Consultants mussten sich im vergangenen Jahr mehr denn je ins Zeug
Hellwach in der Krise

Einige Management- Berater wachsen auch im Abschwung, weil sie sich schnell genug dem Markt angepasst haben.

Beim Autozulieferer Pelzer in Witten an der Ruhr hängt der Haussegen schief. Kein Wunder: Das Management hat überraschend einen drastischen Personalabbau angekündigt. Die Sparmaßnahme ist Teil eines Sanierungsprogramms, das Unternehmensberater ausgeheckt haben. Lange Gesichter gibt es auch in Halle an der Saale - im Stadtsäckel klafft ein Loch in der Größe von 41 Millionen Euro. Konsequenz: Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler will die Gewerbesteuern erhöhen, Kindertagesstätten verteuern und einige städtische Dienste privatisieren. Das Konzept stammt von einer bekannten Münchner Beratungsfirma. Hochstimmung herrscht dagegen bei den Aktionären des Hamburger Medienunternehmens Edel Music: Seit kurzem bewegt sich der Kurs des Edel-Papiers Richtung Norden. Die Trendwende schaffte das Management mit einem Sanierungsprogramm. Das Konzept haben Unternehmensberater erstellt. Sie haben auch kräftig geholfen, den Plan in die Tat umzusetzen.

Alle diese Fälle stammen aus der Praxis von Roland Berger Strategy Consultants. Das Münchener Beratungshaus hat im vergangenen Jahr Dutzende ähnlicher Aufträge an Land gezogen. Nicht zuletzt wegen seiner starken Sanierungssparte kann Berger ein weiteres Rekordergebnis melden: 510 Millionen Euro Honorar kassierten seine Berater im vergangenen Jahr. Das ist ein Plus von 77 Millionen Euro oder knapp 18 Prozent im Vergleich zu 2000, wo der Umsatz noch bei 433 Millionen Euro gelegen hatte.

Auch Managementberater müssen flexibel sein

Berger beweist, dass klassische Managementberater immer Konjunktur haben - sofern sie ihr Angebot nur schnell genug an die Bedürfnisse der Wirtschaft anpassen. Dies scheint den Münchnern fast ebenso gut gelungen zu sein wie McKinsey & Company. Zumindest meldet das "German Office" von McKinsey ein weiteres Rekordergebnis: Der Umsatz sei im vergangenen Jahr um 25 Prozent auf 1,16 Milliarden Mark gestiegen, umgerechnet also etwa 590 Millionen Euro.

Auf globaler Ebene half dies nichts: Firmenchef Rajat Gupta musste in den vergangenen Monaten Personal entlassen. Allein in den USA und Kanada erhielten über 200 Mitarbeiter die Kündigung - vergleichsweise wenig, wenn man bedenkt, dass McKinsey weltweit über 13 000 Mitarbeiter beschäftigt. Dennoch ist es das erste Mal in der Geschichte dieses 1927 gegründeten Unternehmens, dass Mitarbeiter entlassen wurden. Auch Deutschlandchef Jürgen Kluge sah sich zu Sparmaßnahmen gezwungen. Neben Stellenstreichungen in nicht genannter Höhe wurde ein bereits fest geplanter Umzug in neue, größere Räume verschoben. Entlassungen gab es auch bei der Nummer 3 unter den in Deutschland vertretenen Managementberatern, A.T. Kearney. Und auch Boston Consulting, Nummer 4 in Deutschland, geriet vor kurzem wegen Kündigungen in die Schlagzeilen. In den USA sollen 100 Berater ihren Hut nehmen. In Deutschland dagegen konnte die Firma knapp zweistellig beim Umsatz zulegen.

Erfolg fußt nicht allein auf Image

Alle Consultants mussten sich im vergangenen Jahr mehr denn je ins Zeug legen, um ihren Honorarumsatz zu steigern. So kämpften Roland Bergers Berater verbissen um jeden Cent und gingen bisweilen sogar in Vorleistung, nur um den Zuschlag eines Kunden zu bekommen. Sie erstellten beispielsweise in Halle das Konzept zur Haushaltssanierung, obwohl sie den Auftrag noch nicht in der Tasche hatten. Und das bei einem Honorarvolumen von lediglich rund 185 000 Euro.

Berger und McKinsey seien Sonderfälle, heißt es immer wieder, wenn Berater über den Erfolg dieser Spitzenreiter im deutschen Consulting Business diskutieren. Sie profitierten von einem hohen Bekanntheitsgrad, den sie sich in langen Jahren nicht nur bei den Großkonzernen, sondern auch beim Mittelstand und im öffentlichen Dienst erworben hätten. Doch am Image allein kann es nicht liegen, wenn eine Consultingfirma aus der Masse herausragt. Management Engineers etwa sind weitgehend unbekannt. Dabei sind die Firmenchefs Bodo Holz und Dieter Kaiser Spitzenreiter im deutschen Beraterbusiness: Die Düsseldorfer melden ein Umsatzplus von fast 40 Prozent. Rund 38 Millionen Euro kassierten sie im abgelaufenen Jahr. Das sind 11 Millionen mehr als im Jahr 2000, wo der Umsatz noch bei 27 Millionen Euro gelegen hatte.

Gestandene Praktiker als Erfolgsfaktor

Den Grund für dieses Rekordergebnis sieht Holz im "ergebnisorientierten Beratungsansatz" seines Hauses. Die Düsseldorfer verstehen sich - wie Kaiser sagt - als "Teil eines Problemlösungsteams". Sie verschmelzen gewissermaßen mit der Organisation ihrer Kunden. Schwerpunkte ihrer Tätigkeit sind die Organisations- und Prozessberatung sowie das Innovationsmanagement. Ein weiterer Erfolgsfaktor: In den Reihen von Management Engineers arbeiten nicht nur hoch qualifizierte Akademiker, sondern auch gestandene Praktiker ohne Universitätsabschluss, solche, die zunächst eine Lehre und dann das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg gemacht haben. "Die Chefs der großen amerikanischen Beratungshäuser würden diese Berater nicht einmal mit der Zange anfassen", sagt Holz.

"Wie eine deutsche Eiche" wächst Simon Kucher & Partners, eine in Bonn ansässige Firma, deren Berater als Experten in Sachen Marketing, Preisfindung und-gestaltung gelten. Die Eigenaussage über das langsame Wachstum ist ein echtes Understatement, wie ein Blick auf die Zahlen zeigt: Simon Kucher konnten ihren Umsatz im letzten Jahr von 24,1 auf 29 Millionen Euro steigern. Das ist immerhin ein Zuwachs von über 20 Prozent. Prof. Hermann Simon, Gründer und Chairman des Beratungshauses, hatte mit 25 Prozent Umsatzplus gerechnet. Doch die Kunden wollten dem Bonner offensichtlich nicht sein gesamtes Angebot abnehmen. "Sie verlangen konkrete, schnelle Verbesserungen", sagt Simon.

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