Containerabfertigung ohne bürokratische Verzögerungen.
Ein Schiff wird kommen

Zollabfertigung in Sekundenschnelle: São Paulo ist dank E-Business einer der modernsten Häfen der Welt. Sogar Korruption und Kriminalität haben weniger Chancen.

Ein Schiff wird kommen...", Lale Andersens Erfolgsschlager aus den 60er-Jahren handelt vom Warten - vom endlosen Warten auf den Geliebten. Aber in der harten Realität der Meeresbezwinger mussten bisher vor allem die Matrosen selbst Geduld aufbringen: Das Be- und Entladen samt Zollformalitäten und der damit verbundene Ärger dauerten oft bis zu fünf Tagen.

Hoffnung ist in Sicht: Bürokratische Verzögerungen bei der Abfertigung könnten schon bald der Vergangenheit angehören. Wie das geht, zeigt der Hafen Santos in der Nähe der Millionenstadt São Paulo. Seitdem dort mit Hard- und Software aufgerüstet wurde, ist Santos einer der modernsten Häfen der Welt - alle Abfertigungsprozesse laufen über das Netz. Schon von hoher See aus werden alle Probleme elektronisch gelöst, die früher erst mit den Hafenbehörden vor Ort verhandelt werden konnten.

"Georgios K" war der erste abgefertigte Frachter

Der erste nach diesem neuen System abgefertigte Frachter hieß "Georgios K" und kam aus Griechenland. Die nötigen Formulare - auf Uno-Normen getrimmt - zog die Mannschaft direkt aus dem Bordcomputer, die weitere Abwicklung verlief schnell und reibungslos. Im Hafen von Santos knallten daraufhin die Sektkorken: Mit so viel modernster Technik können im internationalen Vergleich nur noch Rotterdam und Antwerpen mithalten. Auch dort sind Papier und Kugelschreiber inzwischen tabu.

Schon 1997 wurde die Privatisierung der brasilianischen Häfen eingeleitet. Logistikunternehmen aus aller Welt, darunter auch die Hamburger Hafen- und Lagerhaus AG, übernahmen das Ruder. Den Konkurrenzkampf um eines der großen Container-Terminals gewann das Konsortium Santos Brasil. Dieses besuchte im Anschluss den Hamburger Hafen und schloss einen Vertrag mit elf deutschen Spezialisten, die in zwei Jahren die gesamte Logistik umstrukturierten und ein neues Informationssystem einführten. Das war die Geburtsstunde der seit dem Jahr 2000 zur Supervia Eletronica de Dados (SED) weiterentwickelten Total-Informatisierung des Hafens von Santos.

Von brasilianischer Seite waren daran maßgeblich Ingenieure der Universidade de São Paulo beteiligt. Projektleiter Eduardo Mario Dias urteilt: "Das System reduziert Kosten und erhöht die Effizienz beim Informationsaustausch mit den Hafennutzern und anderen Häfen der Welt."

"Alles ganz einfach und in Sekundenschnelle"

Schon beim Auslaufen des Frachters werden Ladung und Logistik der einzelnen Container im Computerbild sichtbar. Am Ankunftshafen lässt sich früh berechnen, was wann wo entladen, umgeladen oder weiterverfrachtet werden muss. "Alles ganz einfach und in Sekundenschnelle", beteuert Nilson Costa, Geschäftsführer der Agentur Conport Afretamentos Marítimos. Das Konsortium type="person" value="? Brasil, Santos">Santos Brasil meldet heute in seinem Terminal-Bereich 42 Operationen pro Stunde, vor der Privatisierung waren es lediglich 11. Geschäftsführer Marcelo Garcia D?Antona meint: "Diesem operationellen Gewinn verdanken wir der Planung durch IT."

Ein besonderes Problem stellt seit jeher die Zollabfertigung dar, deren Paragrafen-Dschungel und Korruptheit den Handelsleuten früher den Schlaf raubten. Auch diese Hürde scheint genommen zu sein: Heute werden lange vor dem Einlaufen Art und Menge der Waren deklariert. Das dafür von Santos Brasil ausgearbeitete System trägt den Respekt einflößenden Namen Sistema de Gerenciamento de Terminal Alfandegário Portuário, kurz SGTap. Zusätzlich wird die Verladeprozedur peinlich genau überwacht, um das eventuelle Verschwinden einzelner Container zu verhindern.

Containerabfertigung wird von bisher zwei Tagen auf drei Stunden reduziert.

Santos wird nun von der Regierung als Modell für alle anderen brasilianischen Häfen empfohlen. In Sao Francisco do Sul wurde bereits mit der Übernahme begonnen. Ebenfalls im Anfangsstadium befindet sich das Projeto Paranaguá Telemática von Paranaguá. Die Hoffnung: Die Dauer der Containerabfertigung von bisher zwei Tagen auf drei Stunden zu reduzieren.

Das multinationale Unternehmen Alianca Transportes verfolgt ein weiteres Ziel mit dem Ende vergangenen Jahres eingerichteten Portals Intra, das bereits von zahlreichen Unternehmen, darunter auch Hapag-Lloyd, genutzt wird. Direktor Pochaczevsky erläutert: "Der Kunde kann bei uns auch die Ladung, die zum Beispiel von Santos nach Finnland geht, überwachen und weiß dann genau, wo sich sein Container befindet." Das Konzept scheint aufzugehen, seine Online-Kunden stehen bereits für 30 % des gesamten Umsatzes.

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