Contracts for Difference
Neue Instrumente ermöglichen Wetten auf fallende Aktienkurse

Leerverkauf ist über Umwege längst auch in Deutschland möglich. Doch es geht auch einfacher: "Contracts for Difference" sind leicht zu handhaben und das Verlustrisiko ist begrenzbar.

FRANKFURT/M. Wer im April 2000 auf fallende Kurse gesetzt hat, konnte angesichts der anhaltenden Börsen-Baisse viel Geld verdienen. Doch für deutsche Privatanleger war dies bisher meist nur über Umwege oder für kurze Zeit möglich. Aber es gibt eine Alternative: Mit "Contracts for Difference" (CFD) können Investoren zeitlich unbegrenzt auf fallende Kurse setzen. Die Produkte kommen aus Großbritannien und machen dort bereits 30 % des Umsatzes an der Terminbörse Liffe aus. "Die Anleger sind auch hier begeistert", sagt Hendrik Theis vom Hanseatic Brokerhouse.

Bei CFD wird ein synthetisches, die zugrunde liegende Aktie abbildendes Produkt gehandelt. Der Anleger vereinbart mit einem Market-Maker, die Differenz zwischen dem Aktienkurs bei Vertragsschluss und bei Verkauf, multipliziert mit einem Hebel, bar auszugleichen. Anleger können nicht nur short, sondern auch long gehen oder ihr Depot absichern.

Der Gewinn bei CFD auf fallende Kurse setzt sich aus dem Wertverlust der Aktie multipliziert mit dem Hebel zusammen. Der Anleger handelt, wie bei Futures, über ein Margin-Konto, seine Einlage dient als Sicherheit. Daraus ergibt sich ein Hebeleffekt, der in der Regel, zwischen 2 und 5 variiert.

Mit 10 000 kann der Anleger also 50 000 einsetzen und den Gewinn verfünffachen. Das gilt auch für den Verlust. Faktisch aber ist der auf die Einlage beschränkt. "Geht das Konto gegen Null, bitten wir um Glattstellung oder Nachschuss", sagt Andreas Kosina von Brokerhaus Actior. Die Gebühren betragen zwischen 0,1 und 0,3 % des Aktienwerts, bei einem Handelsvolumen von 50 000 also zwischen 50 und 150 . CFD sind auf alle Aktien möglich. Market-Maker und Brokerhaus verdienen an den Gebühren. Die Gewinne zahlt das Brokerhaus. Einen Nachteil haben CFD: Die Mindesteinlage ist mit 10 000 beim Hanseatic Brokerhouse und 20 000 bei Actior vergleichsweise hoch.

Bisher war der Leerverkauf das klassische Instrument, um an fallenden Kursen zu verdienen. Dabei leiht sich der Anleger Aktien, zum Beispiel bei seiner Bank, und verkauft sie an der Börse. Sinkt der Kurs der Aktie, geht seine Spekulation auf. Er kauft er sie zu einem niedrigeren Kurs wieder ein und gibt sie dem Verleiher zurück. Der Gewinn ist die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufkurs. Gefährlich ist die Umkehrung des Gewinn-Verlust-Risikos: Während der Verlust beim Kauf einer Aktie auf 100 % beschränkt ist und der Gewinn keine Grenzen kennt, ist es bei einer Short-Position anders. Der Verlust kann ins Unendliche gehen, wenn die Aktie steigt und der Leerverkäufer sie zurück kaufen muss.

In der Regel laufen solche Leerverkäufe über US-Konten. Hier kann man nach Lust und Laune shorten, jedoch kaum deutsche Aktien, da nur wenige in den USA gehandelt werden. Einige Online-Broker wie Sino oder Consors bieten Leerverkäufe auch in Deutschland an - die Positionen müssen aber spätestens nach sieben Bank-Arbeitstagen ausgeglichen werden. Außerdem sind die Leihgebühren hoch. Consors bietet auch Shorts für an, die bis zu ein Jahr laufen Das kostet aber jeden Monat 69 extra.

Faktischer Leerverkauf ist auch über Futures oder Zertifikate möglich. Auch bestimmte Fonds setzen auf fallende Kurse. Schließlich gibt es Put-Optionsscheine. Doch ist bei ihnen ein Aufgeld zu bezahlen und die Funktionsweise kompliziert.

Nur über CFD sind Leerverkäufe zeitlich unbegrenzt möglich. Und das CFD-Prinzip ist einfach, da Gewinn und Verlust nur an die Aktie gekoppelt sind. Anders als bei Puts gibt es keinen Verfallstermin, damit keinen Zeitwertverfall.

Der deutsche Markt entsteht erst, hat aber Potenzial. "Wir haben bereits über Hundert äußerst aktive Trader", sagt Kosina. Der CFD-Handel ist bislang eine Nische kleiner Brokerhäuser. Setzt sich der Trend fort, wird sich dies ändern. Consors etwa erwägt bereits den Markteinstieg.

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