Computerstrukturen weniger standardisiert als bei Banken
Auch Versicherer wollen IT auslagern

Die Auslagerung von Teilen ihrer Informationstechnologie (IT) beschäftigt zunehmend auch Versicherer: "In nahezu jedem Unternehmen wird über Outsourcing nachgedacht und das Thema neu betrachtet", weiß Karl Friedrich Löer, als Direktor im Bereich Financial Services bei IBM für Outsourcing zuständig.

Die Gesellschaften gehen das Thema jedoch nur hinter verschlossenen Türen an, um keine Unruhe unter den betroffenen Mitarbeitern aufkommen zu lassen. Bisher ist lediglich von der angeschlagenen Mannheimer Versicherung bekannt, dass sie aus Kostengründen über die Ausgliederung des Rechenzentrums mit IBM verhandelt.

Die Versicherer hinken den Banken hinterher: Ein großer Vorreiter ist die Deutsche Bank, die erst kürzlich bestätigt hat, die weitere Verlagerung von Aufgaben auf externe Dienstleister zu prüfen. Vor wenigen Monaten hatte sie bereits die kontinentaleuropäischen Rechenzentren inklusive rund 900 Mitarbeiter an IBM übergeben. Auch JP Morgan und American Express haben Teile auf IBM ausgelagert.

Versicherer waren im Vergleich zu den Banken bisher zögerlich. Gesellschaften wie Axa, Winterthur oder die kleine LV 1871 geben allenfalls ihre Großrechner in externe Hände. Komplettes Outsourcing, also einschließlich Personal, ist bisher nicht sehr weit verbreitet. Vor ein paar Jahren hat die heutige Gothaer Versicherungsgruppe, damals Parion, ihr Joint-Venture mit IBM sogar wieder gelöst. Der Grund: Bei der Fusion mit der Berlin-Kölnischen Versicherung erwies sich das Modell als zu sperrig. Doch Löer ist überzeugt: "Durch die Ertragsnöte öffnen sich die Ohren jetzt langsam wieder."

Kosten im Focus

Mit der Ausgliederung verfolgen Banken wie Versicherer das gleiche Ziel: Kosten einzusparen oder zumindest zu flexibilisieren. Bei der Deutschen Bank sollen pro Jahr rund 100 Mill. Euro eingespart werden. Die Versicherer nennen ungern Zahlen. "Wir haben das für uns durchgerechnet und es lohnt sich", sagt Karl Panzer, Chef der LV 1871, deren Großrechner bei IBM in Schweinfurt stehen. Die Rechnung überprüft er laufend, denn: "Man muss aufpassen, dass es nicht nur zu Beginn günstiger ist, sondern auf Dauer."

"Die Variabilisierung der Kosten ist für alle Branchen das Gebot der Stunde", ist Ulrich Wolf von IBM überzeugt. Denn wenn die Wirtschaft nicht wächst, stoßen die alten Fixkosten-Modelle schnell an ihre Grenzen. IBM unterstützt seit neuestem so genannte On-Demand-Strategien, bei denen nur nach Bedarf gezahlt wird. Dazu muss nicht gleich das ganze Rechenzentrum ausgelagert werden. Es gibt auch die Möglichkeit, nur die Hardware auszugliedern, wie es die meisten Versicherer bevorzugen.

Die Technik macht noch mehr möglich: interne Variabilisierung der Kosten. So unterstützt die neue Rechnergeneration von IBM "T-Rex" eine bedarfsgerechte Auslastung in den Unternehmen selbst. "Wir haben zwei solcher T-Rex-Rechner gekauft, um Leistung und Kosten flexibler zu gestalten", bestätigt Werner Schmidt, Vorstand der LVM-Versicherungen in Münster gegenüber dem Handelsblatt. Der Vorteil: Je nach Auslastung der Rechner fallen Software-Lizenzzahlungen nur anteilig an.

Allein das Verlagern von fixen zu variablen Kosten bringt noch keine Einsparung, weiß auch Heinrich Dammann, IBM-Leiter Versicherungen: "Doch die anfallenden Kosten korrespondieren dann zumindest mit dem Geschäftsaufkommen."

Die Deutsche Bank ist davon überzeugt, dass kein Weg daran vorbei führt, standardisierte Aufgaben auszulagern. Für Versicherer gilt im Prinzip das Gleiche. Allerdings ist der Standardisierungsgrad bei ihnen noch sehr gering. Das hängt damit zusammen, dass die Produktgestaltung in der Assekuranz stark von der Datenverarbeitung abhängt. Kaum einer mag daher auf eigene Programmierer verzichten.

Die mangelnde Standardisierung erschwert auch Zusammenschlüsse von Versicherern. Dammann: "Keiner berücksichtigt, dass bei Übernahmen und Fusionen die IT-Infrastruktur (Hardware) und-Architektur (Software-Aufbau) kriegsentscheidend sein kann."

Teures IT-Management

Kostenblock: Ihre Datenverarbeitung lassen die Versicherer sich einiges kosten. Im Schnitt geben die Unternehmen 3,2% der Beitragseinnahmen für die IT aus; 2002 also rund 5 Mrd. Euro.

Flexibilisierung: IT-Kosten (Rechner, Personal) sind überwiegend Fixkosten. Das Ziel aller Auslagerungsmodelle ist daher, die starren Fixkostenblöcke in variable Kosten umzumünzen, so dass sie mit dem Geschäftsaufkommen atmen.

Outsourcing: Kennzeichnend für eine echte Auslagerung ist der Übergang von Funktionen einschließlich des dafür beschäftigten Personals auf einen externen Dienstleister.

Quelle: Handelsblatt Nr. 145 vom 31.07.03 Seite 18

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