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Conti will auf die Erfolgsspur zurück

Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental will nach dem dreistelligen Millionenverlust im Vorjahr schon 2002 wieder an alte Rekordergebnisse anknüpfen. Für 2001 entfällt jedoch die Dividende.

rtr HANNOVER. Nach der Schließung von fünf Reifenwerken und etlichen Restrukturierungsmaßnahmen sei Conti gut gerüstet, um gestärkt aus dem Konjunkturtief hervorzugehen, sagte Konzernchef Manfred Wennemer am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Hannover. Anstelle weiterer Zukäufe setze der Konzern jetzt stärker auf Kooperationen und konzentriere sich auf die Verbesserung des Ertrages und den Abbau der hohen Verschuldung.

Den Verzicht auf eine Ausschüttung an die Aktionäre bezeichnete der seit September amtierende Wennemer auf seiner ersten Bilanzpräsentation als einmaligen Vorgang. Im nächsten Jahr sei wieder mit einer angemessenen Dividende zu rechnen, sagte Wennemer. Für 2000 hatte Conti die Rekorddividende von 0,51 ? gezahlt.

Nach dem Abbau von Überkapazitäten durch die Schließung von insgesamt fünf Werken erwarte Conti in diesem Jahr "eine deutliche Verbesserung des Ergebnisses", sagte Wennemer. Der Umsatz solle leicht auf 11,5 Mrd. ? von 11,2 Mrd. ? steigen. Ziel sei ein operatives Ergebnis vor Abschreibungen (Ebita) auf dem Rekordniveau des Jahres 2000 mit 533 Mill. ?. Das Ebita lag 2001 bei lediglich 33 Mill. ? Das Ergebnis war insbesondere durch 468 Mill. ? für die Werksschließungen in Schweden, Österreich, Mexiko, Belgien und Deutschland belastet worden. Unter dem Strich hatte Conti einen Nettoverlust von 258 Mill. ? ausgewiesen.

Conti stützt seine positive Prognose für 2002 auf den Verlauf des ersten Quartals. Sowohl Umsatz als auch Ergebnis lägen über dem Vorjahresniveau, sagte Wennemer.

Wennemer und Finanzvorstand Klaus Friedland kündigten an, die Verschuldung erheblich zu reduzieren. Zum Jahresende betrugen die Nettoschulden 2,sechs Mrd. ? 600 Mill. ? mehr als Ende 2000. Wesentlicher Grund war der Zukauf des Fahrzeugelektronik-Spezialisten Temic von Daimler-Chrysler für insgesamt gut 610 Mill. ?.

Die so genannte Gearing-Ratio - das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital - soll laut Wennemer bis Ende 2003 von derzeit 168 Prozent auf rund 100 Prozent verbessert werden. Zum einen werde das Eigenkapital durch die erwarteten verbesserten Erträge von derzeit 1,5 Mrd. ? um einige hundert Mill. ? steigen, sagte Friedland auf Nachfrage. Durch andere Erträge würde die Verschuldung um mehrere hundert Mill. ? reduziert. Auch die Investitionen seien reduziert worden. Conti plant nach den Worten Wennemers weiterhin den Verkauf von Teilen der Conti-Tochter ContiTech, deren Gesamtverkauf im vorigen Jahr gescheitert war. Einzelheiten nannte Wennemer nicht.

Mit hohen Wachstumsraten rechnet Conti in der noch jungen Sparte Automotive Systems, in der der Bremsenspezialist Teves und die Temic zusammengefasst sind. Teves werde in diesem Jahr 2,6 Mill. Elektronische Stabilitäts-Programme (ESP) bauen, 600 000 mehr als im Vorjahr. Für 2004 lägen schon jetzt über 4,2 Mill. ESP-Einheiten vor, sagte Wennemer.

Auf die zuletzt schwache Entwicklung im Reifengeschäft in Nordamerika und im Lkw-Reifengeschäft in Europa habe Conti mit dem Abbau der Überkapazitäten und Investitionen in die Werke an den Niedriglohnstandorten in Osteuropa und Portugal reagiert, sagte Wennemer. Spekulationen über einen Verkauf des Lkw-Reifengeschäfts erteilte er erneut eine Absage. "Wir wollen jetzt die Früchte unserer Investitionen tragen. Wenn wir verkaufen wollten, hätten wir unserem Käufer sicher die Restrukturierungskosten überlassen", sagte Wennemer.

In Nordamerika geht Conti nach dem operativen Verlust von 315 Mill. ? für 2002 von einer Verbesserung vor allem durch neue Produkte aus. Allerdings kalkuliert Conti bei der Tochter General Tire North America in den USA und Mexiko nochmals mit roten Zahlen. Die Gewinnschwelle soll nach den Worten Wennemers 2003 erreicht werden.

An der Strategie der Conti, sich vom reinen Reifenhersteller zum weltweit agierenden Autozulieferer mit elektronisch gesteuerten Fahrwerk- und Sicherheitssystemen zu entwickeln, will Wennemer nichts ändern. Allerdings werde sich die Umsetzung der Strategie ändern. "Im Vordergrund stehen Ergebnis und Cash-Flow unseres Unternehmens", sagte Wennemer. Anstelle weiterer Zukäufe stünden nun Kooperationen im Vordergrund, wie sie kürzlich in mit Yokohama und Bridgestone geschlossen wurden.

Der Kurs der im MDax der mittleren Unternehmen notierten Conti-Aktie stieg bis zum Mittag um 0,35 Prozent auf 17,05 ?.

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