenturen haben nicht viel Geld. Oft reicht es da vermutlich nicht mal für eine vernünftige Ausbildung des Personals in Sachen E-Mail. Oder Höflichkeit. Oder Nachdenken, was man da gerade für einen Unsinn veranstaltet.

PR-Agenturen haben nicht viel Geld. Oft reicht es da vermutlich nicht mal für eine vernünftige Ausbildung des Personals in Sachen E-Mail. Oder Höflichkeit. Oder Nachdenken, was man da gerade für einen Unsinn veranstaltet. Was dabei herauskommt ist der Eindruck, dass sich in einer Welt der Technik die Berufskommunikatoren noch auf dem Stand des Commodore 64 bewegen. 

Im Netz wird gern gekürzelt. xxx zum Beispiel steht schon mal für Küsschen. Oder für Porno. Je nachdem. Wofür aber steht xx? Ich schlage mal vor "Ignorante Unhöflichkeit von Berufskommunikatoren aus dem Hause Rozok".

"xx" nämlich war das Betreff einer E-Mail, die ich vergangene Woche erhielt. Das ist immerhin mehr als gar nichts, der PR'ler an sich spart sich gerne mal einen Betreff, damit der Journalist wiederum nicht gleich die Delete-Taste drückt. Als Energieverschwendung ist da schon der Betreff "Pressemitteilung" zu verstehen, er ist so inhaltsschwer wie "xx". Aber i mmerhin höflicher.

Zuvorkommend ist es auch, mehrere Pressemitteilungen in einer Mail zu versenden. In der Schweiz aber bevorzugt man einen bergvölkisch-ruppigen Stil und verschickt deshalb auch mal innerhalb von 54 Minuten zehn Mitteilungen aus einem Hause. Zum Beispiel beim Fondsanbieter Bellevue, Herr über die bekannten BB Medtech und BB Biotech.

Und alle diese E-Mails beginnen mit einer Lüge, die sonst aus Spam-Mails bekannt ist:

"Guten Tag! Hier sind die von Ihnen gewünschten aktuellen Informationen zu BB BIOTECH"

Gewünscht? Das klingt nach aktiven Weihnachten, nach dem selbstständigen Hoffen, der Adressat möge mir das schicken, wonach es mir gelüstet. Stimmt aber nicht. Ist nur die Einleitungsfloskel für den Pressemitteilungsversand.

Die "aktuellen Informationen" sind noch dazu nur verlinkt. Mit schnöden Begriffen wie "Quartalsberich" (ja, ohne t, ist vielleicht schwyzerdütsch). Oder Monatsnews (ich möchte aber keine In formationen über den Monat, lieber über Unternehmen. Oder über Menschen). Diese Verlinkerei ist nicht schön, schließlich könnte der Link auch auf eine virenverseuchte Seite führen. Hat den Leuten von BB wahrscheinlich auch jemand erzählt. Deshalb lassen sie es sein. Das sieht dann so aus:

"BB MEDTECH Newsservice

Guten Tag! Hier sind die von Ihnen gewünschten aktuellen Informationen zu BB MEDTECH. Für weitere Informationen, stehen Ihnen Edwin van der Geest, Alexandre Müller, Dr. Christian Lach oder Alexandra Avila gerne zur Verfügung: +41 ....

Die Bellevue Asset Management Gruppe ist im Mandatsverhältnis für Fundamentalanalyse, Portfoliomanagement, Marketing und Administration der BB MEDTECH verantwortlich."

Welche Informationen die gewünschten sind, die hiermit ins Haus kommen? Steht nicht dabei. Soll der Journalist doch anrufen. Vielleicht hätte ich das wirklich tun sollen. Zehn mal in 54 Minuten. Mist, Gelegenheit verpasst. Aber andererseits: Hier muss ja auch mal gearbeitet werden.

Ist ja nicht wie beim "Spiegel", wo der Kollege Andreas B. (Namen von mir aus Datenschutzgründen gekürzt) vom 13.8. bis 5.9. Urlaub machte. Oder beim NDR, wo der Kollege Ben B. vom 31.8. bis 15.9. außer Haus war. Ebensolange wie die frei arbeitende Journalisten Judith H.

Woher ich das weiß? Aus der Einladung zur FPS-Tagung "Käuflichkeit als Problem der publizistischen Selbstkontrolle" am 21. Oktober 2005 in der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Der tagungsausrichtende Verein zur Förderung der publizistschen Selbstkontrolle unter dem Dortmunder Professor Horst Pöttker hat nämlich seine Medienkompetenz dadurch bewiesen, dass er die Einladung über eine Verteiler-E-Mail-Adresse verschickte, auf die geantwortet werden konnte. Hat also einer der Adressaten seine Abwesenheitsfunktion aktiviert, wurde auch diese gleich weiterverteilt. Herzlichen Dank dafür.

Vielleicht sollten wi r Journalisten einen Hilfsfonds gründen. In steuerabzugsfähiger Stiftungsform, vielleicht. Jeder spendet ein paar Euro und dafür kaufen wir unterbelichteten Berufskommunikatoren Bücher. "Internet für Dummys", zum Beispiel. Könnte eine nervenschonende Investition sein.

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