Computertechnik dominiert die Funkausstellung 2001
Die digitale Medienwelt hofft auf neue Bewohner

Die schöne neue Medienwelt lädt zum Fest unterm Funkturm: 910 Aussteller aus 40 Ländern - so viel wie nie zuvor - zeigen ab Samstag auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin die neuesten Produkte und Dienstleistungen für die Informations- und Spassgesellschaft. Ihr gemeinsamer Nenner: Alles ist digital.

ap FRANKFURT/MAIN. Ob die Fernsehzuschauer diese Botschaft auch annehmen werden, zeigt sich spätestens im nächsten Jahr. "Von der Technik her ist alles klar", sagt Friedrich-Karl Reichardt vom Satelliten-Betreiber Astra über das digitale Fernsehen. "Jetzt muss nur noch der Verbraucher den Schalter im Kopf umlegen und sich für den digitalen Empfang entscheiden." Die Vorteile liegen auf der Hand: Besseres Bild, besserer Ton, größere Auswahlmöglichkeiten, Extrakanäle für Spezialinteressen und eine Art Fernsehzeitschrift am Bildschirm als elektronischer Programmführer. Und dennoch reicht vielen Zuschauern das bestehende Angebot analoger Fernsehprogramme über die Antenne. Aber Reichardt erwartet, dass das digitale Fernsehen "auch bei uns schneller zunehmen wird, als mancher Konsument vielleicht glaubt". Der Grund: Für die Fernsehsender ist es auf Dauer zu aufwendig, das gleiche Programm auf zwei Wegen anzubieten - analog und als "Digital Video Broadcasting" (DVB).

Im Reigen der DVB-Varianten bietet Astra das DVB-S an: Hier kommen die digitalen Programme über die Satellitenschüssel ins Haus, was nach wie vor der gebräuchlichste Weg ist. Von 242 derzeit angebotenen Empfangsgeräten für digitales Fernsehen, den so genannten Set-Top-Boxen, sind nur 24, also jedes zehnte, für den Kabelempfang (DVB-C) geeignet. Das vor rund 15 Jahren für den Transport analoger Fernsehprogramme entwickelte Kabelnetz muss für die digitale Übertragung erst noch mit hohem Kostenaufwand umgerüstet werden. Dabei soll dann auch gleich für einen leistungsfähigen Rückkanal gesorgt werden, der bislang über das Telefonnetz bereitgestellt wird. Erst der Rückkanal macht aus dem digitalen TV ein interaktives Fernsehen. Dazu gehören auch E-Mail und SMS, wie sie auf der Funkausstellung unter anderem vom TV-Sender RTL vorgestellt werden.

Auf der IFA wird es auch Neues zur dritten DVB-Variante geben: DVB-T ermöglicht das digitale Fernsehen über den terrestrischen Antennenempfang, was derzeit in mehreren Feldversuchen erprobt wird. Weil dabei bereits eine kleine Stabantenne ausreicht, ist DVB-T besonders für den mobilen Fernsehempfang interessant.

Hohe Erwartungen an den Start der Multimedia Home Platform

Die digitale Übertragung bringt die beiden traditionellen IFA-Säulen Audio und TV - im Logo der Messe symbolisch mit Pfeilen auf Auge und Ohr hervorgehoben - auf ein einheitliches Empfangsgerät. Hohe Erwartungen knüpfen sich dabei an die MHP-Box, eine Set-Top-Box mit dem Betriebssystem der Multimedia Home Platform. MHP wird zur IFA offiziell eingeführt, das System soll als offener Standard den Streit um das richtige Betriebssystem für das digitale Fernsehen beenden. MHP bietet neben dem digitalen TV-Programm auch Zusatzdienste wie Wetterinformationen, Nachrichten-Ticker, Online-Shopping oder E-Mail. Als Preis für die im Anschluss an die IFA in den Handel gelangenden MHP-Boxen werden 300 bis 500 ? genannt.

Einen festen Platz in der Filmwelt hat sich inzwischen die DVD erobert. So gingen im ersten Quartal dieses Jahres 3,9 Mill. DVD-Scheiben in Deutschland über den Ladentisch, fast drei Mal so viel wie ein Jahr zuvor. Die IFA widmet der "Digital Versatile Disk" mit ihrer Speicherkapazität von meist 4,7 und maximal 17 Gigabyte eine eigene Erlebniswelt, in der unter anderem auch die Produktion einer DVD gezeigt wird. Dass DVD nicht nur für die Filmindustrie immer wichtiger wird, sondern allmählich auch für die von CD-Kopierern gebeutelten Musikindustrie, will Peter Maffay auf der IFA mit der Präsentation seiner ersten DVD demonstrieren, die die Meilensteine seiner 30-jährigen Rock-Karriere vorstellt.

Wo so viel Bits und Bytes durch die Gegend schwirren, will auch die IT-Branche (Informationstechnik) nicht abseits stehen. Erstmals präsentiert sich auf der IFA der Chip-Hersteller Intel. "Wir sehen ein Zusammenwachsen der digitalen Unterhaltungsmedien mit dem PC", sagt Intel-Manager Hans-Jürgen Werner. "Wir haben gesehen, dass der Pentium-4-Prozessor dieses Zusammenwachsen hervorragend unterstützt." Intel will die IFA als Forum für die Vorstellung eines neuen Prozessors nutzen, gemunkelt wird über den ersten Pentium mit einer Taktrate von zwei Gigahertz. Auf dass die medialen Datenströme noch schneller fließen!

www.ifa-berlin.de

www.digitv.de

www.dvd-info.de

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