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Continental berät über weitere Werksschließung

Der Aufsichtsrat des Reifenherstellers wird in diesem Jahr in die roten Zahlen rutschen und will deshalb zwei Werke in Europa schließen.

rtr HANNOVER. Der Aufsichtsrat des hannoverschen Reifenherstellers Continental berät auf einer Sitzung am Montag nach Angaben aus Betriebsratskreisen über die Schließung eines weiteren Werkes. Dabei könne auch schon eine Entscheidung fallen, hieß es am Sonntag in den Kreisen weiter. Der weltweit viertgrößte Reifenproduzent und Autozulieferer wird nach Einschätzung von Konzernchef Manfred Wennemer 2001 erstmals seit zehn Jahren in die roten Zahlen rutschen und will auf Grund von Überkapazitäten insgesamt zwei Werke in Europa schließen. Vergangene Woche hatte der Conti-Chef bereits das Ende für die Reifenproduktion im österreichischen Traiskirchen für Mitte 2002 verkündet. Darüber hinaus werde ein weiteres Werk in Europa geschlossen, hieß es.

In einem Gespräch mit der "Welt am Sonntag" bekräftigte Wennemer die Pläne. "In einem Jahr werden wir im Vergleich zu heute zwei Werke weniger haben - möglicherweise wird der Abbau auch größer sein", zitierte die Zeitung den Vorstandschef der Continental AG. Nach Informationen des Blattes soll es sich bei dem zweiten, in Europa zu schließenden Werk um Gislaved in Schweden mit knapp 800 Beschäftigten handeln. Dieser Standort war bereits in Medienberichten als wahrscheinlichster Kandidat für eine Schließung genannt worden. Wennemer wollte dies im Gespräch mit der Zeitung aber erneut weder bestätigen noch dementieren. "Ich kann dazu nichts sagen. Wir halten uns an die gesetzlichen Regeln, die für uns in den jeweiligen Ländern gelten", sagte Wennemer lediglich.

Berichte, dass Conti auch sein Werk im mexikanischen Guadalajara dicht machen könnte, hatte er schon als Spekulation zurückgewiesen. Gleichwohl hatte der Vorstandschef vergangene Woche deutlich gemacht, angesichts der schwierigen Geschäftslage von Continental könnten auch in den USA und Mexiko Kapazitätsanpassungen zumindest nicht ausgeschlossen werden. Durch den Aufbau großer kostengünstiger Werke in Osteuropa drücken den Konzern derzeit vor allem in der Reifenproduktion Überkapazitäten. Nach der bereits schwachen Neun-Monatsbilanz hatte der vor wenigen Monaten auf den Chefsessel gerückte Wennemer ein Kostensenkungsprogramm und die Überprüfung aller Bereiche und Standorte angekündigt.

In Traiskirchen sind nach bisherigen Conti-Angaben gut 950 der 1400 Beschäftigten betroffen. Vorerst sollen ein Mischwerk und der Vertrieb erhalten bleiben. Aber auch diese Bereiche würden langfristig wohl geschlossen, hatte es vergangene Woche geheißen. Medienberichte über einen Abbau von insgesamt bis zu 4000 Stellen im Ausland hatte Wennemer jedoch als zu hoch bezeichnet.

Die Kosten für die Schritte würden die Bilanz 2001 zusätzlich belasten, hatte Wennemer gesagt. Schon jetzt liege die Summe für Restrukturierungen inklusive der von Traiskirchen bei 170 Mill. ?. 2002 wolle Conti aber wieder schwarze Zahlen auf dem Niveau des Jahres 2000 schreiben. Wennemer rechnet überdies für das kommende Jahr trotz schwieriger Konjunktur mit einem Umsatzplus zwischen drei und sechs Prozent. Der Pkw-Reifenabsatz solle ferner um zwei Mill. auf 65 bis 66 Mill. zulegen.

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