Computertechnik optimiert Organisation und Ablauf von Aktionärstreffen
Internet verändert die Hauptversammlung

Aktionäre können künftig nicht nur ihre Hauptversammlung per Internet verfolgen, sondern werden über eine spezielle Web-Site eingeladen. Mit den technischen Neuerungen sollen HVs attraktiver und Abläufe transparenter werden.

FRANKFURT. Vielen Aktionären ist die Onlineadresse www.ebundesanzeiger.de erst seit kurzem ein Begriff. Über diese Seite muss seit dem 1. Januar diesen Jahres die Einladung zu einer Hauptversammlung zwingend erfolgen (§ 25 S. 1 AktG). Zur Veröffentlichung in der Printausgabe des Bundesanzeigers sind die Unternehmen seitdem nicht mehr verpflichtet. Nicht nur an diesem Beispiel zeigt sich, wie wichtig die Computertechnik und das Internet inzwischen für die Organisation einer Hauptversammlung geworden ist.

Der Grund dafür ist einfach: Langwierige Prozeduren beispielsweise Einladungen oder Abstimmung werden verkürzt. Zugleich wird die Attraktivität von HVs wieder erhöht. Schließlich ist die Anzahl der Teilnehmer seit Jahren rückläufig. Das liegt unter anderem daran, dass immer mehr ausländische Investoren in Deutschland engagiert sind, die ein Problem mit der langen Anreise haben. In der Vergangenheit führte das Wegbleiben der Aktionäre schon des öfteren zu Zufallsergebnissen, da bei Abstimmungen nur die anwesenden Stimmen gezählt werden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Unternehmen aufgefordert werden, einen Stimmrechtsvertreter zu benennen, der möglichst noch während der Hauptversammlung von nicht anwesenden Aktionären mit der Stimmrechtsvertretung - natürlich über das Internet - beauftragt werden kann. Vor allem die Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben die bisher übliche Vertretung ihrer Kunden auf HVs seit diesem Jahr weitgehend eingestellt, Großbanken haben sich schon länger zurückgezogen.

Für die Einführung eines Stimmrechtsvertreters für nicht anwesende Aktionäre müssen viele Unternehmen allerdings erst in diesem Jahr ihre Satzung ändern. Daher ist mit dem flächendeckenden Einzug dieser Neuerung nach Ansicht von Experten erst ab der HV-Saison 2004 zu rechnen. Eine Soll-Vorschrift hat der Corporate Governance Kodex ebenfalls für die Übertragung der Hauptversammlung im Internet erlassen. Die Aktionäre sollen so die Möglichkeit erhalten, den Ablauf der Veranstaltung auch aus der Ferne zu verfolgen.

Weitere Erleichterung: Gegenanträge und Wahlvorschläge müssen nicht mehr an alle Aktionäre verschickt werden, wie es noch vor kurzem das Aktiengesetz forderte. Nun reicht die Veröffentlichung auf der Homepage der Gesellschaft im Kontext mit den anderen HV-Unterlagen. Noch weiter greift das Internet, wenn sich ein Unternehmen bereits zur Einhaltung des Deutschen Corporate Governance Kodex verpflichtet hat. Dann sollen Tagesordnung, Berichte und Auslagen ebenfalls auf der Homepage veröffentlicht werden.

Aber auch während der eigentlichen Hauptversammlung dürften Anteilseigner in diesem Jahr hier und da Neuerungen zu Gesicht bekommen. Wie bereits in vielen Teilen Europas sollen nun auch in Deutschland elektronische Geräte die altgediente Stimmrechtskarte ersetzen. Die Geräte wurden u.a. von Firmen wie dem IBM-Partner Feedback Interactive Systems Italia entwickelt. Der so genannte Televoter ist ein Handy-großes Gerät und wird jedem Aktionär am Eingang mit der persönlichen HV-Karte ausgehändigt. Dieser muss dann vor der Abstimmung nur noch die Karte, auf der die Anzahl der stimmberechtigten Aktien gespeichert ist, in das Gerät stecken - schon ist das System betriebsbereit.

Im Ausland setzen große Konzerne wie Axa, Credit Suisse, Fiat oder Société Générale das Gerät bereits seit Jahren ein. In Deutschland feierte der Televoter erst im vergangenen Jahr bei der Hauptversammlung von Leica Camera seine Premiere. In den nächsten Wochen soll das Gerät bei weiteren kleinen HVs zum Einsatz kommen, kündigte der deutsche Organisator von Hauptversammlungen, Haubrok Corporate Events, an. Schnelligkeit und Zuverlässigkeit sind vor allem die Argumente für den Televoter, denn noch immer dauern Aktionärstreffen in Deutschland so lange wie sonst nirgendwo auf der Welt.

Ähnlich wie der Televoter funktioniert das von HV-B.O.S.S. entwickelte System "Share Mobile Vote". Der Unterschied zwischen beiden Systemen liegt vor allem in der Art der Stimmenauszählung. Während der Televoter das Additionsverfahren anwendet und alle abgegebenen Stimmen - also auch die Ja-Stimmen - zählt, ist beim Share Mobile Vote auch das derzeit bei der Mehrzahl der Unternehmen (98 %) noch geläufige Substraktionsverfahren möglich. Hierbei werden nur die Nein-Stimmen gezählt. Hostessen reichen hier einem widerspenstigen Aktionär während der Abstimmung auf Handzeichen ein entsprechendes Gerät.

Ebenfalls von HV-B.O.S.S. stammt der "Share Instruction Terminal", der während der HV im Präsenzbereich aufgestellt wird und mit dem der Aktionär bis zum Beginn der Abstimmung interaktiv Weisungen erteilen kann. Der Vorteil: Wer nicht bis zur Abstimmung warten will, kann trotzdem seine Stimme abgeben.

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