Archiv
Conti ist auch 2005 kaum zu bremsen

vwd HANNOVER. Die Continental AG, Hannover, wird aller Voraussicht nach auch im kommenden Jahr ihre Aktionäre begeistern. Die Kommentare der Branchenexperten lesen sich durchweg positiv. "Das Unternehmen steht in einem exzellenten Zustand da", befindet etwa Analyst Patrick Juchemich von Sal. Oppenheim. Selbst das bezüglich Prognosen eher konservative Management hat bereits verlauten lassen, dass 2005 Umsatz und Ebit weiter zulegen sollen - obwohl bereits 2004 Höchstwerte erreicht werden.

Analyst Fabian Kania von Helaba Trust sieht die Perspektiven des Reifen- und Systemlieferanten auch über 2004 hinaus positiv. Nicht nur in der Automobilelektronik, sondern auch bei Pkw-Reifen sei auf Grund der konsequenten Vorgehensweise in den USA weiteres Ertragswachstum zu erwarten, sagt er.

Marc-Rene Tonn von M.M. Warburg erwartet ein Umsatzplus von rund 13 Prozent auf 14,2 Mrd Euro. Maßgeblich dafür seien eine Ausweitung des operativen Geschäfts vor allem bei ESP-Systemen und Nutzfahrzeugreifen, vor allem aber die Konsolidierung der Phoenix AG, die im kommenden Jahr voll umsatzwirksam wird.

Beim Gewinn stehen die Zeichen erneut auf überproportionalem Wachstum

Noch positiver sehen Analysten die Entwicklung der Ertragslage. Das Ebit sieht Tonn bei 1,225 Mrd Euro nach 1,004 Mrd Euro im laufenden Jahr. Allein der Wegfall der Belastung aus dem Werk Mayfield wird sich seiner Ansicht nach mit 123 Mio Euro positiv auswirken. Hinzu kommen 60 Mio Euro, die Phoenix zusätzlich beisteuern soll. Nicht eingerechnet sind dagegen eventuelle Anpassungskosten.

Analyst Juchemich prognostiziert eine ähnliche Entwicklung. Er sieht den Umsatz zwar nur bei 13,87 (12,6) Mrd Euro, das Ebit aber bei 1,23 Mrd Euro. Die Kombination aus Low-Cost-Produktion und steigenden Anteilen von Hochleistungs- und Winterreifen, die eine höhere Marge abwerfen, sowie eine "signifikante Verbesserung" im US-Geschäft sollten das Gewinnniveau erhöhen.

"Zudem wird der Bereich Continental Automotive Systems wieder ein zweistelliges Umsatz- und Ergebniswachstum beisteuern", sagt er. Conti selbst rechnet für 2005 mit einer Verdoppelung und für 2006 mit einer Verdreifachung des US-Absatzes von elektronischen Stabilitätskontrollsystemen (ESP).

Vor allem beim Thema Niedrigkostenstandorte zählt Conti in der Branche zu den Vorreitern. 2004 würden über 40 Prozent der Pkw- und Nfz-Reifen in sogenannten Billiglohnländern gefertigt. "In fünf Jahren wollen wir in der Nähe von 60 Prozent ankommen", sagt der Vorstandsvorsitzende Manfred Wennemer der Agentur Dow Jones Newswires.

Und die steigenden Rohstoffpreise treiben dem Vorstand auch keine Schweißperlen auf die Stirn. "Wir haben den Peak hinter uns", hatte Finanzvorstand Alan Hippe jüngst erklärt. Die erwartete Belastung von 120 Mio Euro im laufenden Jahr aufgrund der Rohstoffpreisentwicklung werde Conti wahrscheinlich unterschreiten. Für das kommende Jahr zeigte er sich bezüglich der Preisentwicklung "leicht optimistisch".

Auch die vor Jahren noch verheerende Verschuldungssituation des Konzerns hat sich seit geraumer Zeit gebessert. So sieht sich Conti sogar mittlerweile in der Lage, Anleihen im Volumen von 500 Mio Euro zurückzukaufen. "Dieser Rückkauf unterstreicht die sich weiter verbessernde finanzielle Situation von Continental", hatte Finanzvorstand Alan Hippe dazu erklärt. Denn mittlerweile liegt das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital (gearing ratio) bei nur noch 46,9 Prozent - vor drei Jahren hatte Conti hier noch eine ungesunde Quote von 168 Prozent ausgewiesen.

Bleibt also der Dollar, der für Conti ein Risiko darstellen könnte. "Direkt ganz sicher nicht, da wir short im Dollar sind", sagt Finanzvorstand Alan Hippe im Gespräch mit Dow Jones Newswires. Eine Verwässerung des Ergebnisses durch Zukäufe wird ebenfalls nicht erwartet. "Ich sehe bei Conti keine große Akquisition ins Haus stehen", so Analyst Juchemich.

Lediglich die Kursentwicklung könnte zu denken geben. Denn seit der Wiederaufnahme in den Dax am 22. September 2003 hat die Conti-Aktie um über 80 Prozent zugelegt, die Marktkapitalisierung erreicht mittlerweile 6,3 Mrd Euro - deutlich mehr als die Hälfte der Volkswagen-Börsenkapitalisierung. So sind die Analysten unterschiedlicher Meinung, ob ein KGV von rund 10 im kommenden Jahr nur noch ein marktkonformes oder doch noch ein höheres Kurspotenzial bietet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%