Constantin-Aktie bricht nach Gewinnwarnung ein
Neuer Markt im Rückwärtsgang

Am Neuen Markt der Frankfurter Wertpapierbörse ist es am Freitagnachmittag weiter bergab gegangen, nachdem die Nasdaq im Minus eröffnet hatte. Die US-Einzelhandelsumsätze waren im September mit 2,4 Prozent deutlicher gefallen als erwartet. Volkswirte hatten mit einem Rückgang von 0,6 Prozent gerechnet.

dpa-afx/rtr FRANKFURT. Der Nemax 50 gab bis 15.40 Uhr um 2,87 Prozent auf 905,99 Punkte nach. Der Nemax All Share verlor 3,40 Prozent auf 921,65 Stellen.

Die größten Kursverluste im Nemax 50 verzeichneten Constantin Film , nachdem der Filmkonzern zuvor eine Gewinnwarnung ausgegeben hatte. Die Aktien des Münchener Unternehmens fielen auf ein Rekordtief: Sie brachen am Vormittag in der Spitze knapp 27 Prozent auf 6,15 Euro ein. Constantin hatte am Donnerstag nach Börsenschluss die Verschiebung der Starts von neun Kinofilmen auf das nächste Jahr bekannt gegeben und sein Gewinnziel für 2001 gesenkt. Das Unternehmen erwartet nur noch ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von zwei bis fünf Millionen Euro statt bisher 9,2 Millionen Euro. Vorstandssprecher Daniel Wiest kündigte die Vorlage vorläufiger Zahlen zum dritten Quartal für Dienstag an.

Analysten zeigten sich von der Gewinnwarnung überrascht und warfen dem Unternehmen Kurzsichtigkeit vor. Es sei die Frage, warum Constantin das Überangebot an Kinofilmen erst im September bemerkt habe, hieß es in einem Kommentar von Svenja Peters, Medienanalystin bei SES Research. Anderen Branchenkennern sei die Entwicklung schon wesentlich länger klar gewesen. Dennoch sei die Entscheidung positiv zu beurteilen, da so das Potenzial der Filme besser ausgenutzt werden könne. Das Rating "Marketperformer" behielt Peters bei.

Medienaktien leiden unter Einbruch von Constantin

Von Constantin wurden auch andere Medienfirmen mit nach unten gerissen. "Die Medienaktien leiden natürlich unter der Gewinnwarnung?, sagte ein Händler. Zudem würden Gewinnmitnahmen, nach den jüngsten Kurssteigerungen bei einigen Titeln belasten. "Die meisten Medienwerte leiden darunter, dass sie die Kapazitäten und auch die Kosten auf einen stark wachsenden Umsatz ausgerichtet haben", sagte ein Analyst. Dieser würde aktuell ausbleiben. Bei den international ausrichteten Filmverleihern sei die Umsatz-Situation schwerer einzuschätzen, hieß es.

Die Aktien IM Internationalmedia verloren zeitweise bei geringen Umsätzen 3,09 Prozent auf 21,31 Euro. Am Vortag hatte die Aktie 14 Prozent zugelegt. "Der Abwärtstrend seit Mai ist seit Gestern gebrochen. Wenn sich die Aktie über 21 Euro hält, dann sieht es technisch sehr gut aus", sagte der Händler. Am Nachmittag berappelte sich das Papier wieder und kletterte in die Gewinnzone. Gegen 16 Uhr notierte es 0,48 Prozent fester bei 20,95 Euro.

Mit höheren Umsätzen gaben auch die Papiere des internationalen Filmrechteverwerters Senator Entertainment zunächst nach, drehten dann aber bis zum Nachmittag ebenfalls leicht ins Plus (+3,45 Prozent auf 2,80 Euro). "Senator gehört zu den Werten, die keine Gewinnwarnung ausgesprochen haben", sagte ein Analyst. Das internationale Geschäft sei bis zu den Zahlen für das dritte Quartal undurchsichtig wie eine "Black Box".

Prodacta führt "Penny Stock-Rally" am Neuen Markt an

Gegen den Trend haben die Aktien einiger am Neuen Markt gelisteter Insolvenzkandidaten zum Wochenschluss eine wahres Kursfeuerwerk erlebt. Anführer der rasanten Kursrally war die Aktie der finanziell angeschlagenen Prodacta AG, die zeitweise um über 500 Prozent zulegte. Händler konnten keine fundamentale Erklärung für die spektakulären Aufschläge geben und machten kurzfristig orientierte Käufer für die Bewegungen verantwortlich.

Neben Prodacta gewannen Kabel New Media in der Spitze rund 143 Prozent auf 0,17 Euro, Infomatec stiegen um 50 Prozent auf 0,15 Euro. Die Aktien von MB Software und Management Data legten jeweils um 42 Prozent zu. Alle diese Unternehmen sind entweder aufgrund eines Insolvenzverfahrens von den seit 1. Oktober geltenden Delistingregeln der Deutschen Börse betroffen oder erwarten - wie Prodacta - ein Insolvenzverfahren.

Händler machten in erster Linie kurzfristige Anlagen von Spekulanten für die Kursanstiege verantwortlich. "Das sind Zocker, die jetzt auf die extrem günstigen Kurse setzen und auf Gewinne hoffen", sagte ein Marktteilnehmer. Andere Börsianer führten die Kursanstiege auf das Engagement von Investoren zurück, die sich einen günstigen Unternehmensmantel beschaffen wollen.

Anleger hoffen bei Prodacta noch auf Rettung

Bei dem finanziell angeschlagenen IT-Dienstleister Prodacta, der früheren Angaben zufolge für den 1. November 2001 die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens erwartet, hoffen Händlern zufolge einige Anleger noch auf eine mögliche Rettung durch eine Übernahme des Unternehmens. "Das ist wohl nur heiße Luft", sagte ein Händler. Eine Sprecherin von Prodacta sagte, es gebe keine Nachrichten aus dem Unternehmen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Wiedemann war zunächst zu keiner Stellungnahme zu erreichen. Ebenso äußerte sich auch eine Sprecherin von mb Software. "Es gibt keine fundamentalen Neuigkeiten aus unserem Haus. Mit Wirkung zum 11. November werden wir vom Neuen an den Geregelten Markt wechseln", sagte sie. MB Software hatte am 1. Oktober das Insolvenzverfahren eröffnet.

Kabel New Media das am viertstärksten gehandelte Papier

Die Aktie der Kabel New Media AG war am Freitagmittag mit einem Umsatz von 2,4 Millionen Aktien das am viertstärksten gehandelte Papier auf dem Handelssystem der Deutschen Börse Xetra. Bei Kabel war niemand für eine Stellungnahme zu den Kurssprüngen zu erreichen. Über das Vermögen des IT-Dienstleisters war am 3. September das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Kabel wird mit Wirkung zum 3. November seine Zulassung zum Neuen Markt verlieren. Auch bei Management Data und Informatec, die Mitte November vom Handel am Neuen Markt ausgeschlossen werden sollen, konnten Börsianer keinen Grund für den Kursanstieg erkennen.

An der Spitze der Gewinnerliste befanden sich dagegen Pandatel , die 12,30 Prozent auf 10,50 Euro zulegten. Auch hier gab es keine Nachrichten. Auch die Direktbanken setzten ihre Erholung vom Vortag fort. Die DAB Bank AG stieg zeitweise um 10,69 Prozent auf 11,70 Euro, fiel aber bis zum Nachmittag auf 10,65 (+2,4 Prozent) zurück. Comdirect-Aktien legten um 6,72 Prozent auf 7,15 Euro zu.

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