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Converium mit Quartalsverlust und mehr Prämien - Aktie steigt

Der angeschlagene Schweizer Rückversicherer Converium ist im dritten Quartal überraschend tief in die roten Zahlen gerutscht. Die Bruttoprämien stiegen dagegen auch dank Währungseffekten infolge des schwachen US-Dollars deutlicher als von Analysten erwartet.

dpa-afx ZÜRICH. Der angeschlagene Schweizer Rückversicherer Converium ist im dritten Quartal überraschend tief in die roten Zahlen gerutscht. Die Bruttoprämien stiegen dagegen auch dank Währungseffekten infolge des schwachen US-Dollars deutlicher als von Analysten erwartet. Einen Ausblick gaben die Schweizer am Dienstag nicht. Zu den laufenden Vertragsverhandlungen zwischen Rück- und Erstversicherern in Baden-Baden wollte sich Converium nicht äußern. Analysten bewerteten die präsentierten Zahlen unterschiedlich. Die Converium-Aktie stieg in Zürich bis zum frühen Mittag über dem Markttrend um 2,2 Prozent auf 8,35 Franken.

Finanzvorstand Martin Kauer kündigte bei einer Telefonkonferenz weitere Umstrukturierungskosten an. Im Schlussquartal des laufenden Jahres sowie im nächsten Jahr dürften sie sich auf etwa 20 Mill. Dollar belaufen. Im dritten Quartal gab Converium 3,4 Mill. Dollar im Zuge der Umstrukturierung aus. Konzernchef Dirk Lohmann bekräftigte, dass 2005 ein Übergangsjahr und 2006 dann ein Jahr der Restauration werde. Die wohl größte Herausforderung für Converium sei das Schrumpfen des Rückversicherers auf eine der neuen Realität angemessenen Größe.

Fokus AUF Europa, Asien, Lateinamerika

Converium wickelt derzeit sein US-Geschäft ab und bemüht sich dort um die vorzeitige Auflösung bestehender Verträge. Kernmärkte sollen künftig Europa, Asien und Lateinamerika sein. Der Rückzug aus dem lukrativen Markt der Vereinigten Staaten war eine Reaktion auf Rating-Abstufungen, nachdem der Rückversicherer im Sommer angekündigt hatte, Rückstellungen deutlich aufstocken zu müssen. Wegen der falschen Einschätzung von Schadensfall-Auswirkungen zwischen 1997 und 2001 in den USA steht die Gesellschaft seit Juli unter Druck. Die Aktie verlor seither etwa drei Viertel ihres Werts.

Konzernleitungs-Mitglied Benjamin Gentsch sagte, Converium habe außer in den Vereinigten Staaten und im Rating-empfindlichen australischen Markt kaum Kunden verloren. Kürzlich hatte Standard & Poor's seine Ratingeinstufung für Converium auf "BBB+" angehoben. Zuvor hatte Converium sein Kapital um 533,4 Mill. Franken (rund 420 Mill. Dollar) erhöht, auch um wieder ein besseres Rating zu erhalten. Die Bonitätsbewertung ist für Rückversicherer für Verhandlungen mit ihren Kunden sehr wichtig.

Quartalsergebnisse

Im dritten Quartal verbuchte Converium einen Fehlbetrag von 116,3 Mill. Dollar (Vorjahr: plus 44,3 Mill. Dollar). Analysten hatten ein Minus von 109,3 Mill. Dollar erwartet. Der Betriebsverlust betrug 125,0 Mill. Dollar (Vorjahr: plus 56,4 Mill. Dollar). Converium verstärkte seine Rückstellungen um 96,4 Mill. Dollar netto. Dies hatte Konzernchef Lohmann bereits Ende September angekündigt. Die "außergewöhnliche Häufung" von Hurrikanen und Taifunen belastete das Ergebnis mit 95,8 Mill. Dollar. Die Bruttoprämien kletterten um 2,3 Prozent auf 1,03 Mrd. Dollar (Experten-Prognose 991 Mill. Dollar). Die gezeichneten Nettoprämien stiegen um 5,2 Prozent auf 933,8 Mill. Dollar und die verdienten Nettoprämien um 10,4 Prozent auf 1,01 Mrd. Dollar.

Das Anlageergebnis verbesserte sich um 83,9 Prozent auf 97,3 Mill. Dollar. Die Eigenkapitalrendite verschlechterte sich im Berichtzeitraum auf minus 22,3 Prozent (+10,2%). Das Eigenkapital schrumpfte zum 30. September um 5,5 Prozent auf 1,275 Mrd. Dollar. Die Anfang Oktober erfolgte Kapitalerhöhung floss hier noch nicht ein. Mit seinen Geschäftsbanken erzielte Converium eine Einigung hinsichtlich der wichtigsten Konditionen für eine neue Kreditlinie von 1,6 Mrd. Dollar. Die Transaktion soll bis Mitte November abgeschlossen sein.

Analystenkommentare

Aus der Analystenzunft kamen gemischte Reaktionen. Das Resultat ist aus Sicht von Pictet-Experte Stefan Schürmann insgesamt besser als erwartet ausgefallen. Allerdings würden negative Einflüsse auf Umsatz und operatives Ergebnis erst in den nächsten Quartalen spürbar. Die Unsicherheit überwiege die Fundamentaldaten. Er behalte daher die Aktie weiter auf "Reduce".

Laut Georg Marti von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) entwickelt sich das Geschäft in der Sach- und Haftpflichtversicherung vorteilhaft. Wegen des immer noch überdurchschnittlichen Risikoprofils bewertet er die Aktie mit "Untergewichten". Vernichtend fällt dagegen das Urteil der Bank Wegelin aus. Das Quartalsergebnis zeige ein Bild der Verwüstung wie nach dem Durchzug eines Hurrikans.

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