Computertomografie verbessert Vorsorge vor Herzinfarkt
Bilder vom Herzen decken Risiken auf

Untersuchungen mit schnellen Computertomografen könnten helfen, die Zahl der Herzinfarkte zu reduzieren. Die Geräte liefern so genaue virtuelle Bilder von den Blutgefäßen, dass selbst kleine Ablagerungen sichtbar werden.

DÜSSELDORF. Mit einer verbesserten Untersuchungsmethode wollen Radiologen ihre Patienten vor Herzinfarkten schützen. Ultraschnelle Computertomografen ermöglichen es, gefährliche Ablagerungen, auch Plaque genannt, in den Herzgefäßen aufzuspüren. Anschließend werden diese mit Entzündungshemmern behandelt, um das Infarktrisiko zu senken.

Trotz aller Behandlungserfolge zählen Ablagerungen an Herzgefäßen weltweit zu den häufigsten Krankheits- und Todesursachen - mit steigender Tendenz. Diese können plötzlich und ohne vorangehende Warnzeichen aufbrechen und einen Herzinfarkt verursachen. Bislang konnten Mediziner kaum vorhersagen, welche Ablagerungen sich ruhig verhalten und welche aufzubrechen drohen. Neue Erkenntnisse über die Plaques ermöglichen nun, den Ablauf von Herzinfarkten besser zu verstehen. Dabei wurde deutlich, dass die weichen Ablagerungen an der Aderwand häufig eine zentrale Rolle spielen.

Entzündungen in Gefäßablagerungen sind gefährlich

Wenn eine solche Ablagerung sich entzündet und verstärkt wächst, bildet sich im Inneren eine teigige Masse aus Fetten und Zellbestandteilen. Die schützende Bedeckung aus Bindegewebe wird aufgeweicht und ausgedünnt. Wenn sie aufbricht, bildet sich ein gefährliches Gerinnsel im Gefäß: Dieses kann an Stellen, wo die Ader bereits verengt ist, die Blutversorgung unterbrechen und damit zum Herzinfarkt führen. Auch Patienten, bei denen eine Vorsorgeuntersuchung beim Hausarzt kein Infarktrisiko ergab, können so plötzlich einen Herzinfarkt erleiden.

Eine neue Generation ultraschneller Computertomografen ermöglicht es heute, diese Risiken der Ablagerungen frühzeitig zu ermitteln und zu bewerten. Diese Geräte seien bisherigen Methoden deutlich überlegen. "Mit einem Herzkatheter werden solche Ablagerungen nicht entdeckt" , sagt Mathias Prokop, Leitender Radiologe an der Universität in Utrecht. Und die Ultraschalluntersuchung des Gefäßes über einen Katheter sei zu teuer und zu gefährlich, da dabei die Schutzschicht der weichen Ablagerung beschädigt werden könnte.

Auch der Wuppertaler Radiologe Wolfgang Lemmen ist überzeugt, dass die Untersuchung mit dem Computertomografen helfen kann, Infarktrisiken frühzeitig zu erkennen - zumindest bei Patienten, die einzelne typische Risikofaktoren aufweisen. Dazu gehören Menschen mit einem hohen Cholesterinwert, hohem Blutdruck oder Raucher. "Sie sollten spätestens dann einen Arzt aufsuchen, wenn sie unter Stress Brustschmerzen verspüren", sagt der Facharzt.

CT kann kardiologische Untersuchung nur ergänzen

Statistiken belegen, dass vor allem Männer zwischen 50 und 59 Jahren besonders infarktgefährdet sind. 20 % von ihnen haben Gefäßverengungen - wenn sie aufbrechen, besteht Lebensgefahr.

Die radiologische Gemeinschaftspraxis in Wuppertal, in der Lemmen für die Computertomografie verantwortlich ist, arbeitet seit November vergangenen Jahres mit einem der modernen Computertomografen. Der Scanner bildet pro Rotation acht Schichten ab. "Mit der neuen Technik wurde die Aufnahmezeit beträchtlich reduziert", erläutert Wolfgang Lemmen. Außerdem seien die Aufnahmen wesentlich detaillierter.

Die schnellen Computertomografen liefern ein virtuelles Bild des Herzens und der Gefäße. "Diese Computeransicht kann man drehen und wenden, so dass man auffällige Stellen von verschiedenen Seiten betrachten kann", verdeutlicht der Mediziner. Allerdings könne die Computertomografie die Diagnose des Kardiologen nur ergänzen und diese nicht ersetzen, sagt Lemmen. Um abzuklären, ob eine Untersuchung mit dem Computertomografen bei dem jeweiligen Patienten sinnvoll ist, bieten die Wuppertaler Radiologen eine gemeinsame Sprechstunde mit einem Kardiologen an.

Denn nicht für jeden Patienten ist die Computertomografie die beste Untersuchungsmethode. "Bei starker Verkalkung der Gefäße sowie bei sehr hoher Herzfrequenz ist das Verfahren weniger gut geeignet", warnt der Utrechter Radiologe Prokop. Dann sollten andere Diagnoseverfahren genutzt werden. "Wenn die Symptome schon deutlich auf eine Verengung der Gefäße hinweisen, ist ein Herzkatheter besser geeignet, weil er gleichzeitig zur Aufweitung genutzt werden kann."

Ein anderes Problem ist die Strahlenbelastung. Obwohl bei den neuen Computertomografen die Dauer der Bestrahlung weiter reduziert wurde, sei die Röntgenstrahlung nach wie vor ein Risiko, sagt Prokop. Daher hält der Professor für Radiologie es heute noch nicht für verantwortbar, Herzpatienten bereits bei einer Routineuntersuchung in die Röhre zu schieben, wie es einige Radiologen fordern.

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