Cook-Veranstalter Neckermann beschert Touristikunternehmen in der Sommersaison starke Zuwächse
Thomas Cook sonnt sich im Erfolg

Der zweitgrößte europäische Touristikkonzern Thomas Cook schraubt trotz der allgemein mageren Konjunkturaussichten seine Prognose nach oben. Analysten zeigen sich positiv überrascht.

FRANKFURT/M. "Neckermann macht?s möglich" - der betagte Slogan des traditionsreichen deutschen Veranstalters bekommt für den Touristikkonzern Thomas Cook AG in diesem Jahr eine neue Wendung. Denn vor allem dank des guten Ergebnisses der wichtigsten Veranstaltertochter Neckermann kann der zweitgrößte europäische Reisekonzern aus Oberursel stärker zulegen als erwartet.

Weil Neckermann in der Sommersaison weit besser als der Markt abschnitt und ein Umsatzplus von 18 % erzielte, hebt Vorstandschef Stefan Pichler die Ergebnisprognose für den zweitgrößten Reisekonzern Europas an. "Wir gehen derzeit davon aus, dass wir das Ergebnisplus von 10 % nicht nur erreichen, sondern sogar leicht übertreffen werden", sagte Pichler im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Umsatz werde zweistellig wachsen.

Der Reisekonzern, der im Juni seinen alten Namen C & N Touristic ablegte und seitdem wie seine neue britischen Tochter Thomas Cook heißt, hatte bisher für das laufende Jahr eine Steigerung von Umsatz und Ergebnis um 10 % in Aussicht gestellt. Zu Thomas Cook gehören unter anderem die Veranstalter Terramar, Neckermann, Kreutzer und der Ferienflieger Condor. Pichler will den Thomas Cook-Konzern, der je zur Hälfte Lufthansa und Karstadt-Quelle gehört, in den kommenden Jahren börsenfähig machen.

Thomas Cook schreibt in allen europäischen Märkten schwarze Zahlen

"Im Gegensatz zu manchem Konkurrenten schreibt Thomas Cook in allen europäischen Märkten, in denen wir vertreten sind, schwarze Zahlen", betonte der Vorstandsvorsitzende. Der Schweizer Reisekonzern Kuoni hatte erst vor wenigen Wochen die Märkte mit einer Gewinnwarnung verschreckt und vor allem in Skandinavien, Italien und den USA ernsthafte Probleme eingeräumt.

Das starke interne Wachstum bei Cook wird laut Pichler ohne die Einbeziehung der britischen Reisetochter Thomas Cook erreicht, die ab dem dritten Quartal dieses Jahres konsolidiert wird. Im vergangenen Jahr wies das Unternehmen einen Gewinn vor Steuern von 220 Mill. DM und einen Umsatz von 9,74 Mrd. DM aus. Cooks deutsche Veranstalter steigerten ihren Umsatz in der Sommersaison insgesamt um 14 % - etwas weniger kräftig als Neckermann. "Thomas Cook wird damit im laufenden Jahr auch in Deutschland wieder Marktanteile hinzugewinnen, da der deutsche Reisemarkt nur zwischen 3 und 5 % wachsen wird", sagte Pichler. In Europa werde der Konzern seinen Marktanteil voraussichtlich von 27 % auf 30 % ausbauen.

Christian Obst, Touristikanalyst der Hypo-Vereinsbank, zeigt sich vor allem von den Zuwächsen bei Neckermann beeindruckt. "Das ist eine stolze Leistung." Der Sommer müsse für die großen Touristikkonzerne allgemein sehr gut gelaufen sein - trotz der schwachen Konjunktur. So ist auch Europas führender Reiseveranstalter TUI Deutschland mit einem Erlöswachstum von rund 9 % in der Sommersaison stärker als der Markt gewachsen.

Konsolidierungswelle ebbt noch nicht ab

Pichler rechnet noch nicht mit einem Ende der Konsolidierungswelle im europäischen Tourismus. "Ich glaube, dass es mittelfristig noch eine weitere Konzentration geben wird. Es wird in vier bis fünf Jahren weltweit nur vier oder fünf Global Player geben, die das touristische Geschehen in den großen Ziel- und Absatzmärkten maßgeblich beeinflussen."

Der Blick von Thomas Cook richte sich nach dem Kauf der gleichnamigen britischen Tochter und der französischen Reisebürokette Havas allerdings nicht primär auf Akquisitionen. Günstige Gelegenheiten werde sich Thomas Cook zwar nicht entgehen lassen, aber es gebe keine konkreten Absichten für weitere Zukäufe. "Pläne, in Italien, Spanien oder Skandinavien einzusteigen, gibt es derzeit nicht." Die Länder seien zwar interessant, aber keine Schlüsselmärkte für Cook.

Auf der Suche nach neuen Vertriebswegen setzt Pichler neben dem Fernsehen vor allem auf den Online-Verkauf. "Im laufenden Jahr wird Thomas Cook in Europa allein 250 Mill. DM im elektronischen Direktvertrieb erlösen, das heißt über Internet, Call-Center und TV." Vergangenes Jahr betrugen die Cook-Umsätze über das Internet in Deutschland erst 28 Mill. DM.

Die zahlreichen Veranstaltermarken unter dem Konzerndach will Pichler künftig noch stärker auf bestimmte Kundensegmente konzentrieren. Die preiswerten Marken Bucher und Air Marin sollen weiter zusammenrücken. Pläne, im Hochpreissegment eine neue europäische Marke unter dem Namen Thomas Cook zu positionieren, wurden dagegen vorerst ad acta gelegt. Pichler: "Dachmarke und Veranstalter unter dem gleichen Namen - das hätte nicht zueinander gepasst - und als Dachmarke ist uns Thomas Cook erheblich mehr von Nutzen."

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